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Wir sind in Kerala angekommen. Unsere erste Station war  Wayanand Wildlife Sanctuary. Wieder einmal hatten wir einen völlig untouristischen Ort ausgewählt. Perfekt… 🙂

Es ist ein riesiges Waldschutzgebiet, welches sogar bis nach Tamil Nadu reicht. Es ist ein Mix aus Reisfeldern, unberührten Rändern und verinzelten Gewürzplantagen.

Unser Besuch im Schutzgebiet, ging am frühen Morgen mit einem Jeep los. Sie lassen nur begrenzte Besucher in den „Park“, den Tieren zu liebe. Auch kann man die meisten Tiere morgens am Besten sehen…  Und siehe da, schon beim Eingang durften wir den ersten wilden Elefanten sehen.

Wir waren etwa 2 Stunden dort und sahen sehr viele wilde Elefanten. Wow, einfach nur eindrücklich, diese riesigen Tiere zu sehen.. Nicht im TV, nicht auf Fotos und auch nicht im Zoo, wirklich einfach in Natur wie sie doch eigentlich leben sollten…

Rehe, Pfaue und verschiedene Vogelarten zeigten sich  auch. Einen Tiger sahen wir leider auch dieses Mal nicht… Hmm…

Auf der Heimfahrt sahen wir Kautschuckbäume,

Schwarzer Pfeffer direkt vom Baum und Kaffeepflanzen.

Früh am Morgen begann der Tag mit einem typischen südindischen-Frühstück, welches aus Idlis (lockere runde weisse fermentierte Reiskuchen), die in Kokosnuss- Chutney und Sambar (Suppenartiges Linsengerischt) getunkt werden, Appam (Reispfannkuchen)und Chai besteht. Dieses Frühstück hat wohl gar nichts gemeinsam mit unserem Käse und Brot. Daher war es nicht verwunderlich, dass wir uns danach ein bisschen komisch fühlten. Nora macht vom speziellen Essen und Geschmäcker eingiges durch. Ich denke sie wird, wenn sie zurückkehrt ganz von der Schnäderfressigkeit geheilt sein… :-))

Unsere Weiterfahrt startete mit einem superfast Bus der keine Fensterscheiben hatte und uns zum nächsten Bahnhof brachte (wichtig in einem Bus sind die Männer immer hinten und die Frauen vorne). Daher fahren wir im Bus meistens getrennt. Finden das eigentlich eine gute Bestimmung. Die Population ist so gross, dass Gedränge nicht zu vermeiden ist.

Dann ging es mit dem Zug Richtung Kochi. Was uns in diesen Momenten sehr zu schaffen macht ist die grosse Hitze. Sie macht müde und man hat nicht so Appetit, meistens verspüren wir auch ein leichtes Schwindelgefühl. Reisen fordert halt und Schlaf und Essrythmus kommen immer durcheinander. Nicht zu vergessen, dass es viel Energie und Geduld kostet bis man ans ersehnte Ziel gelangt.

Wir erreichten Ernakulum. Ernakulum ist auf dem Festland, ein hektischer Verkehrsknotenpunkt und es ist das  kosmopolitische Zentrum der Stadt. Von dort aus nahmen wir gleich eine Fähre, die uns abends nach Fort Cochin brachte.

Nirgendwo in Indien findet sich eine solche Mischung ein zweites Mal: riesige Fischernetze aus China, eine 400 Jahre alte Synagoge, antike Moscheen, und portugiesische Häuser und natürlich auch Überreste von Britisch- Indien. Dadurch entstand eine Kombination aus dem mittelalterlichen Portugal, den Niederlanden und einem englischen Dorf.

Am nächsten Tag besichtigten wir als erstes  die dominierende und imposante katholische Santa Cruz Basilica.

Auch in dieser Kirche bemerkten wir schnell, dass wir in Indien sind. An der Seite sahen wir Beichtstühle, indem der Priester mit seinen Flip- Flop sass (mit einem Bein auf dem Stuhl)…

Die farbenprächtige Jesusstatue wurde mit Neonfarben beleuchtet und hatte dadurch  eine grosse Ausstrahlungskraft. :-))

Danach besuchten wir die Kirche St. Francis, welche angeblich das erste von Europäern erbaute Gotteshaus in Indien ist und von portugiesischen Franziskanermönchen erbaut wurde.   Vasco da Gama, der in Kochi starb, wurde dort begraben und erst nach 14 Jahren wurden  seine Überreste nach Lissabon geschaft. Wir besichtigten noch seinen Grabstein.

Unsere Tour ging weiter zum niederländischen Friedhof, der 1724 geweiht wurde. Dort sieht man verwitterte, verfallene Grabmäler von niederländischen Händlern und Soldaten. Wir suchten vergeblich nach einem „Smits“- Grabstein… :-))

Ganz an der Spitze von Fort Cochin findet man chinesische Fischernetze. Anscheinend sei dieses Konstrukt von den Portugiesen, die Netze aber von den Chinesen.

Wir durften einen Besuch auf dem legendären Fischernetz abstatten, die Fischer luden uns sehr spontan dazu ein, dem Fischfang in Aktion zuzusehen.

Für einen solchen Fischfang benötigt es 4 kräftige Männer, die in Harmonie und Abstimmung zusammen arbeiten.

Nach dem Fischen liefen wir noch dem Fischmarkt entlang. Ein mal mehr spürten wir den Vegetarismus. Klar, die Fische wurden frisch aus dem Meer gefischt, lagen da aber einfach auf einem Holztisch. Meist kein Eis drunter, kein Wasser, manchmal hatte es Fliegen die auf ihnen sassen. Manche zappelten noch…  Frischer kann’s gar nicht sein, oder!?!

Wir schauten uns noch die alte jüdische Synagoge an, einen Niederländischen Palast, einen hinduistischen Tempel. Voll gesättigt liefen wir wieder zurück zu unserem Hotel. dabei wurden wir im muslimen Viertel von einem Mann eingeladen zu Tee und Gebäck. Sie feierten eine Hauseinweihung. Einige Schulmädels sangen uns dann typische Kerala-Lieder vor, oder tanzten einen Tanz, welchen sie an muslimischen Hochzeiten mit der Braut vorführen. Dieses Zusammensein gefiel uns enorm und es zeigte uns einmal mehr, wie friedvoll die Inder zusammen leben können, egal welche Hautfarbe sie haben oder welcher Religion sie angehören. What a perfect moment…

Am folgenden Tag besuchten wir unter anderem ein spannendes Indo- Portugiesisches Museum. Und abends besuchten wir eine Kathakalivorstellung. Kathakali ist eine Kunstform, welche zu dieser Zeit entstand, als Shakespeare seine Dramen schrieb, aber einzelne Elemente reichen bis zu Tempelritualen des 2. Jh. zurück.  Dabei werden alle grossen Themen der Menscheheit behandelt-das Gute und das Böse, Schwäche und Mut, Armut und Reichtum, Krieg und Frieden. trommler und Sänger begleiten dabei die Schauspieler, die die Geschichten durch sehr präzise Bewegungen vermitteln, durch bedondere Mudras (Gesten mit der Hand) und mit Mimik.

Mit Schminke, fantastischen Kostümen, kunstvollen Frisuren und Meditation verwandeln sich die Akteure körperlich und mental in die Götter, Helden und Dämonen, die sie darstellen sollen.

Es war eine interessante Vorstellung. Noch nie zuvor hatten wir sowas ähnliches gesehen… 🙂

An unserem letzten Tag in Kochi, waren wir etwa eine Stunde mit Fähre und dann Bus unterwegs, bis wir den Cherai Beach erreichten. Man sagt, dort sei das wohl best gehütete Geheimnis Kochis. An dem schönen Abschnitt (unerschlossenen) weissen Sandes schliessen sich kilometerweit träge Backwaters an.
Wir legten uns da ein wenig an den Strand. Doch wir empfanden es als eher mühsam. Es waren soooo viele indische männliche Gaffer unterwegs. Die bleiben vor jeder weissen Frau stehen und machen ein Foto. Das ist ja zwar nicht gefährlich, aber mit der Zeit absolut ärgerlich…  Wir verzogen uns dann in ein Strandrestaurant und genossen unser Fresh lime soda sweet:-))

So, Kochi war vorüber, wir fuhren mit dem Bus nach Alleppey. Man kommt sich vor fast vor wie in Venedig. Die schattigen strassen von Alleppey sind von einem Netz aus Kanälen durchzogen.  Dieser Ort ist berühmt als Tor zu den Bachwaters. Das war auch unser Ziel. Entspannen auf einem Hausbooot.:-)

Als erstes mussten wir uns ja ein Hausboot aussuchen. Das ist gar nicht so einfach, da es wirklich viele verschiedene Boote gibt mit verschiedenen Preis- Leistungsverhältnissen. Wir nahmen uns aber Zeit, ein gutes und geeignetes Hausboot zu finden. Und wir fandens auch…:-)

Somit gings am 18.1.  um 11.00 Uhr los mit unserer Fahrt.  Kaum waren wir auf dem Hausboot erhielten wir einen leckeren Willkommensgetränk. Natürlich, die Kokosnuss!!! 🙂 Das ist definitiv das Getränk des Südens.

Nun bewegten wir uns gleitend durch die Backwaters und konnten die ersten Eindrücke auf uns wirken lassen.  Wir sassen in einem bequemen Stuhl auf dem Oberdeck, mit Bananen und Ananas und konnten so das Geschehen beobachten: Tropische Pflanzen, spielende Kinder am Wasser, Frauen die die Wäsche waschen oder das Geschirr sauber machen (man beachte unten auf dem Foto die Körperhaltung der Frau), Männer die Körperpflege durchführen und andere Boote welche auch unterwegs waren.

Bevor es Strassen gab, waren diese Gewässer die Hauptverkehrswege in Kerala und viele Dorfbewohner verwenden noch Heute Boote als Transportmittel.

Das lang ersehnte Mittagessen überraschte uns dann sehr. Es gab ein typisches Kerala Essen.

Den Rest des Tages genossen wir die Sonne, das Lesen, die Ruhe und einfach das Sein.

Vor dem Abendessen hielt unser Boot an und dann sagte uns der „Kapitän“ wir könnten nun auf ein kleines Boot umsteigen um das Leben am Wasser erneut hautnah erleben zu können. Die Kanäle seien zu klein um dort mit dem Hausboot durch zufahren.

Mit dem kleinen Boot passierten wir enge, schattige Kanäle, wo Kokusfasern und Cashewkerne auf Boote verladen werden.  Die abgelegenen Dörfer ermöglichten uns einen Einblick in das ländliche Leben, wie es dort seit Ewigkeiten geführt wird.

Auch ich musste hart mitarbeiten beim Vorwärtsbewegen unseres kleinen Böötli.

Wir genossen, nach indirekter Aufforderung durch unseren Bootsmann, einen wunderschönen Sonnenuntergang, der für Asiaten immer einen hohen Stellenwert hat.

Im Übrigen muss man  aber aufmerksam sein beim Böötli fahren, denn plötzlich kam eine niedrige Brücke und hoppla…:-))

Der Koch servierte uns wieder einmaliges Abendessen und dazu tranken wir ein Kokosbier. Hmmm, unser Geschmack wars nicht wirklich. Es ähnelte mehr faulen Eiern:-(( Nach einem halben Liter musste ich dann den letzten Schluck ins heilige(?) Backwater befördern. Ein richtiges Öufi oder Calanda Bräu wäre uns lieber gewesen. Aber da streiten sich ja bekanntlich die Geister… 🙂

Nach der wundervollen Abendstimmung gings in unsere Kabine. Die Nacht verlief ganz gut. Am Morgen wurden wir durch heftiges Rascheln geweckt. Ihr wisst ja, in Indien ist man nie allein. Viele laute Ratten hatten uns Gesellschaft geleistet und waren bereits frühzeitig aktiv.

Am nächsten Morgen genossen wir zum Sonnenaufgang einen Chai! So sollte jeder Tag beginnen.

Nach einem Kerala Frühstück fuhren wir dann wieder zurück zum Hafen. Unsere Tour war zu Ende.

Es war für uns eine wunderschöne und erholsame Reise durch einen Teil des 900 km langen Netzes von Wasserstrassen, das die Küste säumt und bis weit ins Landesinnere reicht.

Nachdem wir erholt das Hausboot verliessen, gönnten wir uns eine 2 stündige ayurvedische Massage. Der ganze Körper wurde mit enorm vielem Öl einmassiert. Die Massage emfanden wir völlig anders als diese, die bei uns angeboten werden. Es werden meist flächige Steichungen, die mit viel Druck ausgeübt werden, angewendet. Manchmal hat es richtig weh getan… 🙂 Somit freuen wir uns dann auf die Thaimassage, wir haben gehört die sei ja noch härter… Wir sahen aus wie in Öl eingelegte Sardinen (inkl. Haare).  Richtig entspannen konnten wir dann, als für ca. 30 min. warmes Öl auf unsere Stirn gegossen wurde. Die schlimmste Behandlung hatte ich am Schluss. Mit ayurvedischen Kräutermedikationen, wurden meine Augen gereinigt. Das empfand ich als sehr schmerzhaft. Danach war ich eher orientierungslos als mit klarer Sicht unterwegs. Erst nach ca. 2 Stunden trat der Effekt ein. Es tat wirklich sehr gut. Und Nora sagte immer wieder: “ Samuel, nun strahlen deine Augen wieder ganz fest!“
Völlig entspannt stellten wir uns dem indischen Alltag wieder. Es war eine Herausforderung, die Entspannung noch aufrechtzuerhalten. 🙂

Nach Alleppy fuhren wir nach Kollam. Auch dort ist ein Zugang zu Keralas Backwaters, eher der verschlafene. Kollam hat eine der ältesten Häfen am arabischen Meer und war früher ein wichtiges Handelszentrum. Vorallem wurde Handel mit Gewürzen und den kostbaren Cashewnüssen gemacht.

Wir schlenderten durch den Basar, schauten den wilden Wellen des Meeres zu und ich verknügte mich mit einer kleinen Joggingrunde… Obwohl man manchmal fast mehr redet und Hände schüttelt mit den Indern.

Ansonsten fanden wir Kollam nicht sehr schön und nicht sehr spektakulär.

Am Abend entschieden wir uns in ein gutes Restaurant zu sitzen und einen Salat zu essen. Im Lonely Planet wurden die Salate enorm gerühmt. Da wir seit unserer Wegreise nie mehr einen Salat assen und ihn nun wirklich langsam vermissen, gingen wir das Risiko ein und bestellten einen. Mmmh, es war ein leckerer Salat, obwohl ganz klar nicht zu vergleichen mit unseren. Als wir am Abend dann im Hotelzimmer waren spürte vorallem Nora, dass dieser Salat wohl doch nicht so gut sein kann. 2 Tage war sie geplagt von starker Übelkeit, Schwäche und auch Durchfall. Gut, nun wissen wir, es gibt wieder keinen Salat mehr bis wir zu Hause sind… 🙂

Mit dem Bus fuhren wir am 21.1. nach Varkala. Varkala Beach war für uns ein richtiger Touristenort mit allem drum und dran. Der Tourismus ist noch mässig, doch vom traditionellen Indien spürt man wenig. Dies war für uns genau der richtige Platz und Zeitpunkt um mal so richtig abzuschalten und durchzuschnaufen. Wer lange in Indien reist braucht manchmal so Orte wo es guten Cafe, Musik und freien Internetzugang gibt. Ja, wir liessen es uns  einige Tage gut gehen…

Nach 5 Tage hatten wir dann aber wieder genug und die Reiselust packte uns um neues zu entdecken. Wir spüren das wir Reisende sind und nicht nur für 2 Wochen am Strand  bleiben wollen. Vielleicht ist es auch eine Rastlosigkeit oder Hunger nach neuen Eindrücken. Wer weiss…?

Nun sind wir im Staat Tamil Nadu angekommen. Dort findet man das Leben in Traditionen und fremde und alte Kulturen kann man erleben. Übrigens wird in Tamil Nadu  noch eine der ältesten Sprachen gesprochen.

Mit dem Zug führen wir ans Ende der Welt. Ah nein, nicht ganz, nur ans Ende von Indien. Aber das soll schon was heissen. Kanya Kumari heisst der südlichste Ort von Indien. Es ist ein wirklich freundlicher und eindrücklicher Ort und die Landschaft hat fast etwas Surreales. Gleich 3 Meere treffen aufeinander- Arabisches Meer, Golf von Bengalen und Indischer Ozean. Es ist ein typisch indischer Pilgerort, laut, dreckig, Gedränge, farbig, mit scharfem Essen und grosser Hingabe für die hinduistischen Rituale.

Am ersten Tag machten wir einen ausgedehnten Spaziergang und kundschafteten so die Gegend aus. In der Tempelregion war es sehr lebhaft mit einem Markt, Händler und Eisverkäufer. An der Küste gab es einen überlaufenen Strand und Ghats, an denen die Pilger lautstark mit farbigen Saris und Lungis im Wasser planschten. Wichtig zu wissen ist,  dass die indischen Frauen immer mit Kleider ins Wasser gehen. Speziell an Pilgerorten wäre es nicht erlaubt als Frau im Bikini baden zu gehen. Nora müsste also mit den Kleider rein. Wir hatten kein Verlangen, uns an diesem Ort im Wasser zu vergnügen..

Im Anschluss besuchten wir wieder einmal ein Gandhi Memorial. An diesem Ort gibts ein Gedenkstein an dem ein Teil von Mahatmas Asche aufbewahrt wird.

Nach dem lebhaften Hindu Viertel schauten wir uns eine katholische Kirche an. Gross und imposant in ihrer weissen Gestalt wirkte sie auf uns.

Das christliche Viertel war deutlich ruhiger und ähnelte fast einem portugiesischen Fischerdorf. Indiens Vielfalst gefällt uns immer wieder auf Neue und zeigt uns die grosse Spannbreite dieses Landes.

Als ein wundervoller Tag zu Ende ging zogen wir uns in unser Hotel zurück. Alle Indienreisenden haben wohl nach einer gewissen Zeit Budgetunterkünfte satt haben. Unsere Limite war mit diesem Hotel auch erreicht. Das steinharte Hozbrett auf dem man schläft, die farbig gestrichenen Wände, die Badezimmer ohne Lavabo und Spiegel und jede Menge Mücken, Spinnen und Kakerlaken – all das mögen wir langsam nicht mehr sehen.

Unsere erste Nacht war alles ander als Erholung und somit waren wir froh, als uns der Wecker am nächsten Morgen rettete und wir für einige Stunden aus dem Zimmer fliehen konnen. Nach dem Besuch in einem Museum über einen hinduistischen Wandermönch suchten wir den Haupttempel auf.

Gemäss einer Legende besiegte die jungfräuliche Göttin Kumari ganz allein die Dämonen und rettete so die Freiheit der Welt. In diesem kleinen, intimen und schön geschmückten Tempel danken ihr die Pilger. Was sehr speziell ist, die Männer müssen ihre Hemden ausziehen. Auch ich musste dieser Regel nachgehen. Fotographieren war aber nicht erlaubt.

Eine kleine Fähre fuhr uns zu einem Felsen, der 400 Meter vor der Küste liegt. Dort wurde 1970 ein Denkmal für den oben genannten Wandermönch errichtet.

Unser nächstes Highlight war der Sonnenuntergang.

Da die Sonne für die Inder einen hohen Stellenwert hat und es zusätzlich ein wichtiger Platz ist, waren viele Schaulustige vor Ort. Wir konnten den Sonnenunter- und Mondaufgang über dem Wasser gleichzeitig erleben.  Die Atmosphäre wurde perfekt durch das wilde Meer und die hohen Wellen.

Durch eine Empfehlung von einem schweizer Reisenden erfuhren wir die Wichtigkeit des Sonnenaufganges in Kanya Kumari. Somit standen wir früh Morgens auf um dem Spektakel beizuwohnen. Auf der Strasse wurden wir dann schon fast von der Menschenmasse mitgezogen. Nora sagte immer wieder unglaublich und kam nicht mehr aus dem Staunen raus. Das haben wir noch nie gesehen. Wir gönnten uns zuerst einen Chai bevor wie mit dem Strom von Pilgern zum Aussichtspunkt gingen. Für uns war dies ein sehr eindrückliches Erlebnis. Unglaublich wie viele Menschen, die über dem Wasser aufgehende Sonne anbeteten. Sie applaudierten und ihre Gesichter strahlten dabei.

So, es war Zeit für einen neuen Ort. Am Busbahnhof von Kanyakumari trafen wir ein deutsches Paar. Wir reisten gemeinsam nach Madurai. Die Busfahrt war mal wieder sehr mühsam… Es war enorm heiss und die Distanz war lang. Als wir dann nach mehr als 8 Stunden Busfahrt unser Ziel endlich erreichten, waren wir voll motiviert in unser ausgewähltes Hotel einzuchecken. Auch die Deutschen hatten- wie wir- zum ersten Mal  ein Mittelklassehotel ausgesucht im Lonely Planet. Aber nichts läuft nach Plan. Als wir dann alle Mittelklassehotel ohne Erfolg abgeklappert hatten, waren wir 4 schon ein wenig niedergeschlagen. Alle sagten, nun müssen wir wieder in einem „Loch“ schlafen…  Simone und Nora tranken dann mal einen Chai und bewachten unser Gepäck. Werner und ich machten uns auf die Socken und fragten bei weiteren 6 Hotel nach einem Platz. Tja, es gab wirklich nur noch ein „Loch“ für uns. Nach dem Einchecken gönnten wir uns dann alle ein riesiges indisches Abendessen auf einer Dachterrasse bei Sonnenuntergang. Die Stimmung hob sich wieder!

Ja, Madurai ist in Tamil Nadu geboren und hat dort seine Wurzeln. Es ist eine der ältesten Städte Indiens, eine Metropole, die mit dem Alten Rom Handel trieb und dessen Untergang überlebt hat.  Und Madurai hat noch heute mit Rom etwas gemeinsam: der chaotische Verkehr.

Die meisten Reisenden lockt vorallem der bekannte Sri- Meenakshi- Amman-Temple nach Madurai (uns auch). Dieser labyrinthische Tempel ist einer der grössten Indiens.

Diesen Tempel besuchten wir dann am nächsten Tag. Der Tempel ist für diese Gegend genauso bedeutend wie der Taj Mahal für Nordindien. Der Komplex ist 6 ha gross und hat 12 „Türme“.  Alle sind mit atemberaubenden Reliefs geschmückt, die Götter, Göttinnen, Dämonen und Helden darstellen.  Es war ein wirklich sehr eindrücklicher Tempel, den man sehen muss!!! Einige Teile des Tempels sind für Nicht- Hindus tabu. Aber ihr kennt ja Nora, sie sah das Verbotschild nicht und ging in den heiligsten Ort dieses Tempels und machte sogar noch ein Foto (was wirklich strengstens verboten ist!!!!!!).  Nora ist für mich nun der neue „Shiva-Anhänger“…:-)!! Sie erzählte mir im Nachhinein, sie dachte noch, hier habe es keine weissen Ausländer. Aber sie liess sich dadurch nicht abschrecken. Nach einiger Zeit kam dann ein Tempelwärter und schickte sie mit verärgerter, lauter und deutlicher Stimme nach draussen. Sie entschuldigte sich 100 mal… Gut war!!

Nach dem Tempel schauten wir uns noch eine Kirche an und schlenderten durch die verkehrsreichen Strassen. Es war kein Vergnügen- halt wieder eine indische Stadt. Für uns war klar, wir werden am nächsten Tag weiterreisen wollen.

Wir fielen einen spontanen Entscheid, es treibt uns nach Pondicherry. Wir hatten langsam genug von den lauten vollgestopften Städten… Die hinduistischen Pilgerorte sind wirklich immer sehr laut…

Wir hatten viel über Pondicherry gehört. Vor ca. einem Monat war aber ein riesengrosser Sturm und hat sehr viel von der Region schwer beschädigt. Wir trafen Reisende, die sagten man könne diesen Ort jetzt nicht mehr besuchen. Doch da wir ja in Indien sind, zählen viele Meinungen und nicht nur eine. Nicht einschüchtern lassen und voll Spontanität gehts los in den nächsten Bus nach Pondicherry.

Wir checkten in einem Home stay ein, welches von einem freundlichen muslimischen Mann geführt wird. Unser Zimmer hatte den Balkon gegen eine Moschee, somit wurden wir morgens durch die Gebete geweckt und schauten den weiss eingekleideten Muslimen beim Beten zu. Für uns mittlerweile ein gewohnter und vertrauter Rhythmus. Früher war es noch irritierend, nun hören wir den Klängen die zu Allah gerrichtet sind gerne zu.:-)

Pondicherry hat sich trotz Chaos noch einen gewissen kolonialen Charme bewahrt: Kopfsteinpflaster, senfgelbe Stadthäuser und hier und da ein schattiger Boulevard mit netten Cafés, teueren Restaurants und Designerläden. Wir kamen uns vor, als wären wir in Südfrankreich. Schon wieder ein neues Gesicht Indiens…  Viele Einheimische sprechen französisch.

Vom Sturm sahen wir teils Gebiete mit umgefallenen Bäume und Stromkabeln, aber wir stellten uns das deutlich schlimmer vor.

Man sagt, in Pondicherry stehen die schönsten Kathedralen Indiens. Ja, sie waren vergleichsmässig wirklich sehr schön… Aaaaber, sie sind halt doch nicht mit unseren zu vergleichen. :-))

Wir liefen dann gleich in eine Kirche, wo eine Messe gefeiert wurde. Sie wurde von einem weissen Pfarrer gehalten, wirkte eher langweilig und eintönig, wenn wir an die Messen denken, die von einem indischen Priester gehalten wurden. Man spürt halt die Mentalität schon! 🙂

Am nächsten Tag schauten wir uns diverse Sehenswürdigkeiten an. Mehrere Kirchen schauten wir uns an, wir schlenderten durch das französische Viertel, besuchten das Sri Aurobindo Ashram (welches von Sri Aurobindo zusammen mit einer Französin, bekannt unter dem Ehrentitel „Mutter“, gegründet wurde), tranken immer wieder Kokosnussmilch und erholten uns bei einem leckeren Tee oder Kaffee.

Am nächsten Tag entschlossen wir uns Auroville anzuschauen.  Das war ja ganz speziell. Auroville ist eine internationale Gemeinde, welche bei ihrer Gründung aus 124 Nationen Erde geschenkt bekam.   In Auroville arbeiten hingebungsvolle Menschen, ungeachtet von Religion, Hautfarbe und Staatsangehörigkeit an der Erschaffung einer universellen Stadt, um gegenseitig Unterstützung, Liebe und die gute ate menschliche Gemeinschaft zu verwirklichen. Inmitten armseliger Landstriche Tamil Nadus umfasst Auroville mehr als 80 ländliche Siedlungen, in denen nach Harmonie gestrebt wird, dies ist aber nicht immer einfach unter den 1800 Bewohnern aus fast 40 Ländern (im Übrigen sehr viele Schweizer!!!).

Auroville hat ein Besucherzentrum, in welchem wir nützliche Informationen gekriegt hatten über das ganze Experiment…  Auch gibt es einen Matrimandir welchen man besuchen kann. Dies ist ein Gebäude, welches sehr futuristisch aussieht.

Anscheinend befindet sich innerhalb dieser „Golfkugel“ einen Kristall mit einem Durchmesser von 70 cm (der grösste weltweit). Wir durften aber nicht rein, es sind nur die Willkommen, die länger in Auroville nächtigen und ernsthaft an dem interessiert sind.

Nora und ich empfanden das ganze sehr speziell. Es war spannend mal mehr darüber zu hören und lesen, hatten aber nach dem Besuch fast noch mehr Fragen offen…  Aber man muss ja nicht immer eine Antwort finden.

Als wir am Abend zurück in Pondicherry waren, beschlossen wir mal wieder auf den Lonely Planet zu hören und gingen in eine Pizzeria. Das Lokal sah ja sehr übel aus. Dort hatte der Sturm wohl stark gewühlt:-)

Wir waren skeptisch den Pizzas gegenüber….

… aber tatsächlich, sie waren sehr gut!!!!!

Am 1.2. gingen wir alles ruhig an. Da wir ja uns ja am 5.2. mit unserem Freund Patrick in Laos treffen, mussten wir langsam Abschied nehmen von Indien… Wir fuhren von Pondicherry nach Chennai. diese Stadt besuchten wir nicht, anscheinend lohne es sich nicht. Wir sind direkt zum Flughafen gefahren und haben uns dort in Schlafsäälen eingenistet.

Der Flug von Chennai nach Mumbai verlief gut. Natürlich gabs schon einen kleinen Zwischenfall.:-) Da wir eigentlich nichts ausser die Zahnbürste aus unserem Gepäck rausgenommen hatten, dachten wir es sei doch alles gut. Aber beim Sicherheritscheck bemerkten die Angestellten, dass ich noch mein schweizer Sackmesser  im Handgepäck hatte. Was ja natürlich nicht erlaubt ist. Och herje… Somit musste ich erneut mit meinem Handgepäck zurück zum Röntgen, als dies i.O. war musste ich nochmals zum Check in Schalter und als dies auch gut war, stand ich wieder in einer Schlange zur Sicherheitskontrolle. Alles war gut, los kanns gehen…

Mumbai… Ehrlichgesagt hatten wir ja schon Respekt vor dieser riesigen Stadt. Immerhin leben hier 17 Mio. Menschen. Mumbai ist eine Stadt die einen erschlagen kann. Aber das muss sie nicht. Manchmal mag es zwar schon scheinen, dass eine Taxifahrt kaum zu überleben ist, oder das die Menschenmasse am Bahnhof einen jeden Moment erdrückt. Doch wir haben gemerkt, das sind unnötige Ängste. Die Stadt hat einfach nur ihren eigenen Rhythmus und man braucht ein Weilchen um sich reinzuhören. Wir spürten schnell diesen eigenen Rhythmus, der sich durch Freundlichkeit, Chaotismus und Verspieltheit zeigt. Es ist interessant zu sehen wie sich diese Menschenmasse organisiert hat, auf engstem Lebensraum dem Tagesablauf zu folgen. Hier sieht man vom gestressten Topmanager über den schuftenden Arbeiter bis zu den Slumbewohner alles. Jeder trägt seine Geschichte mit sich. Wir durften davon vieles erfahren und für uns wurde daraus ein interessantes Kapitel in unserem persönlichen Indienbuch.

Unser erster Tag in dieser riesigen Stadt besuchten wir eine Kathedrale welche Mumbais ältestes englisches Bauwerk ist.

Nach der Kirchenbesuch liefen wir zum Victoria Terminus. Imposant, überschwenglich und voller Menschen ist der Terminus das markanteste gotische Gebäude der Stadt und zugleich ist es das Herz des lokalen Eisenbahnnetzes. Er ist der betriebsamste Bahnhof Asiens.

Zu Mumbais bedeutendsten Wahrzeichen zählt das prächtige Hotel Taj Mahal Palace. Es ist sehr teuer dort zu übernachten und für Budgettraveller nicht geeignet :-). Unser Plan wäre, dass Sam dieses Hotel mal übernehmen könnte und wir dann für einen Spezialpreis nächtigen könnten. Deal??

Abends ist der Spaziergang an der Promenade bei den Inder sehr beliebt. Überall hat es Essenstände mit kleinen Snacks, Strassenstände mit Schmuck und Männer die grosse Luftballone verkaufen. Bei uns wäre das ein Flohmarkt doch in Indien ist dies Alltag.

Die letzten Tage in Indien gestalteten wir mit einem Besuch in den Slums. Ursprünglich wurde das Gebiet von Fischern bewohnt. Mit der Trockenlegung von Wasserflächen, um aus den Inseln eine zusammenhängende Landfläche zu machen, verloren die Fischer ihre Lebensgrundlage. Viele Menschen kamen nach Mumbai um ein besseres Leben zu führen, stattdessen landeten sie in den Slums.

Weil wir zu Fuss durch die Slums liefen, spürten wir eine stark spezielle Stimmung in diesem Gebiet.  Zeitweise fühlten wir uns wie reiche Fremde, die in eine eigene Welt eintauchten. Die Menschen waren zu uns aber sehr freundlich, lachten, riefen uns zu und machten keinen unglücklichen Eindruck.

Für uns war dies eine sehr eindrückliche Erfahrung, die uns ohne Zweifel die grosse Armut Indiens aufzeigte.

Auch sehr eindrücklich war die grosse Wäscherei. Die gemauerten Waschbecken werden von Wäschern (Dhobis) für 300 Rupien monatlich gemietet, damit sie ihrer Tätigkeit nachgehen können. 10’000 Arbeiter gehen in den sieben zusammenhängenden Sektoren des Dhobi Ghats  täglich ihrer Arbeit nach und nehmen 1 Million Kleidungsstücke in die Mangel.

Der Waschprozess ist in 7 Schritte unterteilt:

1. Abholung der Kleidung vom Auftragsgeber.

2.  Die Kleidungsstücke werden mit Anhängern markiert, um sie später identifizieren zu können.

3. Für mehrere Stunden weicht man sie ein.

4. Waschen. Das berühmte „Ausklopfen“ auf einen im Waschbecken eingemauerten Stein mit schiefer Ebene.

5. Spülen.

6. Trocknen.

7. Ausliefern.

Sieben Schritte täglich für eine Million Kleidungsstücke. Während des Monsuns fällt das Trocknen logischerweise weg. Die Kleidung wird im nassen Zustand ausgeliefert und der Kunde muss sich selbst drum kümmern, wie er die Kleidung schranktrocken bekommt.

Unser letztes Tagesziel waren der Turm des Schweigens. Der Begriff „Dachma“ bedeutet auf persisch Grabmal, bezeichnet aber vorallem Bauwerke, die auch Türme des Schweigens genannt wrden.

Bei den Parsen ist es heute noch üblich, Leichname in runde Türme zu legen, wo fleisch und Weichteile von Vögel z.B. Geier oder Raben gefressen werden. Die Bestattungsmethode wird damit erklärt, dass den Parsen neben Luft und Wasser auch Erde und Feuer heilig sind. Dies verbietet eine Erd- oder Feuerbestattung.

Wir trafen ein Parsen Ehepaar, die führten uns zum Turm des Schweigens, jedoch wurde uns vor dem Tor der Zutritt verwehrt. Schade…

Im Übrigen fuhren wir in Mumbai alles mit dem Zug umher. Das Zugfahren kann ein richtiges Abenteuer werden… Zuerst einmal muss man wissen, dass die Bahnen stets überfuellt sind und es keine Türen gibt. Vielleicht liegt das daran, dass sich die Inder gerne in den Fahrtwind hängen, was für uns eher nach Suizid ausschaut, als nach Erfrischung. Wir hatten meist Glück und hatten nicht so viele Menschen um uns herum. Nur eine Situation gleichte eher einem Boxkampf als dem gewöhnlichen Aussteigen. Also, Geduld walten lassen, nicht in Panik geraten wegen der Menschenmassen und Taschen festhalten.

Der letzte Tag in Mumbai kam natürlich anders als geplant. So vieles hatten wir noch vor. Nach einem Frühstück im berühmten Leopold’s fuhren wir zum Flughafen. Dort suchten wir einen Gepäckraum. Es war unser Ziel ohne Gepäck die Global Pagoda von Mumbai anzuschauen. Mit unseren vollgestopften Rucksäcken wäre das nämlich gar nicht einfach geworden.  Aber nicht vergessen, noch immer sind wir in Indien. Kein Mensch bemühte sich uns Antwort zu geben, geschweige dann irgendwelche Infos für Gepäcksaufgabe abzugeben…  Nach langem Hin und Her fanden wir dann endlich einen Raum. AAAAber, der war total überteuert. Das lohnte sich für uns nicht!!!!!

Schliesslich gaben wir unsere Pläne auf, bezahlten ein Ticket für den Warteraum und liessen uns dort für ca. 12 Stunden nieder. Was uns das Warten ein wenig einfacher machte, war der Cafe coffee day!!!:-) Wir trafen noch ein deutsches Paar, mit welchen wir schon mal unterwegs waren. Sie flogen zur selben Zeit nach Bangkok und somit spielten wir X Stunden Spiele, diskutierten über unsere Erlebnisse und liessen Indien langsam hinter uns.

Incredible India…! Ja nun ist unsere Zeit in Indien vorbei.  Lange haben wir uns auf die Indienzeit gesehnt, als sie da war zwischendurch hinterfragt was wir hier tun und jetzt schauen wir mit grosser Wehmut zurück…

Unsere Reise geht aber weiter. Wir freuen uns riesig auf neues, sind offen dafür und sind sicher, dass unsere Herzen erneut gross bereichert werden.

Indien- ein Land, viele Welten. Vielleicht beschreibt dieser Spruch den Subkontinent genau richtig?!?

Bevor wir unsere Reise angetreten sind, wurden wir manchmal gefragt, warum eigentlich Indien? Dort stinkt’s doch und ist schmutzig. Das ist auch ein Teil des Landes, ja. Aber da ist noch viiiiiel mehr. Jeder muss für sich selber herausfinden, warum man Indien als Reiseziel auswählt. Auf alle Fälle sind wir der Meinung, dass Indien eines der faszinierendsten Länder der Welt ist.

Indien- ein pures Chaos! Aber es ist noch viel mehr…

In Indien trifft man viele fleissige aber auch feierlustige Menschen, eine warmherzige Kultur, es stecken stolze Geschichten dahinter, aber auch traurige Wahrheiten, Indien kann stressfrei sein, die Menschen liebenswürdig und bewundernswert.

Wenn man in Indien ist, spürt man eine stark spirituelle Weisheit und eine religiöse Harmonie,  man besteigt hohe Berge, badet in heiligen Gewässern oder besucht Yoga- und Meditationskurse.

Wir haben sehr gut gegessen, haben die einzigartige Vielfalt genossen, lieben den unwiederstehlichen Charme.

Und, kein anderes Land der Welt weiss so zu feiern wie Indien…  Wahnsinnsspektakel mit  herausgeputzten Elefanten, gelenkigen Akrobaten und farbigen Feste zu Ehren geliebter Gottheiten. Die vielen Religionen auf dem Subkontinent- Sikhismus, Jainismus, Islam, Buddhismus, Christentum…- bringen eine Riesenmenge völlig verschiedener Feierlichkeiten mit sich.  Und dann wären da natürlich auch noch die rund 330 Mio. Götter und Göttinnen des hinduistischen Glaubens. Da ist es wohl kaum verwunderlich, dass praktisch täglich religiöse Feste nach traditionellen  Regeln stattfinden…  All diese Feste sind einzigartig und vorallem farbenprächtig… 🙂

Schon alleine die Bus- oder Zugfahrt ist ein Highlight. Der Bus rast über enorm schlechte Strassen, ohne gross Rücksicht auf andere zu nehmen. Der Zug ist immer vollgestopft (Indien ist ja das 2. grösste Land nach China…) und wir lieben es, bei Einfahrt das fast gehörschädigende  Signalhorn zu hören.

Jeden Morgen den Kühen „Guten Tag“ sagen wird uns auch fehlen. Wir haben sie sehr in unser Herz  geschlossen… 🙂

Die Korruption ist hier ein riesengrosses Thema und wir hoffen, dass die Regierung dieses Problem mal in den Griff bekommt.

Überall wird man mit Armut konfrontiert (was einen sehr berührt), die indische Bürokratie kann einen auf die Palme bringen und das Menschengewühl ist einfach anstrengend… Doch all dies ist eben ein Teil des Indienerlebnisses.

Wir sind aber überzeugt, wenn man einen Blick hinter die raue Fassade gewisser Dinge wirft, entdeckt man schnell viele strahlende Juwelen…

Wenn man offen, flexibel und spontan ist, dann kann man eine der authentischste und faszinierendste Reiseerfahrung erleben. Man muss sich auf den einzigartigen Rhythmus des Landes einstellen, dann hat man den perfekten Kulturcocktail.

Viele neue Sachen haben wir hier in Indien gelernt und diese Reise hat uns geprägt und bestimmt verändert….

Alles Liebe

Nora und Samuel

*** wenn du die dinge anders als gewohnt machst, lässt du zu, dass ein neuer mensch in dir wächst ***

Hallo zusammen

Mittlerweile hat ja ein neues Jahr begonnen. Wir hoffen, ihr hattet schöne Weihnachtstage und seit gut ins 2012 gestartet. Auf alle Fälle wünschen wir euch allen ein frohes, glückliches und gesegnetes neues Jahr, mit vielen spannenden und eindrücklichen Erlebnisse auf Reisen oder zu Hause:-) In diesem Jahr werden wir uns ja wieder sehen… 🙂

Sorry, dass es so lange ging, bis wir mal wieder was von uns hören lassen. Hier in Indien ist es nicht mehr so einfach Wifi zu finden und meist sind wir am organisieren wenn wir im Internet sind. Und dann bleibt wenig Zeit zum Blögle:-)

Mehr als die  Hälfte unserer Asienreise ist nun vorbei. Die gesammelten Eindrücke sind für uns für unschätzbaren Wert. Einfach zauberhaft!!!!

Am 9.12.11 gings wieder  zurück nach Indien. Welcome back… Am Morgen früh  überquerten wir die Grenze von Nepal nach Indien. In Indien stiegen wir in einen vollgestopften Bus nach Siliguri. Wir bemerkten schnell, dass hier die Menschen wieder anders sind als in Nepal. Sie starrten uns wieder mehr an und der Gesichtsausdruck ist deutlich ernster. Wir freuten uns aber darauf nun wieder zurück zu sein und viele Erlebnisse sammeln zu dürfen. Seien das positive oder negative… 🙂

Als wir in Siliguri ankamen, war unser erstes Ziel ein Zugticket zu reservieren, damit wir für unsere darauffolgende Fahrt einen Sitz oder besser gesagt ein Bett hatten. Nach dem Ticketkauf hätte unser Plan so ausgesehen, dass wir in einem Sammeljeep ab nach Darjeeling fahren… Aber klar, wir sind ja wieder in Indien und nichts läuft so, wie man’s plant… 🙂 Nach langem Schlangen stehen (eine indische Schlange ist nicht gleich einer schweizerischen… Da zählt nur Ellenbögele, drücken und vordrängeln….) sagte uns der Angestellte, dass kein Sitz mehr vorhanden sei. Das Ticketreservieren ist in Indien sehr schwierig, man muss wirklich früh genug wissen wann man wohin will. Und das ist unser Problem. Wir möchten uns nicht jeden Tag festlegen wann wir wo sein müssen. Wir möchten frei entscheiden, ob wir nun noch einen Tag länger in einem schönen Ort bleiben möchten oder schon früher weiterreisen werden. Hmmmm… Der Angestellte sagte uns, dass es nur eine Möglichkeit gäbe um vielleicht doch noch an ein Ticket zu kommen. Es gibt nämlich eine gewisse Anzahl Tickets, die für Notfälle übrig sind. Das heisst,  wir müssten dafür am nächsten Morgen vor 07.00 Uhr vor dem Reservierungsbüro stehen und hoffen dass wir 2 Sitze kriegen. Die Chance sei aber klein… Das war ein kleiner Dämpfer für uns, da wir somit in Siliguri bleiben mussten und nicht nach Darjeeling fahren konnten. Die Sammeljeeps fahren nicht in der Nacht von Darjeeling nach Siliguri. 😦

Nun gut, man muss ja immer wieder Loslassen. Die Pläne, Vorstellungen usw…  Wir machten uns dann mal auf die Suche nach einem Hotel. Auch das war ein Dämpfer, in den ersten Hotels hätten wir für den wirklich schlimmen Standard viel bezahlen müssen. Wir waren langsam müde und haben dann zum Glück noch ein einigermassen annehmbares Zimmer gefunden.

Völlig ausgelaugt und hungrig legten wir unser Gepäck ins Zimmer und marrschierten los, um ein gutes Restaurant zu suchen. Auf dem Weg rutschte Samuel dann leider aus bei einer Wasserpumpe (es war sehr rutschig) und fiel auf seine linke Körperseite. Die Folge daraus war völlig veschmutzte Kleider, Schmerzen an Hüfte, Ellenbogen und Handgelenk. Samuel hatte eine offene Stelle am Handgelenk, welche blutete. Das Handgelenk war sofort angeschwollen. Gut, kehren wir nochmals um und machen einen Kleiderwechsel und Wundversorgung im Hotel. Tja, der erste Tag wieder zurück in Indien und man wird bereits wieder gefordert… 🙂

Frisch geputzt erholten wir uns dann bei einem sehr leckeren  Essen ein wenig.

Die Nacht war nicht gerade lange, wir waren früh wieder auf den Beinen um zum Zugreservierungsbüro zu gelangen. Das Tor war noch nicht geöffnet um 07.00 Uhr. Trotzdem warteten schon viele Menschen darauf. Teilweise standen sie bereits vor  04.00 Uhr vor dem Tor und  warteten… Wahnsinnig… Sie hofften wie wir auch, ein Ticket zu erhalten. Ein junger Mann sagte uns, dass wir um unseren Platz in der Menschenschlange vor dem Schalter sichern sollten, wir hätten sonst keine Chance. Als das Tor und dann auch der Schalter aufging, waren wir ca. an 8er Stellen. Nicht mal so schlecht dachten wir… Tja, nix da, der junge flotte Mann sagte uns, wir seien zu weit hinten, wir könnten es vergessen. Aber da man 2 Zugtickets kaufen darf pro Person und er an 3. Stelle stand, nahm er unser ausgefülltes Formular und konnte uns somit unser Ticket besorgen. Ach wie dankbar und glücklich waren wir…  Die Fahrt kann weiter gehen.

Ab an den Chaistand und dann zurück ins Hotel. Unser Gepäck gesattelt und in den Jeep nach Darjeeling. Die Fahrt nach Darjeeling war sehr lang, kurvenreich und holprig. Gut, dass der junge Jeepfahrer ab und zu anhielt, damit wir noch Momo’s essen konnten… 🙂

Darjeeling liegt auf einem steilen Felsgrat inmitten von Teeplantagen und ist umgeben von den weissen Himalaya-Gipfeln. Diese Hillstation (2140m) ist die wichtigste Sehenswürdigkeit Westbengalens. Als wichtigstes Aushängeschild dieser Stadt zählt die berühmtberüchtigte Schmalspurbahn. Sie wird auch liebevoll Toy Train genannt. Ihre erste Fahrt machte sie 1881 und ist eine der wenigen Bergbahnen, die noch heute in Indien fahren.

Leider verpassten wir diesen Zug, da sie nur 1x täglich (Morgens) fährt und ganze 8 Stunden braucht, um unser Ziel Darjeeling zu erreichen. Loslassen einmal mehr und hoffen dass es das nächste mal klappt… 🙂

In Darjeeling suchten wir uns ein gutes Hotel und sahen uns dieser Ort an. Da wir nun ja wieder in Indien sind, gibts unsere Favoriten Kaffeekette wieder. Cafe Coffee day. Wir genehmigten uns einen.

Aus Prioritätsgründen und auch fast ein wenig im Weihnachtsstress, wollten wir endlich unsere grosse Weihnachtslast auf der indischen Post los werden. Dieses Unterfangen scheiterte kläglich. Nichts mit Packetversand in Darjeeling… Wir wissen bis heute noch nicht wieso, man erklärte es uns trotz fragen nicht. Auch das lernen wir in Indien, man muss nicht immer eine Antwort bekommen, manchmal ist es halt einfach so… :-)) nur nicht hinterfragen und logische Antworten erwarten… 🙂

Später tranken wir natürlich noch Darjeelingtee… Dieser Tee ist unheimlich gut und nicht zu vergleichen mit dem Darjeelingtee, welcher bei uns zu finden ist. 🙂 In diesem Restaurant hörten wir zum ersten Mal Weihnachtsmusik. Von Stille Nacht über Jingle Bells zu White Christmas…. Wir fühlten uns fast wie zu Hause- ein bisschen Heimat. Draussen war’s kalt und drinnen war alles schön (kitschig) dekoriert.. 🙂 Ja, es kam auch bei uns tatsächlich ein wenig Weihnachtsstimmung auf…  Auch Abends war unser leckeres Abendessen begleitet von weihnachtlicher Atmosphäre… Nur ein offenes Kamin war der einzige Wärmespender… somit kein Wunder, dass viele indische Touristen mit Kappe und Handschuhe am Tisch sassen. Das Halstuch haben sie nur zum Essen kurz vom Munde entfernt.:-) Sie sind sich die kalten Temperaturen halt wirklich nicht gewohnt:-)

Am nächsten Morgen gingen wir wieder früh los. Ab zum Tiger Hill! Dort kann man ein 250 km weites Himalayapanorama geniessen. Wenn die Sonne aufgeht, ist die Atmosphäre dort oben atemberaubend. Die meisten Himalayaberge wurden von Wolken bedeckt, somit konnten wir nur die Spitzen davon erkennen. Der Sonnenaufgang war aber spektakulär…  Der Himmel war rot bemalt… Wenn die Wolken den Himalaya nicht so zugedeckt hätten, könnte man sogar den Mt. Everest sehen von dort. Tja, wir hatten Pech. Trotzdem war die Atmosphäre atemberaubend und erstaunlich, wie viele Inder dort oben standen zu dieser frühen Morgenstunde…. Aber Sonnenaufgang ist für die Menschen hier von sehr grosser Bedeutung.

Zurück in Dajeeling hiess es dann wieder den Rucksack packen und ans Weiterreisen denken. Bevor wir uns aber verabschiedeten, assen  wir noch die besten Spaghetti seit wir unterwegs sind. Einfach göttlich und danach hatten wir das Gefühl am Tisch von Bomba gesessen zu haben. Nur der feine Cafe aus der Schweiz fehlte noch. Danach schnappten wir uns einen Jeep und überlebten die kurvenreiche Indienstrasse… Natürlich hatten wir schon wieder das Gefühl es könnte knapp werden mit unserem Zug und wir hätten für das hart erkämpfte Ticket umsonst gekämpft. Das Leben lehrt uns aber das man Ruhe bewahren sollte. In Indien hat man das beste Trainingslager.

Am Bahnhof in Siliguri trafen wir dann noch ein Pärchen aus Frankreich. Die Frau ist 72 und der Mann 70 Jahre alt und sie reisen wie junge Backpacker. Wir haben uns dann verabredet gemeinsam ein Rickscha zu nehmen um vom Bahnhof nach Varanasi in die Stadt zu gelangen.

Unsere Reise im Zug bestand zuerst aus einer reservierten Stimmung im Abteil, die aber dann nach kurzer Zeit umschlug in freundliche Gespräche. Zuallerletzt wurden wir noch auf einen Chai eingeladet. Die Inder schauen nur immer ein bisschen böse, dass sagt aber nicht viel aus. Immer freundlich bleiben und gut zulächeln dann erreicht man mehr. 🙂 Die Nacht war aber kurz und sehr kalt. Mitten in der Nacht ist sogar ein Mann auf das Bett von Samuel gesessen. Das ist in Indien ganz normal.

Am Morgen kamen wir dann in Varanasi an. Wie vereinbart taten wir uns mit den Franzosen zusammen- ab zum gleichen Guest House. Ich höre immer wieder die Aussage: „Das Zimmer darf aber nicht über 400 Rupien kosten.“ Schön das man auch in diesem Alter sich noch Limiten setzt und den Standard tief halten kann. Wir hatten wieder einmal Freude an dieser Reisebegleitung und stellten uns vor wie unsere Eltern wohl Indien bereisen würden.hihi 🙂 🙂

Nach langem hin und her fanden wir dann ein passendes Guesthouse. An diesem Tag ging nicht mehr viel. Ausser Essen und früh ins Bett gehen stand nichts mehr auf dem Programm.

Varanasi… Willkommen in einem der blendend buntesten, chaotischsten und gnadenlos irrationalsten Orte der Welt!!! Varanasi duldet keine Kompromisse, aber wer sich auf die Stadt einlässt, kann hier die schönsten Tage seiner Indienreise erleben. Ja, wir liessen uns darauf ein und hatten einige unserer schönsten Tage in der Stadt welche an der Ganga liegt.

Früher hatte Varanasi einen anderen Namen, welcher „Stadt des Lebens“ bedeutete. Varanasi ist eine der ältesten ununterbrochen besiedelten Städte der Welt und gehört zu den heiligsten Orten Indiens.

Unsere erste Aktion in Varanasi war das Versenden unseres Weihnachtspacketes. Endlich hatten wie die Chance eine Gewichtsredukton vorzunehmen.:-)) Bevor man aber das Postgebäude betreten kann, wird man gebeten sein Material in einen von uns mitgebrachten Plastiksack zu verpacken, dann wird alles in Baumwollstoff eingewickelt.  Von Hand wird dann das ganze professionell zugenäht und mit Wachs versiegelt. Als Krönung darf man dann seine Adresse noch anbringen. Beim Zuschauen fühlt man sich wie 100 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt. Erst jetzt konnte man zum Postschalter gehen, Geld bezahlen und ab die Post. Beide von uns sagten noch ein kurzes Stossgebet für gutes Ankommen in der Heimat. Man weiss halt das diese Länder nicht immer so zuverlässig sind was Postsendungen angeht.

Unser nächstes Ziel waren die Ghats, der wohl magischste Anziehungspunkt in Varanasi. Hier spürt man Indien so richtig und Samuel sagte immer wieder an diesem Ort ist es wirklich Indien Indien. An den Ghats werden Kleider gewaschen,

andere nehmen ein rituelles Bad,

machen Yoga, Saddhus meditieren nackt, andere bringen Opfergaben, Männer bieten Massage auf der Strasse an,

die Büffel werden gewaschen,

überall wird Werbung gemacht für eine Bootstour oder man kann einfach nur  herummhängen…. Wir fanden es so schön das sogar ein Kuhfladen am Boden mit Blumen gesegnet wird. Einfach ein toller Anblick.:-)

Hinduistische Pilger stömen an die Ghats, um sich in dem heiligen Wasser von ihren Sünden reinzuwaschen oder um die Leichen ihrer Angehörigen einzuäschern. Als besonders glücklich gilt, wer hier stirbt, denn der Tod in Varanasi kann die moksha (Austritt aus dem Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt) bedeuten.

Varanasi ist ist ein magischer Ort. Intimste Rituale von Leben und Tod finden in aller Öffentlichkeit statt. Nebenbei sind Schlepper anzutreffen und ein erdrückender Lärm, die Geschäfte laufen ganz normal weiter.

An den Ghats spielt sich das Leben ab. Das konnten wir ganz klar erkennen. Eindrücklich ist die Verehrung für diesen kraftvollen Fluss. Es hat an diesem Ort sehr viel verschiedene Ghats und alle sind tempelartig aufgebaut mit Stufen und Türmen. Es hat insgesamt 2 Verbrennungsghats und wir entschieden uns für eine Führung von einem dort arbeitenden Priester. Sehr zu unserer Überraschung mussten wir erfahren wie teuer ein Kilo vom wohlriechenden Sandelholz ist. Die armen Menschen werden aber von Spenden der umliegenden Familien unterstützt. Das zeigt uns immer wieder die Solidarität in diesem Land.

Im Übrigen sieht man in Varanasi, wie Angehörige ihre Verstorbenen auf einem Bambusschragen durch die ganze Stadt tragen bis zum Verbrennungsghat am Ganges. Sie sind mit farbigen Tüchern zugedeckt-trotzdem war der Anblick anfänglich erschreckend…
Jeden Abend findet an einem Ghat  eine aufwendige ganga-aarti- Zeremonie mit Puja, Feuer und Tanz statt. Ja, dieser Fluss wird sehr verehrt. Indien lebt so stark und besonders Varanasi…

Ja, die Einzigartigkeit dieser Stadt bleibt uns ewig in Erinnerung.

Am letzten Tag, als wir am Nachmittag Richtung Bahnhof wollten, weil unsere Reise weiter südlich ging, waren wir sehr knapp an der Zeit… Mit einem Rikscha fuhren wir vollgas zum Bahnhof. Wir waren über uns selber verärgert, dass wir so knapp waren. Wir sollten doch langsam wissen, dass man in Indien viel mehr Zeit benötigt. Egal, wir erreichten den Bahnhof und siehe da, unser Zug hatte 6 Stunden Verspätung. Hmmm…

Beim Warten haben wir dann einen Australier kennengelernt, welcher auf den selben Zug wartete und das selbe Ziel, Gaya, hatte wie wir.  Die Zeit ging schnell vorbei durch die interessanten Gespräche. Glücklicherweise teilten wir dann noch mit einer anderen Schweizerin unser Sleeper-Zugabteil… Inmitten der Nacht erreichten wir unser Ziel. Wir blieben dann gleich am Bahnhof von Gaya, da es keine Rikschas hatte, die uns zu dieser Zeit nach Bodgaya fahren konnten.

Als wir uns dann in der Bahnhofhalle eingefunden hatten, waren wir sehr erstaunt, wie viele indische Menschen dort am Boden lagen, schliefen, dicht bei einander lagen oder einfach warteten bis der Tag einbricht und die ersten Züge, Busse oder Rikschas fuhren. Mittendrinn sassen wir 4 weisse Ausländer… 🙂 Müde aber glücklich warteten wir auf den ersten Rikschafahrer.

Um 05.00 Uhr wars dann soweit… Endlich konnten wir unser hart umkämpftes Rikscha besteigen. Mit Fahrtwind im Haar und die kühle Luft im Gesicht hörten wir laute indische Musik. Dies sind genau die Momente, die Indien ausmachen und man so richtig Freude empfindet.

Unser erster und einziger Tag in Bodgaya verbrachten wir mit der Schweizerin. Es war nicht immer nur einfach. Sie zeigte ihr Mitgefühl gegenüber armen Menschen fast zuuuuu stark… Darum war es auch nicht verwunderlich, dass viele Bettler sie umkreisten.  Einmal kaufte sie einer Horte Kindern Pommes Chips und dachte  dann, die Kinder würden teilen. Aber bei den Strassenkindern herrschen andere Regeln. Von Teilen keine Rede. Die Kinder liefen ihr nach und wollten mehr. Danach kaufte sie ihnen noch Früchte. Immer mehr Kinder umkreisten sie, zogen an ihren Kleidern, wollten mehr. Essen, Geld und einen Kugelschreiber wollten sie. Ja, die Situation artete aus und Joelle fühlte sich auch nicht mehr wohl. Ein buddhistischer Mönch kam ihr dann zur Hilfe. Es zeigte uns wieder auf, wie schwierig es ist einen gutem Umgang mit bettelnden Kindern zu finden.

Ähnliche Situationen folgten an diesem Tag und auf unsere Tipps  oder Ratschläge hörte sie nicht.  Tja, sobald  mehr zusammen unterwegs sind, wirds halt  immer schwieriger. Wir hatten fast keine Geduld mehr am Ende des Tages…

Item, Bodhgaya ist ein Ort, wo buddhistische Pilger aus der ganzen Welt hingehen zum Beten, Lernen und Meditieren. Es ist ein spiritueller Ort…

Ende Dezember kam Dalai Lama  nach Bodhgaya. An diesem Tag, als wir diesen wichtigen Ort  besuchte hatten, versammelten sich ganz viele Mönche und sonstige Buddhisten um zusammen zu meditieren und den höheren Lama’s bei  ihren Erzählungen zuzuhören.

Vor 2600 Jahren gelangte Prinz Siddhartha Gautama unter einem Baum, welcher Bodhibaum heisst, zur Erleuchtung und wurde Buddha.

Neben einem schönen Tempel in einem Garten, steht ein Ableger des ursprünglichen Bodhibaum. Um den Baum herum treffen sich viele Menschen zum Beten, Meditieren oder einfach nur zum Geniessen.

Wir schauten uns dann noch verschiedene buddhistische Klöster an. Sie sind immer etwa gleich aufgebaut, trotzdem ist es immer wieder spannend diesen friedvollen Platz zu besuchen.

Gegen Abend besuchten wir noch die grosse Buddhastatue. Sie ist 25 m hoch. Teilweise ist sie innen hohl und es heisst, sie enthalte 20’000 Bronzebuddhas. 🙂

Völlig kaputt aber vollgesaugt mit neuen Eindrücken und guten Gesprächen gings für Samuel und mich wieder weiter. Der Nachtzug nach Kolkata kann kommen.

Na klar, auch hier hatte der Zug ca. 5 Stunden Verspätung. Das hiess wieder einmal mehr, sich am Bahnhof einen Platz zu ergattern und warten, warten, warten….. Zwischendurch einen Chai, dann gehts immer besser… Beim Reisen trifft man ja täglich soooo viele neue Menschen. Das ist enorm spannend und bereichernd. Das macht die lange Wartezeit doch erträglicher…. Als wir am Morgen in Kolkata mit dem Zug eintrafen, begrüsste uns ein schön geordneter, stilvoller Bahnhof. Er stammt aus dem Jahre 1906. Täglich gehen Millionen Menschen dort durch. Die leeren Züge werden von ganzen Legionen bettelnder Strassenkinder für ein Almosen sauber gemacht.

In unserem Reiseführer haben wir gelesen, dass es in gewissen Guesthouses tatsächlich Bette mit Bettwanzen gäbe. Für uns war ganz klar, dass wir nicht in einem „Wanzen-haus“ übernachten wollten. Deshalb war klar, wir bezahlen auch ein wenig mehr… Das erste Hotel sah sehr gut aus. Etwas teurer, aber einen Standard, welchen wir schon länger nicht mehr gesehen hatten. Alles kontrolliert-gut, genommen…

Kolkata, die zweitgrösste Stadt Indiens. Sie ist enorm busy… aber auch schmutzig, kultiviert und verzweifelt… Alles gleichzeitig. Kolkata hat eine schöne Architektur, doch aber auch die Armut ist allgegenwärtig…

Wir spürten zum ersten Mal so richtig, dass dann bald Weihnachten sein sollte. In gewissen Cafe’s wurde ruhige Weihnachtsmusik gespielt, die Shop’s waren festlich dekoriert, auf der Strasse sah man dekorative Beleuchtungen… Da soll noch einer sagen, den Indern gehe die Weihnachten am A…. vorbei!! 🙂

Auch die Temperaturen waren besonders Morgens und Abends kühl. Hmmm, eine kurze wehmütige Stimmung brach auf bei Samuel und mir…

Die Tagen in Kolkata verbrachten wir mit Besichtigen von verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Unter anderem besuchten wir die St. Paul’s Cathedral,  sie ist die grösste Kathedrale die wir auf indischem Subkontinent besichtigt hatten. Irgendwie passte diese Kathedrale eher nach England als nach Indien…  Aber wir werden uns an diesen Anblick noch gewöhnen müssen. Wir vermissen unsere prunkvollen und schönen  Kathedralen und Kirchen schon auch ein wenig… 🙂

Wir besuchten das Victoria Memorial, das wurde 1901 errichtet, zum Gedenken an Königin Victorias 60-jähriges Jubiläum. (Es wurde aber erst knapp 20 Jahren nach ihrem Tod fertiggestellt… -klar doch, so geht das in Indien…)

Als nächstes überquerten wir die Haorabrücke. Sie ist Kolkatas 705 m langes architektonisches Brunkstück, ist ein vibrierender Mix aus Stahlträgern, Abgasen und Schweiss… 🙂 Sie wurde schon im 2. Weltkrieg gebaut und ist noch immer die verkehrsreichste Brücke der Welt.

Es ist nicht erlaubt Fotos von dieser Brücke  zu machen, trotzdem konnten wir einen kleinen Teil davon ablichten. Unten auf dem Foto sieht man übrigens den Mullik- Ghat- Blumenmarkt.

In Kolkata besuchten wir noch einen hinduistischen Tempel. Zwischendurch tranken wir dann das Wasser einer Kokosnuss, die Noras Gaumen nicht so befriedigte, Samuel war aber bereits nach der ersten Nuss süchtig danach…

Gestärkt besuchten wir noch das Haus von Mutter Teresa. In diesem Kloster ist das Grab von Mutter Teresa und ein sehr eindrückliches Museum über das Leben und die Arbeit von ihr. Auch in das Zimmer von Mutter Teresa durften wir einen Blick werfen (aber nicht fötele). Es ist sehr  beeindruckend und lobenswert, mit wie viel Liebe und Freude sie ihr Lebenswerk vollbrachte.

Im Übrigen muss ich ja noch sagen, natürlich hatte ich bereits nach der ersten Nacht in unserem Hotel den ganzen Körper voll Stiche. Es waren keine Mücken… Nein natürlich hatten wir in unserem Hotel Bettwanzen. Ich sage euch, ich sah aus als hätte ich die „spitze blootere “ nochmals durchleben müssen… Es juckte und sah fürchterlich aus…

Unsere Tage in Kolkata waren vorbei und unser Weiterreisen ging mal nicht mit Zug und Bus weiter, sondern wir flogen. Am frühen Morgen war unser Flug. Leider waren wir eher knapp an der Zeit und mussten uns beeilen. Da waren aber  noch sooo viele andere Menschen die fliegen wollten und Samuel und ich standen noch immer in der Schlange vor dem Sicherheitscheck, obwohl wir eigentlich schon on board sein sollten… Ich wurde schon ein wenig nervös. Aber dank unseren Meditationen wurde auch ich ruhig und glaubte daran, dass alles gut kam… Und es kam gut. Wir sassen im Flugi und innerhalb kurzer Zeit waren wir in der Luft. Bei der Landung wollten wir Aussteigen, da sagte man uns aber nein, wir müssen noch warten, es werde eine Kontrolle gemacht. Also blieben wir sitzen wie alle (ausser 5 Passagiere)anderen auch. Ein Mann kam und verlangte unser Ticket. Kolkata nach Bangalore… Er sagte ok und gab uns das Ticket wieder. Wir fragten erneut ob wir nun aussteigen könnten. Auch diesmal verneinten sie. Plötzlich kam ein anderer Mann, der zu mir sagte: „Entschuldigung  aber das ist mein Sitz.“ Ich sagte nein nein, der ist für mich reserviert… Das alles kam uns dann aber doch  „spanisch“ vor und wir fragten zum Dritten mal, ob wir nicht in Bangalore seien und wir nun endlich aussteigen könnten!?! Die Antwort von einer Flugbegleiterin war: Och ja unbedingt, ihr solltet schon längst draussen sein… Hmmm… Das Flugi war schon fast wieder zum Abflug bereit, es gelang uns aber noch Auszusteigen.:-) Ein Extra Shuttlebus kam dann für Samuel und mich und somit wurden wir dann zur Flughafenhalle gebracht. Unser Gepäck drehte natürlich bereits nicht mehr auf dem Förderband… Wo ist das wohl? Wir fragten an einem Infoschalter, welcher uns zu 2 anderen verwies, die gerade herumschlenderten… Und siehe da, die hatten auf einem Wägeli unser Gepäck geladen.:-)

Mit dem Rucksack am Rücken gingen wir dann aus dem Flughafengelände und frühstückten erst mal…  Der Tag konnte beginnen. Wir nahmen uns vor gar nicht erst in Bangalore zu bleiben sondern gleich nach Mysore zu reisen. Somit fuhren wir mit dem  Bus 3 1/2 Stunden von Bangalore zu unserem Ziel Mysore.

Es war kurz vor Weihnachten und da es unseren Wunsch war das Fest der Liebe in einer christlichen Region zu feiern, war der Süden perfekt für uns. Ein Bekannter von Samuel gab uns eine Adresse von einem christlichen Ashram. Somit fuhren wir nach Ankunft in Mysore gleich dort hin. Wir vereinbarten uns dann mit den Zuständigen von diesem Ashram, dass wir am 24.12. am Morgen zu ihnen kommen würden. Die 2 Nächte vorher konnten wir in einem Haus übernachten, worin werdende Priester wohnten. Sie schmückten gerade ihr Zuhause weihnachtlich. Aber natürlich auf indischer Art… Viel Glitzer, Glamour und kitsch war vorhanden… 🙂 Sie alle waren aber sehr symphatisch und wir fühlten uns sehr wohl.

Der 23.12. gehörte voll und ganz Mysore. Mysore ist ein wunderbarer Ort, wo’s gemütlich zu und her geht.

Wir besuchten als erstes den Mysore- Palast. Es ist ein riesiger Palast, welcher ein wirkliches  Wunderwerk ist.

Überall sind Buntglas, Spiegeln und grelle Farben anzutreffen. Es sind eindrucksvolle geschnitzte Holztüren, Mosaikböden und eine grosse Serie von Gemälden, die das Leben in Mysore zu früheren Zeiten schildern. Alle Gänge, Türen und Bilder haben Geschichten von längst vergangener Zeit zu erzählen.  Der  Palast erinnerte uns sehr an Rajasthan und hat alte Erinnerungen geweckt:-)

Nach einem leckeren Südindischen Thali, waren wir wieder gestärkt und schauten uns eine Moschee an, im muslimischen Viertel. Sie hatten gerade eins von ihren 5 Gebeten.

Weiter gings zur St. Philomena Kathedrale. Das ist die grösste Kathedrale in Mysore. Uns hat sie aber nicht so grossen Eindruck gemacht, es erinnerte uns eher an eine Touristenattraktion als an eine Stätte des Gebets und der Ruhe.

Wenn man in Mysore ist, sollte man sich doch auch noch anschauen wie Räucherstäbchen hergestellt werden.  Dabei haben wir ganz fest an Sam gedacht. Wir werden dir dann noch ein Päckli schicken, damit du das Perröngli noch richtig ausräuchern kannst:-)

Ich probierte es auch und konnte es also nicht schlecht.

Nach den Räucherstäbchen und den verschiedenen Ölen,  war der Markt angesagt. Dort trifft das alte Indien auf das neue. Man findet z. B. Blumengirlanden, Gewürze, Obst, Nüsse

und konische  Haufen kumkum (farbige Puder für Bindipunkte auf der Stirn).

Voll gesättigt vom weltlichen Leben, schlichen wir uns in die geistigen Sphären. 🙂

Am 24.12. am Morgen gingen wir ins Anjali Ashram. Wir blieben  dort 5 Nächte und lebten in einfachstem Standart.  Nach unserer Ankunft halfen wir sogleich bei der Weihnachtsdekoration. Keinen Tannenbaum, auch keine Geschenke, keinen Schnee, kein Festessen in Form von Fleisch, keinen Schnee, kein „stille Nacht- lied“… Nein,  wir hatten heisse Temperaturen, Deko mit Palmenblätter, veg. Essen auf dem Boden,  Sanksritgesänge, eine wunderbare Gesellschaft und trotzdem viel Ruhe…

Das waren für uns  ganz andere Weihnachtstage…

Einn grosses Highlight war im Ashram unsere Yogalektionen. Diese wurden anfänglich von der Schwester geleitet. Stellt euch das Bild vor, eine eingekleidete Nonne macht im selben Gewand Yoga… Einfach herrlich.

Während unserer Ashramzeit, machten wir einen Ausflug.  An einem Morgen besuchten wir den Chamundi Hill. Auf dem Gipfel dieses Hügels thront der Sri- Chamundeswari- Tempel. Der Tempel von Aussen war enorm schön, von innen war nichts spezielles zu sehen. Man hat einen herrlichen Ausblick auf die Stadt von dort oben.

Am Nachmittag besuchten wir noch einen Garten. Bei den Indern ist dieser sehr beliebt. Uns gefiel er, aber er war für uns nicht sehr speziell. Man sieht halt einen Rasen mit Blumen und ab und zu einen Springbrunnen. Wir kennen die Parks bei uns ja.

Voller Energie, Vertrauen und frisch gestärkt zog es uns nach 5 Tagen weiter. Mit dem Zug gings nach Hampi…

Ohalätz, unwirklich und wie verzaubert leigen die Ruinen von Hampi verloren und verstreut in einer Landschaft, die einen sofort in ihren Bann zieht.

Riesige Felsbrocken türmen sich auf einem kilometerweiten, sanft gewellten Gelände und bilden mit ihrem Rostbraun einen hübschen Kontrast zu den Palmehainen, den Bananenplantagen und den Reisfeldern. Hier treffen sich alle archäologischen Intressierten und die ganze Boulderszene…

Irgendwie herrschte fast wie eine magische Atmosphäre, in dieser Welterbestätte Hampi. Die  Natur schuf im Laufe von Jahrmillionen durch Vulkanismus und Erosion  eine so faszinierende Landschaft.

An unserem ersten Tag  liefen wir ein wenig durch Hampi. Wir schauten uns diverse Tempel, Ruinen und Hampis Basar an.

Der Tag darauf entschlossen wir uns ein Velo zu mieten. Diese Velos waren ja der Börner. Natürlich funktionierte die Bremse nicht wirklich, sie hatten nur einen Gang, Samuel’s Sattel sinkte und drehte sich ständig… Man kam kaum vorwärts, wir trampelten und trampelten…. Samuel’s  Velo hiess Hercules, meins hiess „miss India“:-) Und 2 Mal stürzte Samuel sogar vom Pedal. Nichts von gewohnter Rennmaschine… :-)) Gefährliche indische Drahtesel…

Ja, der Tag war schön, Hampi ist sehr weitläufig und für uns war klar, mit unseren schnellen Flitzern konnten wir nie alles sehen.:-)

Den Silvesterabend verbrachten wir dann gemütlich und ruhig in Hampi…

Am Neujahrstag  überquerten wir den Fluss mit einem Boot, da die Brücken alle zerstört sind.

Auch auf der andern Seite trifft man  auf Ruinen, Boulders und Tourismus aus aller Welt. Wir kundschafteten an diesem Tag das Gelände aus und besuchten einen schönen See, wo wir  uns für kurze Zeit eine Pause gönnten.  Die Hitze machte uns aber schwer zu schaffen und wie immer hatte ich natürlich einen roten Kopf, worüber Samuel sich immer amüsieren kann.:-)

Der letzte Hampi-tag war dem bouldern gewidmet.

Samuel’s körperliche Verfassung liess aber zu Wünschen übrig… Das Niveau von vergangen Tagen war in weiter Ferne… 🙂 Trotzdem konnte er einige Züge machen und erfreute sich darüber. Ganz fest haben wir an Dave gedacht- es würde dir gefallen…

Der Hitze entfliehend füllten wir den Rest des Tages (bis zu unserer Zugabfahrt) mit Chillen.

Am Abend  fuhr uns ein Nachtzug (natürlich mit viel Verspätung und keinerlei Infos darüber ) nach Goa. Wie immer trifft man ja wirklich tolle und spannende Menschen und somit ist das Warten noch lustig:-) Die meisten Indienreisenden sind eher von spezieller Natur und es kann spannend, verwirrend oder einfach nur anstrengend werden.

Nach Empfehlung eines routinierten Indienreisenden und unserem Verlangen nach Ruhe setzten wir uns für einige Tage in Agonda nieder. Dieser Ort gilt noch immer als der ruhigste, idyllischste Schatz von Goa. Es ist ein kleines Dorf, mit weitem und leerem Strand.

Alles geht einen langsamen Gang und die vielen Strandrestaurants servieren gutes Essen. Wir hatten das Gefühl im Paradies angekommen zu sein. Zum ersten Mal sahen wir das arabische Meer von Indien.

Bei diesem Anblick muss man fast durchhängen. Wir spürten langsam Reisemüdigkeit und sehnten uns nach einem Tag „einfach mal nichts tun“. Das flexen vom Vortag hat uns so gut gefallen, dass wir noch einen zweiten anhängten :-).

Unser letzter Tag verbrachten wir auf einem Roller. Achtung, Achtung! Vorsicht ist geboten, Indien hat Linksverkehr und es herrscht ein absolutes Strassenchaos. Manchmal kommt man sich vor wie in einem Hindernisparcour. Auf der Strasse trafen wir: verschiedene Fahrzeuge, heilige Kühe, Hühner und Affen, spielende Kinder und leider auch Verkehrspolizei. Diese hielten uns an und wollten unseren Internationalen Führerausweis mit spezieller Bewilligung von Goa sehen. Wir hatten diese natürlich nicht und mussten trotz freundlichsein, feilschen und meinem Charm 2000 Rupees abgeben. Ist das nicht  unfair, das wäre eine Tagesration Indien für uns zusammen. Wir liessen uns aber unsere gute Laune daduch nicht verderben und freuten uns über diverse Sehenswürigkeiten,

das auskundschaften von Goa und den frischen Fahrtwind.

Unsere nächste Station war Gokarna. Wir hörten da es dort ein schöner Strand hat und das Dorf eine lebendige Hindukultur pflegt. Nach der Ankunft gingen wir auf direktem Weg zum Om Beach. Wir wissen noch bis heute nicht von wem diese Namensgebung kommt. Entweder von den Einheimischen oder den Hippies. Dieser Strand wird von Althippies bedsiedelt  und  von jungen Travellern und „möchte-gern- Hippies“ gerne aufgesucht.  Alles verlangsamt sich hier ein wenig und die Gefahr dort hängen zu bleiben ist gross. Es werden viele Drogen konsumiert und zeigte uns ein früheres Bild von der Hippiezeit… Wir sind aber dankbar, dass wir diesen Ort bei klarem Verstand erleben durften. 🙂

Im urtümlichen Dorf Gokarna erhielten wir einen schönen Einblick in lebendige Hindurituale. Scharen von Pilgern versammeln sich dort das ganze Jahr hindurch, um in den historischen Tempeln zu beten und zu opfern. Zurzeit sind viele schwarz gekleidete Pilgrer unterwegs, die meistens oben ohne unterwegs sind und eine spezielle Kette tragen. Sie pilgern mit einem stark geschmückten Auto 45 Tage lang von Tempel zu Tempel. Frauen sind dabei nicht erwünscht. In dieser Zeit essen sie kein Fleisch, Fisch oder Eier. Jeglichen Kontakt zu Frauen ist verboten.

Ausländer und Nicht-Hindus dürfen die Tempel in Gokarna nicht betreten. Wir konnten nur von aussen einen Blick erhaschen.

Wir konnten uns schnell vom bekifften Om Beach lösen und unsere Weiterreise ging mit zwei Schweizer weiter nach Kerala. Die Besonderheit dieser Weiterreise bestand darin,  dass wir vom Om Beach mit einem Motorboot nach Gokarna fuhren. Natürlich war der Wellengang sehr stark und wir genossen mehrere Salzduschen und leichte Übelkeit.  Uns hat  es aber riesen Spass gemacht.

Nun sind wir in Kerala angekommen, davon werden wir euch aber erst im nächsten Blogeintrag berichten.

Im übrigen werden wir oftmals gefragt, ob wir das Reisen nicht langsam satt haben. Die Antwort lautet deutlich Nein! Bestimmt ist es aber so, dass man nach mehr als einem 1/2 Jahr umherziehen langsam müde wird und sich nach gewohnten Dingen sehnt zB. Radfahren, Joggen durch einen schönen Wald, ohne  Bedenken alles Essen können (ohne zu schälen), ruhigeres Reisen ohne Verspätungen, schnelle Internetverbindungen… 🙂 Trotzdem sind wir noch lange nicht gesättigt und ans nach Hause gehen denken wir noch lange nicht. hahaha:-)

 

Jetzt wünschen wir euch wenig Regen, viel Schnee und Sonnenschein.  Wer die Solothurner Filmtage besucht, denkt dabei auch ein wenig an uns.:-)

 

Liebe Umarmung

Samuel und Nora

Namaste alle zusammen…

Wie geht’s Euch?!  Die Adventszeit hat ja nun angefangen. Bestimmt hört man nun Weihnachtslieder im Radio und  in allen Läden sind wohl alle glitzernden Weihnachtsdekos und möglichen Geschenkideen anzutreffen. Obwohls hier in Kathmandu ist es kühler ist, sind wir nicht in Weihnachtsstimmung. Das werden wir dieses Jahr wahrscheinlich auch nicht…. man hier halt überhaupt keine Anzeichen dafür. Das wird eine etwas andere Weihnachten für uns, als wir sie sonst gewohnt sind. Das ist auch gut so. Wir sind gespannt wie’s wohl wird, das Fest der Liebe weit weg von unserem zu Hause zu feiern…

Bei uns ist wieder einiges gelaufen…

Am Donnerstag, 17.11. abends stiegen wir mal wieder in einen Bus um nach Janakpur zu fahren. Die Fahrt dauerte etwa 12 Stunden, der Buschauffeur war ein guter Kerl und wir konnten sogar wenige Stunden schlafen- oder dösen. Am Morgen erreichten wir unser gewünschtes Ziel und liessen uns mit einem Velo-Rikscha zum Ausgewählten Hotel bringen. Irgendwo angekommen hielten die 2 Fahrer an und sprachen irgendetwas. Keine Ahnung was.  Die meisten Nepali können kaum Englisch, somit ist die Verständigung nicht immer einfach. Für uns war der Halt nichts neues, da wir in Indien regelmässig erlebt hatten, dass die Rikscha-oder auch Taxifahrer gar nicht wissen wo der gesagte Ort ist. 🙂 Mit Händen und Füssen wussten Samuel und ich dann, dass unser Hotel gar nicht mehr existiert… oi oi oi, dabei ist unser Martin Loose Guide  Book doch erst 1 Jahr alt. Ihr seht, es ändert sich einfach schnell mal etwas hier… Gut, wir fragten dann bei 2 anderen  Hotels nach. Das eine Hotel wäre unbezahlbar teuer gewesen und das andere hätte nur ein Zimmer für eine Nacht frei gehabt. Somit liessen wir uns in einem anderen, sehr billigen und auch wirklich schäbigen Hotel nieder. Es stinkte und war einfach ein übles Loch. Egal, wir buchten 2 Nächte darin und haben nach dem Betreten als erstes ein Räucherstäbchen angezündet. Egal welcher Duft von diesem Glühstängeli kam, jeder war besser als der Geruch vom Zimmer… Eine weitere Plage waren die Moskitos. Sowas haben wir noch nie erlebt-nicht einmal während der Monsunzeit. Horror… Unmengen von den summenden Kleintieren… Glücklicherweise hatte der Hotelbesitzer mal Moskitonetze montiert über den Betten und somit flogen uns nur wenige Mücken  um die Ohren. Sie fanden Zugang durch die Löcher im Netz.. 🙂

Als wir uns damit abgefunden hatten in diesem Bunker zu nächtigen, gingen wir auf die Strasse und mussten uns zuerst mal einen Chai genehmigen…:-)  So, gestärkt wollten wir uns diese Stadt anschauen und noch das Busticket reservieren für die nächste Station. Als wir umherschwirrten trafen wir 2 Mädchen (etwa 18 jährig) welche mit uns plauderten. Die eine junge Dame hat uns dann zu sich nach Hause eingeladen, sie wolle uns ihrer Mutter vorstellen.  Sie musste aber mit ihrer Freundin noch einen Pullover kaufen und somit sagte sie dann, wir könnten uns bei einem Platz treffen. Zur abgemachten Zeit standen wir da.  Sie kam nicht. Wir waren aber nicht enttäuscht, schliesslich kennen wir das doch schon von Indien. 🙂 Nach der Chai-pause liefen Samuel und ich dann wieder zurück in unser schönes Hotel. Etwa  20 min. später klopfte es wie wild an unserer Tür. Wer wars? Ja, die junge Lady… Sie habe lange auf uns gewartet und nun dachte sie, sie komme uns abholen. Damit rechneten wir nun wirklich nicht. Aber wir haben uns kurz umgezogen und gingen mit ihr. Wir sassen bis abends draussen bei ihnen zu Hause. Wir tranken mit ihnen Chai, assen Nepali Food, lachten zusammen, tauschten uns aus und die Mutter bemalte meinen Fuss mit Henna.

Sie wollten dann noch, dass wir bei ihnen zu Abend assen. Wir lehnten aber dankend ab, da wir von unserer anstrengender Busfahrt noch müde waren  und wir früh zu Bett gehen wollten.  Die Familie sagte uns dann,  dass wir doch am nächsten Tag bei ihnen Frühstück, Mittag- und Abendessen geniessen sollen. Ja, sie wollten sogar, dass wir bei ihnen Schlafen und gar nicht mehr zurück ins Hotel gingen. Uns war das natürlich zu viel. Das Nähe- und Distanzgefühl wird hier anders gelebt. 🙂 Wir willigten dann ein, uns am nächsten Tag mit dem Sohn zu treffen und Janakpurs Leben besser kennenzulernen.

Die Mutter dieser 9 köpfigen Familie kommt ursprünglich aus Indien.  Sie ist eine klassische Inderin. Voluminös, sehr viel Schmuck, stolz, Henna begeistert… sie ist das Oberhaupt der Familie… 🙂

Der Vater ist sehr ruhig, hatte vor ca. 5 Jahren einen Schlaganfall und ist seither linksseitig gelähmt. Er kann sich aber gut fortbewegen.

Müde aber mit einem guten Gefühl machten wir uns auf die Socken zum Hotel. Wie so oft war mal wieder Stromausfall. Dieser machte aus der schmutzigen Stadt Janakpur  eine spezielle aber manchmal auch bedrohliche Stimmung. Ab unter die kalte Dusche- mit Stirnlampe, Einrichten des Moskitonetzes- mit Stirnlampe und danach  Suchen eines geeigneten Lokals zum Abendessen- ohne Stirnlampe, wo ich dann natürlich promt noch in eine frische Kuhscheisse trat. Dieser doofe Stromausfall!!!!!!!! Um 21.30  Uhr schliefen wir beide schon tief und fest. 🙂

Um 05.00 Uhr wurden wir von einer geräuschvollen Kulisse beim Verrichten der Morgentoilette geweckt… Man kann dem nicht mehr Schnäuzen, Husten oder „Chodere“ sagen- es gibt kein Wort um diese Geräusche zu benennen oder definieren. Auf alle Fälle wars kein schönes Erwachen und trotz Ohropax hörten wir das „Frischmachen“ noch gut. Übrigens praktizieren das nicht nur die Männer, auch die Frauen geben erschreckende Töne von sich… Mit Schlafen war dann nichts mehr. Somit führten auch wir unsere Morgentoilette durch. Die verläuft deutlich angenehmer und ruhiger… 🙂

Um 08.00 Uhr trafen wir wie abgemacht Kunal. Mit ihm verbrachten wir den ganzen Morgen in Janakpur. Janakpur ist im Übrigen eine der wichtigsten heiligen Stätten der Hindus. Der zentrale Tempel, der reich verzierte Janaki Mandir, gehört zu den obligatorischen Zielen einer hinduistischen Pilgerfahrt.

Die Stadt ist durch und durch indisch geprägt, was in verschiedenster Art gut spürbar war. Der Chaikonsum erhöhte sich schlagartig, die Unterkünfte sind schäbiger, die Menschen starrten, die Strassen waren schmutzig, mehr Kühe versperrten einem den Weg und die meisten haben schmutzigere Zähne vom Tabacco welchen sie immer lange im Mund behalten…  Die intensiven Augenblicke und die Lebensfreude der Menschen waren wieder stärker zu spüren… Janakpur zeigte uns die andere Seite von Nepal.

Von Tourismus, besser gesagt westlichem Tourismus kann in Janakpur kaum die Rede sein.  Wir trafen in diesen 2 Tagen 6 weisse Menschen.:-)

Wir erfuhren von Kunal unter anderem dass in Janakpur der Gott Rama  Sita, die Tochter eines Königs, geheiratet hat.  Aus diesem Grund hörte man den Gesang „Sita Ram, Sita Ram“ in ständiger Wiederholung wie ein hinduistisches Ave Maria. Wir stiessen gerade zu diesem eindrücklichen Morgenritual vor dem Ram-Tempel.

Danach besichtigten wir den, an einen verspielten Palast im Mogulstil erinnernde Janaki Mandir. Es wird vermutet, dass die Prinzessin Sita dort gelebt hat.

Wir sahen viele Gläubige welche dort beteten und verschiedene Rituale  durchführten.

Neben dem Tempel steht ein Bauwerk welches den Hochzeitspavillon von Rama und sita zeigt. Drinnen sahen wir ein pompöses Gemälde vom feierlichen Ereignis.

Wir wurden in diesen Templen reichlich mit Punkten auf der Stirn gekennzeichnet und spendeten wie die Hindus den Göttern Süssigkeiten.:-) Es war ein richtiger Hinduistischer Tag. Zum Glück hatten wir Kunal mitdabei, er ist hier geboren und kennt sich gut aus-geschichtlich und orientierungsmässig… 🙂

Zwischendurch mussten wir natürlich einen Chai trinken und dann ging unsere Tour weiter.

Unter anderem  gelangten wir zu den heiligsten Becken Janakpurs. Der Anblick, wie die Hindus dort rituelle Waschungen vornehmen war sehr bewegend. Im Verlauf des Tages sah man viele ihre Kleider waschen und die Verschmutzung dieses heiligen „See’s“ war absolut unübersehbar. Die Einheimischen und Gläubigen lassen sich davor aber nicht abschrecken und trinken das Wasser manchmal sogar. (Kein Wunder beträgt hier in Nepal die durchschnittliche Lebenserwartung 63 Jahre-oder weniger…)

Wir 3 besuchten noch weitere Tempel und Samuel und ich waren stets froh, dass Kunal uns so gute Informationen gab.

Am Mittag trennten wir 3 uns. Kunal ging nach Hause, Samuel und ich assen in einem einfachen  Foodstall ein köstliches Daal bhaat tarkaari…:-)

Es war ein wirklich schöner und informativer Vormittag! Wir verabredeten uns dann mit Kunal bei ihnen zu Hause zum Abendessen. Seine Mutter bestand darauf!!! 🙂

Samuel und ich genossen den ruhigen Nachmittag mit Lesen und Flexen:-)

Am Abend machten wir uns auf die Socken zu der Familie. Vorher  hatten wir uns in einem Süsswarenladen eingedeckt um ein Mitbringsel abgeben zu können. Wir wissen ja, wie gerne die Menschen hier Süsses schlemmen.

Wir wurden von den Frauen wunderbar bekocht. Es war lecker und sie stopften uns voll. Immer und immer wieder wurde nachgeschöpft. Unsere dankende Ablehnung über Nachschub wurde ignoriert. 🙂 Interessant war ja wieder, dass wir ohne sie gegessen hatten.  Anscheinend ist das hier absolut normal. Sie wollen den Gast (welcher als König gilt) bekochen und voll und ganz für ihn da sein.

Nach einigen Stunden waren Samuel und ich bereit aufzubrechen in unser Hotel. Aber sie liessen uns fast nicht mehr gehen. Somit gings nicht lange, bis die Mutter mit ihren Töchtern irgendwas suchten und nach langer Zeit zurück kamen und mir eine Halskette um den Hals legten, kurz darauf wurden meine Ohrringe entfernt und neue durch Ohrloch geführt, später wurde mein Haarband entfernt und die Haare zu einem „Rossschwanz“ zusammengebunden mit einem glitzernden Haarband, danach musste ich die Lippen spitzen für dezenten Lippenstift, erhielt ein  Kleberli auf die Stirn und am Schluss musste ich die Zehen- und Fingernägel  so platzieren, dass sie sich austoben konnten beim Anmalen. Leider wählten sie nicht durchsichtigen Nagellack aus, sie wählten pinkigen aus, da dies die Lieblingsfarbe der pubertierenden Mädels ist. Och du meine Güte. Dann ging mein Schauspiel los. Ich musste vor den Spiegel und immer wieder sagte ich ihnen: Wow, das sieht ja schön aus!! Vielen vielen Dank!!!! Ja, ich hätte einen Oskar gewonnen für meine Leistung. Mein grösstes Problem war der Nagellack. Wie bringe ich diese schreckliche Farbe wieder weg von meinen Fingern?!? Samuel lachte innerlich und wusste genau wie mir zumute war. Er sagte aber auch begeistert: Nora, wow, du siehst ja aus wie eine Prinzessin!!!!  hahaha!!

Aber auch Samuel erhielt noch ein Geschenk. Ein seidenes, helles Hemd. Er musste es gleich anprobieren. Ach du liebe Zeit!!!  Auch hier war wieder Lachen und herzliches Danke sagen angesagt… 🙂 Wir wussten, dass wir unsere Geschenke leider nicht oft tragen werden… 🙂

Aber sie meinten es sehr  freundlich und ehrlich. Der Abend verlief noch sehr schön und als wir zurück im Hotelbunker ankamen, hat Samuel mit seinem Sackmesser versucht mir den Nagellack von den Fingern wegzukratzen… 🙂

Am 20.11. morgen  früh gings wieder los mit unserer Weiterreise. Wir fuhren mit dem Bus eine ellenlange Strecke nach Ilam. Die Fahrt war mal wieder schlimm. Samuel hatte seine Rückenschmerzen und ich hatte Verdauungsprobleme…. 🙂 Ilam bedeutet für die meisten Nepalesen Tee. Dort hat es ganz viele Teeplantagen. Die Landschaft war wirklich wunderschön.

Als wir abends mit dem Bus ankamen, trafen wir einen jungen Mann, mit welchem wir sofort ins Gespräch kamen. Er arbeitet in Ilam als Polizist. Er begleitete uns noch zu unserem Guest house. Unser Zimmer war wirklich wieder sehr klein und bereits beim Ankommen packten wir unsere Stirnlampen und Kerze aus.  Der Strom fiel aus… 🙂

Der Polizist sass bei uns noch lange im Zimmer, er erzählte aus seinem Leben und von seinem Beruf. Er sagte: hier in Nepal muss man keine Angst haben, man ist hier sehr sicher. Gerade in diesem Moment klingelte sein Natel. Ja, es war der Polizeiposten, es sei ein dringender Fall… Innerhalb von kürzerster Zeit verschwand er also mit seinem Bodyguard auf dem Töff. Phuu, ist es wirklich soooo sicher..?!? 🙂

Am nächsten Tag machten wir einen Dorfspaziergang durch  Ilam, besuchten die Teeplantagen

und relaxten in einem wunderschönen und sehr guten Restaurant  in einer Bambushütte mit einem lokalen Ilamtee. So schön kann das Leben sein.. 🙂

Gegen Abend besuchten wir einen Tempel. Wir mussten nach dem Weg fragen und nannten allen Einheimischen den Namen des Tempels. Niemand kannte ihn. Wir waren schon verwundert,da doch alle Bescheid wissen, wenns um was heiliges geht…  Nach langem hat sich dann ein Mann Zeit genommen sich die Karte mal genau anzuschauen welche in unserem Reiseführer ist. Dabei stellte er fest, dass der Name dieses Tempels gar nicht existiert. Nun ist also unserem lieben Herr Martin Loose ein Fehler unterlaufen und er hat einem Tempel in Ilam einen Namen gegeben welchen es gar nicht gibt.:-) Der Einheimische hat uns dann den richtigen Namen gesagt und von da an erhielten wir von allen der  befragten Personen einen Wegbeschreib welcher uns durch einen kurzen wald zum Ziel brachte.

Der Tempel ist in Form eines Baumes. Man sagt, dass dort noch immer zu bestimmten Zeiten eine Schlange aus dem Baumloch rauskommt. Zum Glück war bei uns nicht der richtige Zeitpunkt und somit blieb uns dieser Anblick erspart. 🙂

Am 22.11.  kam unser Polizist zum Guest house. Wir gingen zusammen Frühstücken. Dort im Restaurant hat uns dann doch tatsächlich erneut einer gefragt ob in der Schweiz keine Polizei sei. Wir fragten ihn weshalb uns das wohl alle fragten…. Er sagte uns, es stehe bei ihnen in den Schulbüchern drin…. oi oi oi, was sind denn das für Lehrmittel, bitteschön! 🙂

Gestärkt machten Samuel und ich uns auf den Weg. Es stand uns eine ca 6 stündige Wanderung bevor. Unser Ziel war Mai Pokhri.

Das ist ein, für die Hindus, heiliger Teich. Natürlich verliefen wir uns! Kunstück es ist wirklich nirgends etwas angeschrieben und die Menschen geben dir einfach auch die falsche Auskunft teilweise. Aber die Landschaft war wundervoll und wir konnten vielen Frauen beim Teepflücken zusehen.

Als wir spät am Nachmittag dort ankamen, fühlten wir uns ein wenig gestresst, da es ja schon bald eindunkeln wird. Und bekanntlich stehen an Wanderwegen ja keine Strassenlampen, wir hatten keine Stirnlampe mitdabei und Autos oder ein Bus war weit und breit nirgends sichtbar. Trotz allem nahmen wir uns Zeit um den Teich herumzulaufen, ausser uns war niemand dort. Wir empfanden diesen Ort als mystisch und wundervoll.

Wir tankten neue Kräfte und marrschierten in zügigem Tempo wieder nach unten. Gegen Ende dieser Strecke, wo es bereits dunkel was, hielt ein Töfffahrer neben uns an. Er sprach ein wenig mit uns und sagte dann, dass er uns mit dem Töff bis in den nächsten grösseren Ort fuhr, von wo uns dann ein Taxi nach Ilam fahren konnte. Glück gehabt! Zu Dritt und natürlich ohne Helm fuhren wir durch die engen und dunklen Gassen. Es ist immer wieder ein interessantes Erlebnis. Wenn man in Nepal am Strassenrand stände mit dem Daumen nach Oben gestreckt, würden mit Sicherheit Töffe anhalten und keine Autos, da die meisten Menschen sich hier „nur“ einen Töff leisten können und kein Auto. Somit würde man „Töffstöppeln“. 🙂

Am nächsten Tag besuchten wir die Teefabrik, welche in der Nähe von Ilam ist. Sie wurde 1985 mit britischen Hilfsgeldern errichtet. Sie ist die grösste ihrer Art im gesamten Distrikt. Die gepflückten Blätter werden oben in riesige Behälter eingefüllt, wo Ventilatoren etwa die Hälfte ihres Feuchtigkeitsgehalts entziehen. Anschliessend werden die welken Blätter maschinell gerollt, wodurch die verbliebenen Säfte zur Fermentierung freigesetzt werden.

Die Oxidation der Gerbstoffe des ausgetretenen Saftes gibt dem Tee sein typisches Aroma. Bei der anschliessenden maschinellen Trocknung erhält das Blatt seine schwarze Farbe.

In dieser Teefabrik werden in einer Saison ca. 15’000 kg Tee produziert. Der grösste Teil dieses Tee’s wird nach Deutschland exportiert und dort zu Darjeelingtee vermischt. Wir konnten nach der Führung durch diese Fabrik dann eine Tasse dieses leckeren Tee’s geniessen…

Am Abend kam dann der Polizist nochmals zu uns. Er hat Samuel ein Abschiedsgeschenk mit gebracht. Eine traditionelle nepalesische Kappe. Man nennt sie in Nepali Topi. Hier sieht man viele Männer (vorallem die älteren) welche solche tragen.

Wir genossen den Sonnenuntergang und die ruhige Stimmung in Ilam.

Am 24.11. morgens fuhren wir weiter nach Hile. Die Fahrt war wieder mal sehr unangenehm. Besonders für mich war es unangenehm. Ich sass ganz vorne auf einem schmalen Holzbrett, daneben eine Frau mit Kind, welche mir immer unangemeldet ihr Kind auf die Schoss gab, daneben hatte ich einen Mann der einschlief und seinen Kopf an meiner Schulter anlehnte, hinter mir stand ein junger Mann, welcher mir mit dem Ellenbogen immer wieder auf den Kopf schlug und vor mir war ein Mann, der mich immer so enorm übel anhustete…. Samuel war ganz hinten und nach kurzem Stehen konnte er die meiste Zeit dann sitzen. Er hatte seine Ruhe dort und konnte dann sogar noch Zuckerrohr aussaugen… Der Bus war mal wieder vollgestopft und Samuel und ich sahen uns nicht mehr…  Beim Aussteigen war Samuel völlig erfrischt und gut gelaunt, ich war müde und erschöpft.. Deshalb hätte ich gleich  Schoggi gebraucht, was wir nirgends fanden. Also, dann halt einen Chai-der ist genau so süüssssss:-)

Hile ist eine lebhafte kleine Siedlung und eine der wichtigsten Sammelpunkt im östlichen Nepal. Hile lockt einen Strom von angehörigen ethnischer Minderheiten an, die von weit her kommen um dort Handel zu treiben: Tamang und Sherpa vom Westen, Newar und indische  Händler vom Süden, Rai aus ihrem Kerngebiet, dem strassenlosen Bergland der gesamten Umgebung. Westliche Touristen waren weit und breit nirgends sichtbar. Die Einheimischen sahen wahrscheinlich zum ersten Mal „Weisshäutige“. 🙂 Sie blieben sogar vor uns stehen und haben uns von den Zehenspitzen bis zu den Gäbeli der Haaren angeschaut und inspiziert 🙂 Sie schauten und sprachen aber sehr freundlich mit uns. Es war angenehm.

Hile ist auf ca. 2000 m gelegen und deshalb wurde es nachts kalt.

Auf eine warme Dusche konnten wir uns nicht freuen, denn die gabs nicht. alles nur eisgekühltes Wasser… Von guter Hausisolierung oder Heizungen kann man in Asien ja auch nicht sprechen… 🙂 Daher folgten natürlich wieder Schnupfen, Halsweh, Müdigkeit, Husten……

Auch spürten wir eine leichte Asienmüdigkeit. Das zum 1. Mal nach unseren 5 Monaten. Wir wollten soooo gerne heisses Wasser, in einem warmen Haus schlafen, wir träumten von einem Coop oder Migros (oder was auch immer), in welchem wir unsere Esswaren selber aussuchen konnten und dann in einer vertrauten Küche kochen könnten… Wir wollten in einem schönen Park auf einem Bänkli sitzen, ohne dass wir dauernd angesprochen oder angeglotzt wurden, wir wollten einige ungestörten Seiten im Buch lesen……….

Wir trösteten uns dann mit einem Tongba. Das ist ein heisses Hirsebier. Es wird in einem hölzernen Becher mit Messingrand und -deckel  serviert. Das Originale gibts nur in der östlichen Bergwelt Nepals- also gerade richtig in Hile… Es war super aber auch heimtückisch. Zuerst spürt man den Alkohol kaum, plötzlich gehts dann aber rassig zu und her!! 🙂

In Hile haben wir in den folgenden Tagen stets lecker  und sehr einfach gegessen, Wanderungen gemacht mit schöner Aussicht, Tee getrunken und die Asienkrise wieder kuriert… 🙂

Abends haben wir viele Gespräche mit Einheimischen geführt. Wir haben viele intelligente und interessante Menschen getroffen und viel mit ihnen diskutiert.

Grundsätzlich ist uns aufgefallen, dass viele Leute hier in Nepal oft Alkohol trinken und Rauchen. Wir sahen viele Betrunkene, das ist ziemlich erstaunlich. Auch heiraten die Nepalesis sehhr früh und die Männer dürfen mehrere Frauen haben, die Frauen natürlich nur einen Mann…  Sooo viele Fragen konnten wir mit ihnen klären.

Uns ist auch aufgefallen, dass die Nepalesen wie die Inder immer nur das Schöne ihres Landes hören wollen. Sobald man etwas anzuzweifeln beginnt, blocken sie ab, sind eingeschnappt oder laufen davon…  Tja, wer austeilen will, sollte auch einstecken können. Wir habens da aber einfacher. Auf  die Frage woher wir sind, wird unsere Antwort welche natürlich „aus der Schweiz“ lautet, mit grosser Bewunderung und Beneidung erwiedert. Alle finden die Schweiz ein Paradies und viele träumen von einer Reise in dieses Land. Es sei so sauber… Ja Kunststück, wir werfen den Abfall auch nicht einfach so auf den Boden:-)

Immer noch gesundheitlich ein wenig angeschlagen fuhren wir am 27.11. dann von Hile nach Dharan. Diesmal bevorzugten wir den Minibus und somit war die Fahrt deutlich angenehmer. Natürlich saugten wir auch auf dieser Fahrt wieder den Saft des Rohrzuckers aus.

In Dharan gibt’s eigentlich nicht viel zu sehen. Diese Stadt machte Schlagzeilen, als 1988 ein starkes Erdbeben 700 Menschen tötete und die Stadt grösstenteils zerstörte. Nun ist aber alles wieder aufgebaut und es ist kaum mehr was sichtbar.
Im Stadtzentrum steht ein hoher Turm welcher zur vollen Stunde ein lautes Lied von sich gibt. Es tönt wie ein schlecht gespielter Song auf einem Mini- Keyboard.:-)

Unser Besuch in Dharan war völlig relaxt, wir lasen enorm viel, haben uns von unseren gesundheitlichen Beschwerden erholt und tankten Energie.

Einmal als wir zu unserem Hotel zurück marrschierten, sahen wir wie mehrere Männer gerade ein Schwein mitten auf der Strasse auf einen Holztisch legten und bereitmachten zum Schlachten. Das arme Tier fiel noch vom Tisch weil es sich so sehr wehrte und gab enorm laute Geräusche von sich. Ich konnte nicht zusehen und nicht zuhören. Ich wechselte die Strassenseite und hielt meine Ohren zu. Mein Vegetarierherz leidete:-) sehr oftmals werden wir gefragt ob denn Samuel immer noch Vegetarier ist. Ja, er ist seit unserer Ankunft in Asien ohne Fleisch unterwegs und ich denke es ist verstänklich, wenn man täglich die umgebrachten Tiere auf einem Holztisch sieht… oder? 🙂 Wir haben ein Herz für Tiere. 🙂

Wir mussten lachen, als wir auf der Suche nach Geldautomaten waren. Wir versuchtens bereits bei einigen, bis wir dann zum Letzten kamen. Er stand in einer kleinen Garage. Es war eine Baustelle. Schutt, Dreck, Staub, alte Gegenstände… Aber mittendrin stand der ATM-er glänzte wie neu. Herrlich, auch das sieht man doch nirgends in der Schweiz…

Der nächste und letzte Tag in Dharan verbrachten wir indem wir am Morgen einen Tempel besucht hatten. Er war nicht spektakulär. Wir sind auch langsam tempelmüde und davon gesättigt…. 🙂 Wir genossen die Natur noch, bevor’s wieder zurück in die Hauptstadt ging…

Am Nachmittag fuhren wir dann zurück nach Kathmandu. Schliesslich müssen wir ja nun endlich unser Visa für Indien beantragen. Zum ersten Mal (ohne unser Wissen) hatten wir einen Luxusbus. Im Bus war ein TV auf welchem ein schlechter Nepali Film gezeigt wurde, das „Personal“ verteilte je  1 Flasche Wasser und je 1 Snack. Die Dame felhte noch, welche im Korridor den Notausgang zeigte und die Erklärungen zur Sauerstoffmaske abgab. Sonst hätte man gemeint wir sitzen in der Lufthansa oder Swiss…:-) Das Holpern und dadurch das Ausfallen des DVD’s zeigte uns dann, dass wir doch noch in Nepal sind…

Phuu, nach der langen Fahrt kamen wir endlich in Kathmandu an. Wir checkten im Hotel ein und machten uns gleich auf den Weg zur indischen Botschaft. Dort warteten schon uuuuuu viele andere Touristen, die dieses verrückte Land besuchen möchten. Zuerst muss man eine Nummer ziehen, wie bei uns auf der Post. Danach muss man ein Formular ausfüllen. Den Antrag erstellen. Nachher wenn man drann kommt, nach etwa 3 Stunden warten, muss man das erhaltene Formular abgeben und 300 Rupien bezahlen. Man kriegt erneut ein Formular, welches man zu Hause ausfüllen muss. Nach einer Woche geht man wieder auf die Botschaft mit dem ausgefüllten Formular, zieht wieder eine Nummer, wartet wieder 3 Stunden und dann gibt man das Formular ab, bezahlt noch 3’700 Rupien und gibt den Pass ab. Am selben Tag aber abends um 17.00 Uhr geht man erneut vorbei und wenn man Glück hat, hat man nun ein indisches Visa im Pass. 🙂

Die indischen Angestellten in der Botschaft waren sehr sehr unfreundlich. Wir fragten uns für einen kurzen Moment, ob wir wirklich ein Visa haben möchten und somit zurück nach Indien wollen!?! Aber klar, wir wollen’s. Denn Indien ist sooo faszinierend und hat uns in den ersten 3 Monaten viel aufgezeigt, gelehrt und gegeben. Wir freuen uns auf mehr!!! 🙂

Die Tage in denen wir warten mussten, verbrachten wir mit Lesen, Vorbereiten für Indien, Käffele in unser Lieblingsbäckerei, lädele…

Am Samstag entschlossen wir uns nach Patan zu fahren. Wir hörten von einem Meditationszentrum. Aus Zeitgründen nahmen wir ein Taxi. Als wir in Patan ankamen, wusste weder der Taxifahrer noch die Polizei oder sonstige Einheimische wo dieses Mediationszentrum sein sollte. Wir hatten keine genaue Adresse, wir wussten nur den Bezirksname und das eine Kirche neben diesem Zentrum ist.  Nach langem fanden wir diese Kirche. Wir bezahlten den Taxifahrer und fragten eine Frau welche bei der Kirche stand  wo denn dieses Zentrum sei. Sie sagte dass sei nicht hier. Das gäbe es nicht in Patan. Somit fragten wir, ob wir diese Kirche besichtigen können. Sie sagte, es sei die einzige katholische Kirche in Nepal und es starte gerade eine Messe. Der einzige Hacken war, dass die Messe auf Nepali war. Somit verstanden wir nichts. Es war trotzdem eine wundervolle Stimmung. Die Kirche war bis hinten besetzt. Alle sassen in Reihen auf einem Kissen auf dem Boden. Fröhliche Lieder wurden gesungen und der 2. Advent wurde gefeiert.

Übrigens wurde vor wenigen Jahren ein Attentat von Hindufanatikern auf diese Kirche ausgeübt. Aus diesem Grund wird sie bewacht und Sicherheitsmassnahmen wurden vorgemommen.

Bill war zur selben Zeit wie wir in Kathmandu.  Natürlich trafen wir uns oft. Zum Käffele, plöiderle und feini Sache ässe… Das macht man immer mit Bill! 🙂 Aber auch Aktivitäten liebt er sehr. Daher entschieden wir uns gemeinsam eine kleine Wanderung zu machen. In unserem Führer wurde diese Route mit 1200m Höhendifferenz beschrieben. Wir  trafen uns am Morgen früh und fuhren mit dem Bus ca. 40 min. bis wir ein ruhiges Dorf erreichten, wo unsere Wanderung startete. Schnell spürten wir, dass diese Wanderung kein Zuckerschlecken wird. Nach kurzer Zeit färbte sich unser Gesicht rot und keuchend schleppten wir uns steil nach oben. Auch Samuel bemerkt nun langsam die Spuren der 5 monatigen Reise…Muskelschwund, schlappe Beine und eine lahme Lunge… 🙂

Diese Wanderung bestand eigentlich nur aus Treppen. Samuels Aussage auf mein Gemotz war: Das ist das beste Training für Bauch, Beine, Po 🙂

Nach ca. 3 Stunden harter Arbeit erreichten wir unser Ziel auf 2790 m.ü.m. Eine Belohnung in Form von guter Aussicht bekamen wir nicht, stattdessen sahen wir wolkenverhangerner Himmel wobei  sich die Sonne nur kurz zeigte.

Nach einer Pause führte uns der selbe Weg wieder zurück. Gute Gespräche mit Bill und die gemeinsame Freude an der Natur und der sauberen Luft machten diesen Ausflug perfekt.

Heute Morgen machten wir uns auf den Weg zur Indischen Botschaft. In unserem Lieblingscafe trafen wir ein letztes Mal Bill. Er flog heute nach Thailand. Wer weiss, wo sich unsere Reisewege zum nächsten Mal kreuzen 🙂

Auf der Indischen Botschaft war wieder warten angesagt. Wie letztes Mal schon, war es spannend all diese verschiedenen Menschen zu beobachten. Es war ein buntes Treiben und vorallem ich war froh über diesen amüsanten Zeitvertreib. Nach nur 3 Stunden waren auch wir an der Reihe. Am Abend mussten wir dann nochmals vorbei. Es hiess zwischen 17.00 nund 17.30 Uhr hätte man den Pass. Die Schlange vor der Botschaft wurde immer länger. Als es dann um 17.45 mal endlich losging, waren Samuel und ich Glückskinder, indem wir unseren Pass gleich zurückerhielten. Denn es gab andere, die auch gewartet hatten und dann als sie beim Schalter vorne waren, sagte man ihnen, dass ihr Pass noch nicht hier sei. Sie müssen noch warten. Ach es war mühsam und wieder einmal halt eine typische indische Bürokratie. Die Atmosphäre war angespannt… 🙂

Ja, nun haben wir unser indisches Visum im Sack, oder besser gesagt im Pass. Nichts steht uns mehr im Wege, um erneut in dieses faszinierende Land  einzutauchen. Jetzt heisst es aber Abschied nehmen von Nepal.

Diese zwei Monate in Nepal vergingen sehr schnell.

Nepal raamro chha –  Nepal ist schön!!!

Bei aller (notwendigen) Veränderung ist Nepal nach wie vor ein wunderbares Land, mit wunderbaren Menschen, herrlichen Landschaften und Heiligtümern.

Die Menschen in Nepal sind unserer Meinung  nach etwas ganz besonderes.

Sie sind freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit, witzig, gläubig und unheimlich weise. Wenn man ihnen begegnet, erfährt man stets Freude und Respekt. Das kann von Region zu Region verschieden sein. Man kann die Menschen die vom lauten Stadtbild Kathmandus geprägt sind, nicht mit den Menschen vergleichen die noch wie vor hunderten Jahren in den Bergen leben. Hier gibt es eine Spanne die gewaltig ist.

Die Menschen in Nepal sind arm und doch teilen sie mit dir ihr Essen. Das finden wir ganz besonders bemerkenswert. Wieso können wir das nicht? Es gibt genug Lebensmittel für Menschens Bedürfnisse, doch nicht genug für seine Gier.

Viele eindrückliche und wundervolle Erlebnisse  nehmen wir mit. Unser Herz wird gefüllt mit den bleibenden Erinnerungen an die bewundernswerten Menschen und die atemberaubende Natur… Es waren 2 wunderschöne und unvergessliche Monate, welche wir in Nepal erleben durften.

Nun wünschen wir euch eine schöne, besinnliche Adventszeit! Lasst euch nicht aus der Ruhe bringen! 🙂  Möget ihr viel Licht und Wärme erfahren.

Liebe Umarmung

Samuel und Nora

Hallo unsere Lieben…

Wir haben Euch im letzten Bericht von einem Trek geschrieben. Schliesslich sind wir in Nepal und hier keinen Trek zu machen wäre ja fast eine Schande. Wir nutzten einige Tage zur Vorbereitung und erkundigten uns über verschiedene Treks. 2 kamen in die engere Auswahl. Für uns war im Vornherein klar, dass wir die Annapurnaumrundung nicht machen wollten, da diese völlig touristisch ist-besonders zur jetztigen Jahreszeit.  Auch die Everestregion ist im Moment völlig überfüllt.

Der Besitzer unseres Gasthaus hat uns dann einen Führer empfohlen. Er war früher „Träger“ und nun Guide. Er habe viele Erfahrungsjahre. Wir vereinbarten dann mit Passang (so heisst er) ein Treffen und diskutierten die Vor- und Nachteile über unsere 2 Favoritentreks. Aufgrund der Finanzen entschieden wir uns, für den 1 wöchigen Mardi Himal Trek.

Der Mardi Himal liegt zu Füssen des heiligen Berges Macchrapuchare und ist 5587 m hoch. Passang sagte uns, dass es ein sehr besonderer und untouristischer Trek ist. Wir freuten uns auf die ruhige Zeit in den Bergen und die fast unberührte Natur.

Am Donnerstag, 13.10. am Morgen trafen wir uns mit Passang. Die Rucksäcke vollgepackt mit den üblichen, notwenidgen Dingen und mit viel Zuckerproviant gings los. Zuerst mussten wir ca. 45 min. Bus fahren, wo unsere Wanderung dann los ging. Das einzige öffentliche Fortbewegungsmittel ist der Bus, daher war dieser wieder absolut vollgestopft.

Der erste Teil des ersten Tages war sehr anstrengend, begleitend mit heissen Temperaturen.  Wir bewältigten innerhalb von wenigen Stunden viel Höhenmeter. Der Weg führte über viele steile Steinstufen, durch dichte, schöne Wälder und terrassenähnliche Felder, begleitet mit Vogelgesängen. Der Blick auf den Himalaya blieb uns aber verwehrt.

Als wir am Nachmittag müde in einem kleinen Örtchen ankamen, wo’s gerade mal 2 Lodges hatte und 3 Tische voll mit Süsswaren, freuten wir uns aufs einheimische Essen.  Bei Kerzenschein, diskutierten wir noch lange mit Sherpa über die Probleme Nepals und das Glücklichsein. Passang und ich tranken dann noch einen lokal gebrannten Schnaps, welcher aus einer spannenden Pflanze hergestellt wird.  Er schmeckte gut, den Alkohol spürte man fast nicht. (Gefährlich 🙂 )

Ausgeruht und voller Wanderdrang genossen wir am nächsten Morgen das Frühstück und starteten die 2te Etappe 🙂   Wir wanderten durch kleine Dörfer, welche kaum oder gar nicht berührt sind vom Tourismus. Unsere Anstrengung wurde an diesem Tag belohnt, mit wundervollem Blick auf den Himalaya.  Auch dieser Tag war mit grosser Anstrengung verbunden. Bis wir zu unserem Ziel gelangten, mussten wir keuchend 8 Stunden  aufwärts  viele Meter bewältigen.  Zu meiner Überraschung hörte ich kein einziges Murren von Nora. Sie machte wirklich eine gute Figur (der rote Kopf behielt sie aber trotzdem) 🙂 !!!

Das blaue Wunder erlebten wir dann an unserer Übernachtungsstätte. Es war eine winzig kleine Steinhütte mit modrigen und feuchten Bettlacken, sowie enorm vielen Ungeziefern. Die Spinnen waren riesig und Nora hatte sogar vor dem Schlafen noch Besuch von zwei Blutegeln. Wir beteten das diese Nacht schnell vorbei ging.

Unausgeruht und nicht so erfreut über diese Nacht, assen wir unser Tibetenbrot und genossen einen heissen Tee. Das Ziel an diesem Tag war das High Camp. Wir durchquerten immer noch Dschungel und konnten aber immer wieder einen Blick auf die Bergkette erhaschen. Wir hatten immer ein schnelles Tempo angeschlagen und überholten alle Gruppen die vor uns gestartet waren. Von den Amerikaner bekamen wir zu hören, dass wir sicher in den Bergen leben müssen, wenn man so schnell diesen Berg hochgeht…

Das High Camp war den schweizer SAC Hütten ähnlich und die Temperatur war der Höhe entsprechend  kalt. Die Gegend war nun eher kahl und das Atmen bereitete uns schon mehr Mühe. Das Vorbereiten des Essens brauchte stets viel Zeit, da die Küchenausstattung sehr „primitv“ ist. Wir diskutierten viel mit den einheimischen und den 2 kleinen Touristengruppen.  Auch fliessendes Wasser gabs keins. Es muss alles in Behältern mühsam hochgeschleppt werden.

Auf dieser Höhe sind die Preise natürlich viel saftiger und man bezahlt für ein nepalesisches Dal  das Doppelte als z.B. in Pokhara.

Als wir beim High Camp ankamen, war es neblig und die Sicht auf die wunderschönen Bergen eingeschränkt. Wir hofften sehr, dass wir am nächsten Tag unseren Aufstieg zum Base Camp bewältigen könnten.

Die Nacht war bitter kalt. Eingemummelt in warmer Unterwäsche, Kappe und Handschuhe, lagen wir im Schlafsack und zitterten am ganzen Leibe…. Mein Schlafsack ist, glaube ich, nicht mehr so gut, er ist sich diese Höhe wohl nicht mehr gewohnt…

Um 04.00 Uhr wurde ich aufgrund meines Blasendrangs wach. Als ich ins kleine Hüttchen  ging um mein Geschäft zuverrichten, sah ich den sternenklaren Himmel und wusste, dass an diesem Tag das Glück auf unserer Seite war und wir das Base Camp erreichen könnten! Mehrere Gruppen mussten wieder zurück, da das Wetter sehr schlecht war in den vorherigen Tagen…

Eine Stunde später kamen die 2  Amerikaner, welche wir kennengelernt hatten um uns überglücklich  zu verkünden, dass das Wetter schön und klar sei und unserem Ziel nichts mehr im Wege steht. Wir standen nach Draussen und genossen die wundervolle Stimmung und die Ruhe (es war noch niemand wach, ausser wir 4) und wir schossen viele Erinnerungsfotos.

Schnell einen Tee und Twix verschlungen und Abmarrsch… Der Aufstieg zum Mardi Himal Base Camp war wirklich sehr sehr steil. Die Anstengung war gross, unser Tempo blieb aber hoch, da wir ja wirklich die wundervolle Aussicht auf den Himalaya voll und ganz geniessen wollten.

Der Weg nach Oben war schwierig zu finden-zum Glück hatten wir Passang mitdabei. Die Wege sind nicht gekennzeichnet und man wandert wahrlich über Stock und Stein…

Wow, oben endlich angelangt waren wir völlig beeindruckt von dieser zauberschönen Aussicht auf die Himalayaberge…  Steile Felsen, Schnee, blauer Himmel und keine Touristen. Was für ein perfekter Moment!!!!!! Der Blick auf den Mardi Himal, die Annapurna Familie, Machhapuchhare, Himalchuli usw. war gigantisch!!

Wir waren überglücklich und spürten so viele intensive Gefühle: Dankbarkeit, Glück, Freude, Zufriedenheit, Stolz, Ehrfurcht für die wunderbare Natur… Alles war so ruhig und unberührt. In diesem Moment gehörte die Welt uns 🙂

Der Abstieg (zurück ins High Camp) war nicht Ohne, da’s so steil bergrunter ging. Aber mit Diskussionen, Singen, Lachen, genügend Pausen und Staunen geht doch alles einfacher… Am Ende spürten wir dann unsere Knie doch sehr stark.

Den Rest des Tages und die Nacht blieben wir dann nochmals dort. Wir waren mittlerweile alleine. Die deutsche Touris gingen gar nicht zum Gipfel hoch, da sie wohl zu spät aufgestanden waren und die Nebelschwaden bereits von unten hochzogen…  🙂 Das amerikanische Paar hat nach 3/4 der Wanderung „aufgeben“ müssen, da sie mit Höhenkrankheitssymptomen zu kämpfen hatte.

Am nächsten Tag gings wieder in Richtung runter.  Wir marrschierten durch schöne Wälder, durch Reisterassen und über abgelegene und einsame Hochalmen. Die spektakuläre Aussicht auf die silbernen Bergen, Schluchten, Flüsse und Täler faszinierte uns jede Minute neu…

Sherpa wollte mit uns bis nach Siding gehen. Das ist ein kleines Dörfchen wo man die Einheimischen  beobachten kann beim Kochen in den munzigen Küchen, arbeiten auf den Reisfeldern, diskutieren, Holzarbeiten, beten und einfach das Leben genossen draussen an der frischen (Berg-)luft.

Nora und ich fanden aber, dass wir gut no ein paar Stunden mehr wandern könnten, damit wir an darauffolgenden Tag nicht 8 Stunden marschieren müssten. Sherpa war einverstanden und somit genossen wir in Siding zum Zmittag eine Fertig-Nudelsuppe (Verkaufspreis in Shops 20 Ruppies, wir bezahlten 180/Person :-))

Gestärkt ging der Marrsch weiter. Steil bergab durch dichte Wälder. Natürlich waren unsere Freunde,die Blutegeln, auch immer mitdabei. Sie wurden aber zu einer Plage und besonders Nora war vollgekleistert und  sie war nahe daran, vor Entsetzen den Hang hinunter zusausen… 🙂

Nach langem Marrsch und müden Beinen erreichten wir ein Gasthaus (es sah aber absolut nicht nach Gasthaus aus).  Wir durften im Dachstock dieser Familie nächtigen. Auch hier war’s wieder eine Prüfung. Überall riesengrosse Spinnen mit leuchtenden Augen, welche sich dort frei bewegten.

Der letzte Tag war angebrochen.  Wir überquerten noch einige Hängebrücken

und Wehmütig bewegten wir uns wieder in die zivilisierten Gebiete.

Die Ruhe  wurde abgelöst durch Menschenmengen, Autolärm und bettelnden Kindern. Schön war’s, dass wir die Ruhe und die „heile“ Welt in den Bergen geniessen durften.

Nach einer aufwändigen Waschaktion und einer nötigen Dusche, wurden wir zum Abendessen bei Passang und seiner Familie eingeladen.

Unglaublich… Wir sassen im einzigen Zimmer, welches sie besitzen. So gross wie ein kleines Schlafzimmer. Dort lebt Passang mit seiner Frau und 3 Kindern. Auch die Küche ist dort integriert. Sofa gibts natürlich keins, nur 1 Bett und wir sassen auf kleinen Stühlchen. Um die tägliche Toilette zu verrichten, müssen sie einen Stock runter in den kahlen  Korridor und eine Dusche existiert nicht, sie müssen dafür im See baden gehen.  Für uns unvorstellbar… Passang sagte uns, dass er sich halt schon eine grössere Wohnung wünsche, es sei aber alles so teuer. Auch betonte er mehrmals, dass er aber trotz dieser Mini- Wohnung sehr glücklich sei! Für ihn sei es das höchste Glück, dass es seiner Familie gut gehe und das sei ja so. Also was wolle er mehr?!? Ja, es war enorm schön, diese Worte von ihm zu hören. Er lebt mit dem Minimum und ist glücklich… Viele Menschen sind mit dem Maximum nicht einmal zufrieden…

Eine schöne Woche und davon der letzte Abend ging zu Ende. Passang ist ein spezieller, sehr interessanter Mensch mit guten Ansätzen. Wir legten uns müde und glücklich zu Bett.
Danach startete unser verdienter Erholungstag in Pokhara, mit Muskelkater und müden Beinen. Wir flexten am See, schlenderten von Café’s zu Café’s und assen uns die Bäuche voll…
So, es war Zeit Pokhara zu verlassen und somit machten wir uns am Morgen früh auf die Socken zum Touristenbusbahnhof. Wir trafen dort alles andere als Asien an… Ein Platz von Touristen übersäht und unmengen von Bussen welche startklar in einer Reihe standen. Man sieht, dass Nepal sehr vom Tourismus geprägt ist. Hier ist vieles auf den Westen abgestimmt. Somit sieht man manchmal das wahre nepalesische Leben kaum noch.

Kathmandu war unser Ziel.  Als wir nach vielen Stunden Busfahren endlich ankamen, teilten wir gleich mit einer anderen Touristin das Taxi und fuhren nach Boudha.

Boudha ist etwa 5 km entfernt vom Kathmanduzentrum.  Das grösste Wahrzeichen hier  ist der grosse Stupa mit 36 m Höhe. Dieser gehört zu den weltweit grössten Bauwerken seiner Art und gilt als wichtigster  tibetischer Stupa ausserhalb Tibets.

Wir fühlten uns hier sehr schnell wohl. Es schien alles sehr ruhig und relaxed zu sein. Die Buddhisten hier sind halt wirklich ein gemütliches ruhiges Volk.

Wir fanden ein schönes Hotel welches gerade neben einem Kloster liegt. Somit ist da nichts mit Ausschlafen, die Mönche beginnen immer sehr früh Morgens mit dem Gong, Trommeleien und Gesängen. Aber es ist ein schönes Aufstehen so… 🙂

Zur Abenddämmerung und bei Morgengrauen befinden sich die meisten Buddhisten um den Stupa herum. Dabei kann man beobachten wie sie  ihre „kora“ verrichten, indem sie dem Tempel im Uhrzeigersinn umwandeln und sich auch zu Boden werfen.

In Vollmondnächten werden zigtausende Butterlämpchen auf den Terrassen, welche den Stupa umgeben, entzündet.

Den ersten Tag in Boudha gingen wir langsam an. Wir genossen die Atmosphäre sehr. Alles war so gemütlich und ruhig. Um den Stupa herum hats wunderbare Café’s, welche aber z.T. sehr teuer sind… 😦

Auch hats hier in Boudha um den Stupa herum viele verschiedene Klöster. Wir schauten uns diese an. Hatten mit einigen Mönchen gute Gespräche und hörten ihren senoren Gesängen zu.

Am darauffolgenden Tag entschlossen wir uns, Kathmandu anzuschauen. Wie soll man die Hauptstadt Nepals wohl beschreiben. Chaotisch, einzigartig, Freizeitpark, Müllhalde, heilige Stadt, indische Stadt,Touristenfalle,  Umweltskandal….. Ja, jedes einzige Wort trifft auf Nepals weltoffene Metropole zu… 🙂

In Kathmandu sind verschiedene Stadtteile. Wir besuchten mehrere. Thamel war sehr touristisch. Überall gibts Restaurants mit westlichen Mahlzeiten, Souveniershops zum verblödeln,  gefälschte Trekkingausrüstungen. Thamel erinnert an einen überdimensionalen Themenpark.  Übrigens wurde ich dauernd, aber wirklich Schritt für Tritt von Einheimischen verfolgt und gefragt, ob ich denn nicht Tigerbalsam oder Haschisch kaufen möchte… Nicht? Dann doch lieber Pilzli!?! mmhh, Nora und ich amüsierten uns göttlich!

Auch besuchten wir den Durbar Square. Das ist ein Platz in der Altstadt, wo man traditionelle Architektur und viele Tempel antrifft.

Bevor wir dann tatsächlich einige 100 Rupies bezahlten für den Eintritt, kam ein betrunkener, völlig verbluteter Mann auf Nora zu und sprach verärgert und aggressiv auf sie  ein. Er erhob sogar seine Hand, als wolle er sie schlagen. Den genauen Grund wussten wir nicht, wahrscheinlich war’s, weil sie die Fotokamera in der Hand hielt und er dachte, dass sie eine Foto von ihm machen werde. Ich und noch ein paar andere Männer gingen dann dazwischen und konnten die Situation somit entschärfen. Beamte und der eine Ticketverkäufer kam zu uns und war wirklich sehr um Noras Wohlbefinden besorgt. es ging ihr aber wirklich gut und es ist ja nichts geschehen. 🙂

Wir sahen uns noch einige Sehenswürdikeiten an und freuten uns dann wieder zurück nach Boudha zu gehen.

In Kathmandu könnte man im Übrigen wunderschöne Aussicht auf diverse Bergen haben. Nur ist es leider so, Kathmandu zählt zu den Städten mit der stärksten  Luftverschmutzung der Welt: Verkehr und Abgasnebel in den Hauptstrassen sind entsetzlich.  Die stetig wachsende Zahl an Verkehrsmitteln (Autos, Busse, Lastwagen,Töffe),  Müllhalden, lasche Emissionstests, schlecht gepflasterte Strassen usw. führen dazu, dass die Luftqualität regelmässig höchst ungesunde Ausmasse erreicht.  Es reizt die Lungen, Augen und schwächt das Immunsystem somit…  Auch weiss man, dass es viele Langzeitrisiko verschiedner Gesundheitsprobleme erhöht. Also wirklich nicht ein erholsamer Ort.

Am nächsten Tag machten wir uns trotz Verschmutzung erneut nach Kathmandu. Unser Ziel war unter anderem eine kurze Wanderung nach Swayambhu. Wir mussten ganz viele Treppen bewältigen bis wir oben bei dem Tempelkomplex ankamen. Man hat einen herrlichen Blick auf das Kathmandutal. Dieser uralte Stupa zeigt viele  geschichtliche Hintergründe auf. Ich denke das alles hier aufzulisten würde euch nur langweilen. 🙂

Am nächsten Tag erholten wir uns wieder einmal in Boudha. Richtig gemütlich, Kaffe um Kaffe, Essen um Essen, lesen um lesen…….

Wir waren bereit wieder etwas zu unternehmen. Wir wollten Pashupatinath besichtigen. Pashupatinath (Herr des Lebens) ist Nepals heiligster hinduistischer Pilgerort.  Dieser Ort liegt am heiligen Fluss Bagmati. Es ist ein überwältigendes Gewimmel aus unzähligen Tempeln, Statuen, Pilgern, halbnackten Sadhus… Und es ist vor allem der Anblick der öffentlichen Leichenverbrennungen. Wir verbrachten einige Stunden an diesem heiligen Ort und beobachteten die Badenden, Betenden und trauernden Familien, welche sich um die Ghats versammeln. Wir sahen auch Leichenverbrennungen.

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Die meist in gelbe Tücher gehüllte Leiche wird zu den Verbrennungsstätten getragen, wo ein Scheiterhaufen errichtet wird. Vor der Verbrennung bespritzt man die Leiche mit dem Wasser des heiligen Flusses oder wäscht die Füße im Wasser. Die Leiche wird dann von oben mit feuchtem Stroh bedeckt. Wenn die Familie es sich leisten kann, verwendet man zur Verbrennung neben normalem Holz zusätzlich das kostbare, duftende Sandelholz. Der älteste Sohn umschreitet dann den Scheiterhaufen fünfmal im Uhrzeigersinn, entsprechend der heiligen Zahl fünf, die im Hinduismus die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und den Äther, repräsentiert. Danach zündet er (ersatzweise die älteste Tochter oder ein Priester) mit einem mit Butter getränkten Strohbüschel den Scheiterhaufen an, das er dazu in den Mund des Toten steckt.  Nach etwa vier Stunden ist die Leiche zu Asche verbrannt, die in den Fluss geschüttet wird.

Die Stimmung war für uns schwierig. Sie war vermischt mit heiligen Zeremonien, intimen Prozessen des Abschiednehmens und nebendran Händler die mit Souveniers Geld machen wollten, begleitet alles natürlich von Touristenführungen. Mit gemischten Gefühlen, aber tief berührt verliessen wir dann diesen Ort wieder.

Wir staunten sehr über die Offenheit der Hindus bzgl. des Todes. Viele unserer Vorstellungen, Wünsche und Fragen bezüglich Sterben diskutierten Nora und ich noch lange. Wir schlossen beide daraus, dass wir zu stark von unserer Kultur geprägt sind, um eine solche Offenheit gegenüber diesem intimen Augenblick inderselben Art vollziehen würden.

Die nächsten Tagen verbrachten wir in Boudha. Wir waren krank. Vielleicht hat uns Kathmandu so lahm gelegt!?!  Das heisst, wir hatten eine absolut starke Erkältung, husten, Schnupfen, Nora wieder ein wenig Ohrenschmerzen, Schwächegefühle, Kopfschmerzen und was sonst noch so alles für Symptome dazu gehören.

Am 28.10 mussten wir dann mal wieder unser Hotel wechseln, da es ein Missverständnis gab. Das heisst, es gab ein Kommunikationsproblem von der Hotelseite. Es ist nach wie vor saison in Nepal und besonders schwierig ein gutes  nicht zu teures Hotel zu finden. Wir mussten ca. 8 Hotels abklappern, bis wir dann wirklich ein wunderschönes gefunden hatten.

Am 29.10. waren wir dann wieder ein wenig fitter und somit entschieden wir uns einen Spaziergang zu machen nach Kopang. Dort ist ein buddhistisches Kloster, wo ca. 360 nepalesische und tibetische Mönche und Nonnen leben.

Dort werden diverse Meditationskurse und Unterkünfte angeboten. Viele der „Westelern“ kehren dort für meherer Wochen ein.

Kopang liegt auf einem Hügel, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht auf den Boudha-Stupa und auf Kathmandu (wenn nicht eine Smogglocke darüber hängt) hat. Wir genossen die Aussicht über die Landschaft, die Stille in der Meditationshalle, das leckere Essen auf der Terrasse des Klostercafés und die wunderschön gepflegte Anlage des Klosters.

Beim Eingang des Empfang Büros hing eine Tafel, wo jeweils der Spruch des Tages aufgeschrieben wird. Auch überall auf den Wänden stehen passende und berührende Sprüche.

Am nächsten Tag 30.10. haben wir uns entschlossen die Stadt Baktapur zu besichtigen. Es herrscht eine Mittelalterliche Atmosphäre in Bhaktapurs gepflasterten Strassen und engen Gassen: man sieht Frauen die ihre Wäsche an öffentlichen Wasserhähnen waschen, Männer sitzen in traditioneller Tracht in den überdachten Loggien herum, an der Strasse hockende Bauern bieten Gemüse an und viele Gläubige besuchen die Tempel der Stadt.

Die Stadt gefiel uns sehr. Was uns ein bisschen enttäuscht hat war, dass die westlichen Ausländer 15 US Dollar Eintrittsgebühr für Bhaktapur bezahlen müssen.  Sie sagen, es wird für Renovationen, Sauberhaltung der Stadt, Ausbildungen und soziale Projekte benötigt. Alle bestätigten aber unseren Verdacht, dass dieses Geld von der Regierung eingesackt wird und nicht für das Versprochene eingesetzt wird… Nun ja, wir bezahlten und genossen einen schönen Tag.

Am 31.10. haben wir uns dann in Boudha noch mit Bill getroffen. Erinnert ihr euch noch an Bill? Der Kanadier welcher schon fast die ganze Welt bereist hat und auf dieser Reise immer die selbe Kleider trägt, weil er nur diese mitgenommen hat. 🙂 Wir haben mit ihm die Jeep tour in Indien gemacht…  Es war ein schönes Wiedersehen und wir hatten uns vieles zu erzählen. Er war inzwischen noch kurz in Tibet, dies gefiel ihm aber nicht sonderlich, da die Chinesen überall und alles kontrollieren und mit Waffen umherstehen. Auch muss man ja mit einer Reisegruppe nach Tibet und kann nicht alleine Einreisen. Er war dann mit 32 anderen unterwegs und fand das ganz mühsam…  Bill ist ein toller Mensch und wir genossen den Tag mit ihm. Übrigens hat er nun auch noch neue Hosen und ein neues T- Shirt 🙂

Da wir schon so viele verschiedene Sachen ausprobiert hatten und im asiatischen Raum die Meditation ja sehr häufig praktiziert wird, entschlossen wir uns am  1.11. für 12 Tage einen Vipassana Meditationskurs zu machen. Das ist eine buddhistische Meditationsform, ist aber nicht von religiöser Absicht.  Nora und ich hatten viele und gute Erfahrungen mit dieser so unkomplizierten Methode gemacht. Hier in Asien wird  Meditation sehr stark in den Alltag eingebaut. Es ist eine Normalität und gehört hier ins Leben von den meisten Menschen. Auch wir hoffen weiterhin noch einige Erfahrungen in dieser Richtung sammeln zu können.

Nach der Vipassanameditation sind wir wieder zurück nach Boudha gefahren. Wir gönnten uns ein lockeres, relaxtes Wochenende. Das war genau der richtige Entscheid wieder zurück in die Zivilisation-zum realen Leben zu kommen. Das ist nach einer solchen Meditation in einem abgelegenen Zenter nämlich nicht so einfach… 🙂

Am Montag fuhren wir dann wieder nach Kathmandu auf die indische Botschaft. wir wollten nämlich unser indisches Visa besorgen, damit wir gerade am 1.12. in dieses verrückte aber so faszinierende Land einreisen können.  Aber natürlich geht das alles nicht so einfach wie wir uns das vorgestellt hatten. Diese Bürokratie…. Wir Schweizer haben vor der Abreise  ja ein indisches Visa für 6 Monate gekriegt, mussten aber nach 90 Tagen aus dem Land für 60 Tage (sind eine der wenigen Nationen mit dieser Regel… Weiss Gott weshalb…). Somit sind wir ja wie vorgeschrieben nach 3 Monaten aus Indien gereist und in Nepal angekommen. Ende November sind wir 2 Monate hier. Wir wollten uns das Visa nun bereits holen, damit wir dann bald nach Indien zurück gehen können und uns dabei den östlichen Teil Nepals anschauen könnten. Aber sie stellen uns kein Visa aus, bis diese 2 Monate abgelaufen sind. Wir fragten dann ob sie uns nicht ein Visa ausstellen können vom 1.12.11. Aber klar, das geht natürlich nicht…. Hmmmm… somit müssen wir nun wieder zurück nach Kathmandu Ende Monat auf die Botschaft, dort an einem Tag einen Zettel ausfüllen einige Rupies hinlegen und erst eine Woche später nochmals kommen und den Pass abgeben und einige Stunden später erneut auf der Botschaft erscheinen und dann das gültige Visa im Pass abholen zu können und natürlich nochmals Rupies hinlegen. Ist diese Bürokratie nicht kompliziert?! aber gut, wir sind ja flexibel und akzeptieren das 🙂 Das Touristenvisa verlängern sie einem drum nicht gerne und wenn sie’s tun, dann nur für 10-15 Tage.

Am nächsten Tag am Morgen früh um 04.00 Uhr standen wir auf und machten uns bereit. Wir wollten die Morgenstimmung in Boudha nochmals geniessen. Die vielen Gläubigen die den Stupa umrunden und dabei beten, die vielen Tauben, die Ruhe, die leuchtenden Kerzen und die rituelle Räucher-Opferung. Auch gaben wir eine kleine Spende um die gold-gelben  Farbe an der Stupa neu anzubringen. Sie strahlte danach in neuem Glanz wie Neu :-)))

Am 16.11. fuhren wir nach Patan.  Patan ist die viertgrösste Stadt und liegt im Kathmandutal. Patan bildet  mit Kathmandu eine Doppelstadt. Im Vergleich zu Kathmandu ist Patan ruhiger, weniger hektisch und mehr buddhistisch orientiert.  Während die Einwohner Kathmandus nach Macht und Reichtum streben, sind die Bewohner Patans eher an den schönen Dingen des Lebens interessiert- daher vielleicht auch Zweitname der Region LALITPUR (Stadt der Schönheit).

Wir sahen uns ganz viele verschiedene Sehenswürdigkeiten an und wie fast überall in Nepal mussten wir auch hier Eintritt bezahlen für die Besichtigung verschiedener Plätze, Tempeln usw.

Übrigens wurden wir von einem Nepalesen gefragt ob das stimme, dass die Schweiz keine Polizei habe? Er habe das von verschiedenen Leuten schon gehört. Wir verneinten. Er habe gehört, die Schweiz brauche keine Polizei weil alles sehr friedvoll und ohne Probleme ablaufe… 🙂 Wir schmunzelten und klärten ihn dann auch auf.  Bei uns läuft die Polizei ja sogar durch die Altstadt von Solothurn und schimpft mit jedem, der in einer gewissen Zeit mit dem Velo unterwegs ist… Und hier wird man fast überfahren von den verrückten Töff-, Velorikscha- und Autofahrer… Und die Polizei duldet ja hier auch 3 Personen ohne Helm auf einem Motorrad!?!  🙂

So, nun geht unsere Reise wieder weiter in östliche Richtung. Es ist Zeit neues zu sehen 🙂 Wir sind ja gezwungen wieder zurück zu kommen in die stickige, staubige Hauptstadt Nepals…

Im Übrigen hätten wir gerne von Patan und das obligate Nora/Samuel Foto noch downloaden wollen, doch aus irgendeinem komischen Grund geht mal wieder nichts…  Das nächste mal dann wieder 🙂 Sorry!!!

Liebe Umarmungen und schaut, dass ihr von der schweizer Polizei nicht bei etwas „ilegalem“ erwischt werdet…. 🙂

Nora und Samuel

Welcome to Nepal…

Soseli, hier sind wir mal wieder und ihr könnt wieder neues von unserem Asienleben lesen.  Das Blog schreiben ist nicht immer einfach. Manchmal verrutschen die Zeilen einfach so, der Stromausfall hier in Asien ist Alltag, das Downloaden der Bilder geht ewigs, die Internetverbindung könnte langsamer nicht sein. Ja, manchmal verlieren wir fast die Nerven und nach Stunden Arbeit, senden wir halt den Blog dann doch in die Öffentlichkeit und ihr lest und seht dann halt die „Fehler“…  Tut uns leid… Nun gut, zurück zu unserem Geschehen…

Unsere Weiterfahrt ging mit dem Bus weiter nach Mussoorie, am 22.9. Sofort bemerkten wir, dass das Ashram-leben zwar einen Teil Indiens ist, jedoch nicht der grösste. Kaum waren wir am Bahnhof angekommen, ging das reale Strassenleben wieder los. Alle schauten uns an, jeder hatte Hundert Fragen an uns, wir bezahlten mehr als die Einheimischen, die Armut war sichtbar usw. die Ruhe war vorbei… 🙂

Die Fahrt nach Mussoorie verlief ohne spezielle Angelegenheiten.  Mussoorie ist eine Hillstation welche auf 2000 m ist und von den Briten  erbaut wurde.  Wir suchten uns ein Hotel und fanden eines, welches  zwar nicht  wirklich sehr schön war, jedoch war innen alles mit hellem Holz gebaut. Es  erinnerte uns fast ein wenig an ein schweizer Chalet-zimmer…   Der Standard  war natürlich nicht schweizerisch (z.T. kein fliessendes Wasser, Fenster die  nicht geschlossen werden konnten….)Die Aussicht aus dem Fenster war schön,  wunderschöne Hügel links und rechts…. Wir spürten Heimatgefühle 🙂

In Mussoorie sieht man Armut und Reichtum am selben Ort. Man sah diverse Menschen die einer tieferen Kaste angehörten. Sie schleppten sehr schwere Materialien meterweise und nebenan sieht man die höhere Kaste, welche sich im Luxusrestaurant ein fettes Menu genehmigte…  Mit dem Kastensystem haben wir grosse Probleme und es tut weh zu sehen, was die Menschen aus einer tieferen Kaste
alles leisten müssen und von den anderen Menschen gar nicht wirklich geschätzt  und anerkannt wird. Samuel ist dann immer sehr freundlich und hilft einem, welcher mit Unmengen von Kilos auf dem Rücken versucht vom Boden aufzustehen. Oder er hilft mit, einen schweren und  vollbeladenen Schubkarren zu stossen. Sie  haben dann stets grosse Freude und bedanken sich.

Samuel und ich beobachteten auch, dass in Mussoorie sehr viele indische Touristen sind, welche sich austoben möchten. Sie trinken viel Alkohol, essen enorm viel Fleisch, Rauchen eine nach der anderen und die Frauen tragen Miniröcke-kürzer könnten sie nicht mehr sein… Dieses Bild der indischen Gesellschaft war  für uns eher fremd.

Am Freitag, 23.9. machten wir  eine Wanderung. Anfänglich war kein Nebel vorhanden, somit hatten wir einen  schönen Blick auf ein Tal und auf die weissen Gipfel des Himalayas.

Auch am nächsten Tag hatten wir eine kurze Wanderung gemacht, diesmal in die andere Richtung von Mussoorie. Im Lonely Planet hatten wir zuvor noch gelesen, dass es einen schönen Uhrenturm gäbe zur Besichtigung. Wir wollten ihn auch sehen. Als wir laut Kartenbeschrieb am richtigen Ort standen, sahen wir keinen Uhrenturm. Ein älterer Mann erzählte uns dann zugleich, dass unser gesuchter Turm gar nicht mehr existiere. Genau, wir sahen ein grosses Loch im Boden und Arbeiter, welche schweres Gestein hin und her fugten. Nun gut, vielleicht wenn wir nächstes Mal in Indien sind, treffen wir einen atemberaubenden, farbigen, wundervollen und mächtigen Uhrenturm an… hahaha!

Am Abend war es dann soweit, für Samuel gab’s ein Highlight. Da die Temperaturen eher kühl (halt wie CH- Temperaturen) waren, entschloss er sich, endlich nach 3 Monaten einmal Joggen zu gehen. Wow!!! Er  genoss es sichtlich und freute sich riesig darauf. Ich als eher unsportliche entschied mich für Skypen mit meiner Familie 🙂

Samuel sagte mir, dass er nach dieser Runde doch schwache Beine und  Muskulatur
verspüre und auch ein leichtes Brennen in der Lunge. Es sei ein komisches Gefühl gewesen. Jedoch ist er nun noch viel motivierter sich bald wieder seine Schuhe  anzuschnallen und loszurennen.

Nach diesem Tag freuten wir uns auf’s Bett. Kurz vor dem Einschlafen hörten wir aber ganz lautes Hundebellen. Sicherlich waren es ca. 10 Hunde die ihre Stimme prüften… Hmmm… Kurz darauf ging der Kanon los, zum Hundegebell hörten wir dann, dass mehrere Leute vor unserem Hotel einen Lieferwagen leerten und somit sehr viele Eisenstangen auf den Boden warfen. Weiss der Kuckuck weshalb dies nach 22.00 Uhr noch notwendig war… Wir konnten bei diesem saumässigen
Krach natürlich nicht schlafen. Wir ärgern uns nicht mehr über solche Dinge.
Wir schauen uns dann immer an und beide sagen: „ das isch ebe Indie…“   Samuel stand dann irgendwann auf und holte aus seinem Rucksack Ohropax. Perfekt. Samuel und Nora schliefen wie Engelchen 🙂

Am morgen früh ging‘s wieder los. Laute Musik, Geschwätz, Telefonate, Hundegebell, diverse Hindu Gebete mit Glockenläuten, Gesänge und ein Moslem der vom Minarett zum Gebet aufrief…

Nicht sehr ausgeruht aber motiviert entschieden wir uns am Sonntag, 25.9. eine lange Wanderung zu machen. Es war ein anspruchsvoller  Weg zu einem
Tempel auf dem Benog Hill. Unsere Füsse trugen uns ca. 24 km durch dichten Wald
(fast Urwald) auf schmalen Wegen. Wir genossen die Ruhe.

Weit und breit keine Wanderer, zwischendurch kreuzte uns ein Einheimischer auf dem Töff.  Die Schwierigkeit bestand darin, dass in Indien wenig angeschrieben ist.
Es sind keine gelben, dreieckigen Wanderwegsignale  vorhanden. Man muss einfach mal Wandern auf Gut Glück.  Die Natur war wunderschön und wir staunten ab jeder Kleinigkeit.

Wir sahen Vogelarten welche wir noch nie zuvor gesehen hatten, wir hörten den vielen verschiedenen Geräuschen zu…  Alle unsere Sinne waren offen für den Zauber
der Natur. Wir hatten bei einer  Stelle das Gefühl, das wir Schlangen begegnen könnten, deshalb sprachen wir laut oder stampften stark  auf den Boden zur
Verscheuchung dieser Tiere. Besonders ich war ein wenig ängstlich, da ja kurz zuvor im Ashram eine Kobra ihr Unwesen trieb.

Auf dem Hügel wurden wir dann mit einem kleinen Tempel belohnt. Wir hatten uns einen kurzen rast verdient, danach ging‘s wieder steil bergab.

Phuu, es war ein anstrengender Tag. Samuel hatte Muskelkater (das chunt haut vom Jogge) und ich hatte eine Blase am Zeh (das chunt haut dervo wenn me immer nur d Flip flops a het).

Am nächsten Tag verliessen wir Mussoorie wieder.  Als wir den Hügel runter fuhren nach Dehra Dun, hatten wir einen wirklich üblen Buschauffeur. Diese kurvige Strasse war von sehr schlechter Qualität, der Fahrer raste, überholte an gefährlichen und unmöglichen Stellen andere Fahrzeuge und nahm überhaupt keine Rücksicht auf die Mitfahrer. Ein alter Mann, welcher Mühe hatte mit Gehen fiel fast zu Boden, weil der Buschauffeur bereits losraste bevor der Mann seinen Platz einnahm.  Auch unsere
Sandwichs konnten wir nicht einmal richtig essen. Es wurde uns eher schlecht davon. Normalerweise hätte man für diese Strecke ca. 60 min. Wir waren in 40
min. unten angelangt. Wir hatten ja nun schon einige Busfahrten erlebt, aber diese Fahrt war wirklich Horror…   Gott sei Dank sind wir heil in Dehra Dun angekommen. Dort mussten wir 3 Stunden auf den nächsten Bus warten. Die  Fahrt ging weiter nach  Nainital.  Uns erwartete eine 12 stündige Busfahrt durch die Nacht. Wir merkten dann aber schnell, dass wir ein bisschen aus der Übung gekommen sind. Die letzten Reisen waren entweder mit dem Zug und da konnte man schlafen, oder mit dem tagsüber mit dem Bus welche nur von kurzer Dauer waren. Man spürt es dann halt doppelt, wenn man sich mehrere Wochen sehr angenehm (für indische Verhältnisse) fortbewegt hat. Diese Fahrt war somit verbunden mit Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen und Sehnen nach einem Stopp oder Endziel. Das einzig Positive an dieser Fahrt war der super freundliche Kontrolleur und ein sehr professioneller  Buschauffeur der sicher und vorallem nicht so schnell fuhr.
Unser erster Stopp war  wieder eine neue Erfahrung und zeigte uns, dass man nicht nachlässig werden soll.  Das Gepäck im Bus gelassen, stiegen wir aus und wollten uns auf unseren lieben Chai stürzen. Schnell wurden wir dann darauf hingewiesen unser Gepäck nicht aus den Augen zu lassen (es soll an diesem Ort viele Diebe haben).  Tatsächlich schlichen diverse Menschen um den Bus und zeigten Interesse an  unserem Gepäck. Ich war die Wache und mit meinen Adleraugen beobachtete ich alles ganz genau.  An diesem Ort war es mit nicht so wohl. Aller schauten mich an und es wurden vor allem nonverbale  anzügliche Bemerkungen gemacht. Dieses Erlebnis zeigte mir wieder einmal mehr,  wie anstrengend es ist, alleine als Frau in diesem Land zu reisen.

Früh am Morgen um 5 Uhr erreichten wir dann Nainital. Wir waren froh endlich am Ziel angelangt zu sein. Das erste Bild, dass wir erblickten war der schöne See von Naintal.

Zu unserer Verwunderung sahen wir aber noch einen für uns ungewohnten Anblick. Joggende Inder und sportreibende ältere Damen und Herren. Samuel hatte seine Freude bei diesem Anblick. Naintal ist eine sportliche Stadt und hält sich fit. Wir haben aber auch das Gefühl, dass die Inder vor allem morgens Sport treiben. Dann ist es noch ruhig und die Strassen sind frei. Wir haben auch von diversen Einheimischen gehört, dass man den Morgen zwischen 4-6 nutzen sollte, da in dieser Zeit am meisten Energie vorhanden ist.

Nainital liegt auf 1938 m und ist um einen tiefen grünen Vulkansee herumgebaut. Auch diese Hill Station wurde von Briten erbaut. Wir waren wieder einmal begeistert von diesem schönen Rückzugsort weit weg vom restlich pulsierenden Indien.  Nach dem Einchecken in ein Hotel vereinbarten wir mit dem jungen Mann 2 Nächte an diesem Platz zu bleiben. Wir waren froh so ein Schnäppchen gefunden zu haben, denn die Preise für die Zimmer sind überdurchschnittlich hoch in Nainital. Es ist halt eine Hill Station und sehr touristisch. Wir genossen den Tag und am Abend sagte uns einer vom Hotel, wir müssen raus.  Es folgten Diskussionen, aber wir konnten nichts dagegen tun, wir mussten aus dem Hotelzimmer, da der eine Angestellte bereits eine andere Reservation angenommen hatte. Supi, so wurde uns bewusst, dass wir am nächsten Tag ein neues Hotel suchen mussten.

Am nächsten Morgen (28.9.) besuchten wir am frühen Morgen zum ersten Mal eine kath. Messe. Mit uns waren noch 3 junge Männer- kein Wort hatten wir verstanden,  alles war auf Hindi. Trotzdem war es eine sehr spannende Angelegenheit für uns.

Nachdem wir uns mit einem Chai gestärkt hatten, wussten wir, dass wir uns nun auf Hotelsuche machen mussten….

Wir rechneten mit  enormen Preishöhen.  Im Lonely Planet- unserem treuen Begleiter- sahen wir, dass Nainital sogar eine Jugi hat. Diese wollten wir uns anschauen, da die Preise dort natürlich eher tief waren. Die Jugi war eine längere Distanz entfernt vom Zentrum und  wurde an einem Hügel gebaut.  Die Zimmer waren auch nicht wirklich nett. Somit sagten wir ab und gingen zurück ins Zentrum. Relativ rassig fanden wir dann ein anderes Hotel. Es war zwar deutlich teurer, jedoch
wirklich auch schön und gut gelegen.

Nach der Hotelzüglerei  entschlossen wir uns, den Bergzoo von Nainital zu besuchen. Es  hat dort diverse Vogelarten, einen Schwarzbär, Leoparden, Rehe, Tiger, Hirsche usw.

All diese Tiere sind aus dem Himalayagebiet. Der Zoo war eher einfach und kaum zu vergleichen mit dem Basler- oder Zürizoo 🙂

 

Am Nachmittag endschieden wir uns auf dem See Pedalo zu fahren. Das war ein Spass. Wir haben noch einen sehr grossen toten Fisch gesehen, welcher auf der Wasseroberfläche schwamm.

Gesättigt von diesem Tag mussten wir uns also dringend eine Verschnaufpause im  Café coffee day gönnen. Seit wir in Indien sind ist das unser Stammlokal. Jedoch ist es teuer und Luxus, aber es bietet erstklassigen  Cappuccino und Eiscafé.

Zurück in unserem Gästehaus wollten wir uns auf der Dachterrasse ausruhen und einen Tee trinken. Typisch für Indien, wurden wir natürlich nach kurzer Zeit schon vom Chef angesprochen. Man ist halt eben nie alleine. Es ist langsam normal und wir haben uns schon daran gewöhnt. Es gehört hier zur Kultur, dass man den Austausch fördert und überall und mit jedem einen Schwatz hält. Wir wurden dann herzlich in sein Musikzimmer eingeladen, wo er uns ein Whiskey zeigte, den er gerne konsumiert  es ist nicht üblich das Hindus Alkohol trinken). Mit seinen Songs auf der Gitarre die er durch seine Stimme begleitete, forderte er mich auf doch zu tanzen. Ich wollte das in diesem Moment aber nicht. Ich kannte ihn ja erst seit 10 Minuten und ich war nicht gerade in Tanzstimmung. Weil ich keinen Tanz vorführte und er dadurch das Interesse verlor, wechselte er auf philosophische Themen um. Es war lustig mit ihm, doch hatten wir nach einer gewissen Zeit genug. Interessant ist, dass ich es noch
nie im Arbeitsalltag einen Chef gesehen hatte, der so viel Zeit mit Gästen verbrachte ohne zu arbeiten.

Später sind dann noch um den See gelaufen. Man kann ihn so ca. in einer Stunde umrunden. Auf unserem Spaziergang sahen wir in einem Tempel  ein spezielles Feuerritual.
Es ist immer wieder spannend diesem fremden Brauch zuzusehen. Manchmal haben
wir das Gefühl  100 Jahre in der Vergangenheit zu leben, wo noch Tiere geopfert  wurden um die Götter zufriedenzustimmen.

Der nächste Tag bestand dann nur noch aus relaxen und bei einem Chai die Sonne zu geniessen.  Der Bus zur Weiterfahrt nach Banbasa  fuhr um 13.00 Uhr ab los.

Banbasa erreichten wir dann am späten Nachmittag. Es ist ein kleines Dorf, welches nicht viel zu bieten hat ausser Märkte mit allerlei Essen und ein paar Hotels. Es liegt noch auf indischen Boden und ist 5 Kilometer von der nepalesischen Grenze entfernt. Wir wussten, das würde unsere letzte Nacht auf indischem Boden sein. Nach einem Znacht gingen wir in unser Zimmer. Oje, zu meinem Schrecken, verfügte dieses
Hotelzimmer über enorm viele Mitgesellen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Tierchen wir angetroffen hatten… Mmmh,  Samuel war mein Retter. Jedes einzelne krabbelnde Tier hat er lebendig aus dem Zimmer gerettet.

Manchmal auch ein wenig mit einem mulmigen Gefühl. Das Problem ist, dass wir hier Tiere sehen, welche wir noch nie gesehen haben und somit auch nicht wissen ob sie stechen, beissen, gefährlich sind, Krankheiten übertragen und und und…Ich
war froh, als wir am morgen früh dieses Abstellkämmerli verlassen konnten. 🙂

Von unserem Hotel fuhren wir ca. 5 km mit einer Fahrradrikscha. Er brachte uns soweit er durfte an die nepalesische Grenze. Danach mussten wir noch mehrere km mit unseren schweren Rucksäcken marschieren. Der Weg führte über eine Brücke, der Fluss teilte die 2 verschiedenen Länder.

 

Als wir dann endlich bei einer Hütte ankamen, wo Office drauf stand, dachten wir, nun endlich in Nepal und jetzt können wir das Visum ergattern. Der Angestellte sagte uns dann aber, dass er nur einen Stempel in unseren Pass machen müsste, dass wir jetzt aus Indien ausreisen werden. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie lange es dauerte bis  er diesen Stempel machte. Natürlich geht alles viel länger und man schwätzt ja noch mit allen  Leuten, die vorbeikamen.

So, der Marsch ging weiter, bis wir dann endlich auf nepalesischer Seite angelangt waren. Die Visa erhielten wir relativ rassig und somit stand uns nichts mehr im Wege definitiv in das Land einzutreten.  Wir freuten uns darauf. Was wartet wohl in Nepal alles auf uns?!?! Den ersten Kontakt mit Nepal und Essen machten wir an der Grenze. Freundlich wurden wir empfangen und hungrig wie wir waren, bestellten wir das einzige Menu das es gab. Als es dann endlich kam, bemerkten wir, dass es Ziegenfleisch mit Sauce und Chapati  gab. Uns wurde nichts von einem Fleischgericht gesagt. Für mich als Vegetarierin war dies ein bisschen enttäuschend und  auch Samuel hatte nicht besonders Freude daran, dieses (wer weiss wie) zubereitetes  Fleisch zu verspeisen. Mit noch hungrigen Mägen  verliessen wir das Lokal. In diesen Momenten spürten wir schon, dass Nepal sicher liberaler ist als Indien was das Essen anbelangt… Schliesslich gabs in Indien sehr wenig Fleisch und meist Chicken. Normalerweise kriegt man bei Bestellung nur vegetarisch, deshalb gingen wir davon aus, dass dieses Mahl auch vegetarisch sein wird. Aber nix da…

Nepal ist die Wasserscheide Asiens. Das –zwischen Indien und Tibet liegende- Land, reicht von subtropischem Dschungel bis zu den eisigen Höhen des Himalayas.  Zehn der höchsten Berge  der Welt gehören ganz oder auch nur teilweise zu Nepal.

Die Kultur ist auch sehr vielfältig. In diesem kleinen Staat werden 50 Sprachen und Dialekten  gesprochen, in dem sich Hinduismus und Buddhismus mit Naturverehrung und Schamanismus verflechten.

Nepal wurde übrigens nie kolonisiert und somit werden wir wohl keine, von Engländer gebauten Kirchen, Schulen oder ganze Ortschaften antreffen wie in Indien.  Eine Schattenseite ist aber auch, dass Nepal bis vor kurzem  immer von seinen
übermächtigen Nachbarn abhängig war.

Als wir dann über die  indisch-nepalesische Grenze eintraten, fuhren wir mit dem Bus in das Dörfli Ambasa. Während der Fahrt gab’s regelmässige Stopps weil die Polizei und Armee  diverse  Checks machte, ob jemand vielleicht einen Feuerkörper oder gar eine Bombe bei sich hat. Unsere Taschen hatten sie nie sehen wollen. Wahrscheinlich sehen Samuel und ich wirklich nicht nach Terroristen oder ähnlichem aus. Gutes Gefühl. :-)Nein, man sagt, dass sie die Touristen meist in Ruhe lassen, denn wenn sie etwas falsch machen würden bei uns und wir dies an eine höhere Stelle rückmelden würden, könnten die Angestellten den Job verlieren und grosse Probleme kriegen.  Als wir aus dem Bus stiegen sahen wir 3 kleine Holzhütten bei denen Pommes – Chips und ähnliches verkauft wurde. Das war also Ambasa. Gut wo werden wir schlafen? 🙂
Wie in Indien standen wir aber nicht lange alleine und mehrere junge Männer wollten uns für ihre Gasthäuser  anwerben. Wir entscheiden uns dann für eins,
welches im Dorf  Thakurdwara war. Die Lage ist nah beim Bardia National Park welchen wir besuchen wollten am nächsten Tag.  2 junge Männer nahmen uns dann auf ihre Töffe. Jösses, kommt das gut??? Diese Frage schwirrte in meinem Kopf
herum. Diese enormen holprigen Strassen und wir hatten ja unser ganzes Gepäck
bei uns. Das ist nicht gerade ein Fliegengewicht…

Die ca. 5 km lange Fahrt verlief schlussendlich nicht schlecht und wir kamen heil in diesem Dschungelresort an. Wow!! Abgelegen von der Zivilisation tief in der Natur. Wir konnten uns entscheiden ob wir in einer  aus Lehm gebauten Hütte schlafen möchten oder in einem Zelt. Samuel und ich entschliessen uns fürs Zelt, mit der Open Air Dusche und WC. 🙂

Wir waren völlig begeistert und erst als es dunkel wurde sagte ich zu Samuel: „ chani di immer wecke wenni ir Nacht ufs WC muess, evtl. wartet jo e grossi Spinnele oder e giftigi Schlange uf mi.“ Er sagte wie immer lieb und geduldig: „ jo das cha guet si, das du die Tier atriffsch, aber darfsch mi sicher wecke.“  Ich war beruhigt über seine Aussage. Aber doch liess mein Stolz es nicht zu, ihn zu wecken. Oder vielleicht dachte ich, wenn Samuel nun so schön schläft und träumt muss ich ihn ja nicht stören… 🙂

Am nächsten Morgen gingen wir sehr früh mit einem Guide und bewaffnet mit einem grossen Stock in den  Bardia National Park.

Bewusst haben wir diesen ausgewählt, weil dieser noch nicht so touristisch ist wie andere hier in Nepal.  Wir liefen wirklich kilometerweise und haben nicht einen einzigen Touristen angetroffen.
Die „Wanderung“  führte uns durch Schlamm, sehr hohes Gras, Wald, auf Steine einem Fluss entlang, durch dichte Gebüsche, über eine schwankende Hängebrücke…

Alles war sehr beeindruckend und wir waren immer sehr gespannt welche Tiere wir sehen würden. Bei jedem Geräusch waren wir still und horchten… Wir sahen  Krokodile,

eine der giftigsten Schlangen,diverse Rehe, Affen, gefährliche Nashörner,

 

Wildschweine, viele verschiedene Vogelarten usw… Tiger und wilde Elefanten haben wir leider nicht gesehen. Nur die frischen Fussabdrücke welche sich im Schlamm sichtbar machten.

Was uns nicht gefiel waren die üblen Blutegel. Diese „Blutsauger“ klebten an uns überall… An den Kleidern, Schuhen und sogar unter den Kleidern an den unmöglichsten Körperstellen. Zum Glück haben wir gute Schmerzrezeptoren und wir spürten das Saugen. Wie auf Nadeln suchte ich immer nach all den wurmähnlichen Tieren.  Am Stock, welchen wir mit dabei hatten, war ein kleines Bündel  angebracht. Es war mit Salz gefüllt. Somit konnten wir  stets nach dem Ansaugen der
Blutegel  das Salzbündel fest an sie drücken und dann entfernen. Man kann sie mit Salz oder auch mit einem Feuerzeug entfernen. Ja, sie ekelten uns schon ein wenig und sie hinterliessen am ganzen Körper  Pünktchen oder Blutspuren.

Ich frage mich in solchen Momenten manchmal, ob der liebe Gott wohl will, dass ich den Ekel  gegenüber all diesen Tieren ablegen muss. Falls ja, ich denke er wird’s erreichen, denn hier muss man sich mit Tieren anfreunden, welche wir in der Schweiz gar nicht sehen.  Und Samuel erwähnt auch immer, dass ich schon Fortschritte gemacht habe. 🙂

Am Abend waren wir völlig müde von der Hitze, dem langen Gehen und dem Suchen und Bekämpfen der Blutegel.

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen bereits wieder weiterreisen,

jedoch entschieden wir uns dann für einen Relax-tag. Wir schliefen lange aus,  machten einen kurzen Spaziergang, assen nepalesische Gerichte und lasen sehr viel.

Erholt konnten wir dann am Tag darauf  (4.10.) weiterreisen. Wieder mit dem Töff und unserem Gepäck brachte uns  der Hotelbesitzer zur Busstation. In Nepal gibt’s keine Züge, somit ist man Gezwungen in die vollgestopften und unbequemen Busse zu sitzen.  Der schlechte Zustand der Strassen ist ein grosses Problem. Busse kommen oft nur sehr langsam voran und jede Weiterreise raubt enorm viel Zeit.  Somit waren wir wieder einmal mehr einen ganzen Tag im Bus. Das Highlight war ja aber ganz klar
die Mitgefährten. Mit uns und anderen Menschen waren noch 2 Hühner, eine
Ziege  und einen Hund. Alle lagen natürlich gerade bei uns. Die Ziege legte den Kopf mal zu Samuel auf die Füsse und nach rassigen Kurven lagen auch die Hühner unter unseren Sitzen.  Ach Gott, das war amüsant. Ein Wunder, dass wir nicht noch unsere Sitze mit Schlangen und Kühen teilen mussten… 🙂

Phuu, als wir dann in unserem Wunschziel Lumbini ankamen,  fanden wir auch gleich auf Anhieb ein schönes Guesthouse.  Es wird von einer sehr freundlichen Familie geführt, welche sehr auf das Wohl der  Gäste achten.

Schnell bemerkten wir, dass ein grosses Festival in ganz Nepal war und die Leute sind am Feiern. Alle Läden und Banken haben geschlossen, sogar die Restaurants, es wird gesungen und die Einheimischen haben dann ein richtiges Familienfest, wobei die Eltern ihren Kindern, Grosskindern usw.  eine Segnung sprechen und ein Zeichen auf die Stirn setzen.  Überall war Musik und viel Lärm zu hören.   Genau vor unserem Zimmer wurde auch eine Bühne aufgestellt und von morgens um 06.00 Uhr bis nachts um 24.00 Uhr wurden Gebete gesprochen oder gesungen. Samuel und ich waren manchmal froh über den Stromausfall, den es auch in Nepal regelmässig gibt. Somit verstummte der Sänger, welcher lauthals ins Mikrophon brüllte…

Lumbini kennt ihr vielleicht? Das ist für eine Milliarde Buddhisten der Welt, ist es der Ort an dem alles begann. Buddhas Geburtsort ist die historisch bedeutendste Stätte Nepals.

Erstaunlicherweise trafen wir im Lumbini Zentrum wenige Buddhisten, es waren  mehr Hindus anzutreffen.

Am nächsten Tag (5.10.) gingen wir in ein gemütliches Restaurant frühstücken. Als wir bezahlten und unser Rückgeld  erhielten, sahen wir, dass der Typ uns doch tatsächlich Plastikgeld übergab. Wir reklamierten natürlich gleich, wir wollen dieses Geld sicher nicht.  Er lächelte frech und sagte nur in Nepal  sei das kein Problem, das nehme schon jemand. Wir blieben aber hart und sagten,  er solle somit das Geld behalten und anderen weitergeben, wenn das ja anscheinend kein Problem sein sollte es weg zu kriegen.  Er äusserte sich nicht dazu und wir erhielten frische und echte Noten.

Auf unserem Tagesprogramm stand der heilige Garten, welche sämtliche  archäologischen Schätze beherbergt, die mit Buddhas Geburt in Verbindung gebracht werden.

Im heiligen Garten sollte Buddha geboren sein und kurz nach seinem Tod wurde dieser Ort als heilig erklärt worden.  Die Archäologen fanden  einen rotbraunen  70 cm langen  Markierungsstein, welcher  König Ashoka  an der genauen Stelle von Buddhas Geburt platziert haben soll.  Dieser ist nun in kugelsicherer Glasvitrine.

Auch war die Ashoka-Säule gleich in der Nähe, das ist Nepals ältestes Monument.  Das Herzstück des Heiligen Gartens ist aber der Tempel Maya Devi Mandir, dessen
Ziegel auf etwa 300 v. Chr. Zurückgehen. Somit ist er Nepals ältestes Bauwerk.
Das Originalmauerwerk wurde im Jahre 2003 restauriert und  mit schlichtem Bau umgeben.

Zudem hat’s in dieser ruhigen Anlage diverse Tempel, welche wir uns auch  anschauten. Es war fast ein Schönheitswettbewerb welcher der schönste Tempel  gebaut hatte.

Am Abend wurden wir dann von  unserem Hotelbesitzer zum Essen eingeladen. Seine Familie kochte auch für  Samuel und mich. Es gab eine klassische nepalesische Spezialität… Mmmhh, lecker  war‘s…  Ihm war sehr wichtig, dass wir  als Schweizer  die nepalesische Kultur  ein wenig besser kennenlernen können. Das sagte  er uns immer und immer wieder.

Nach dem Essen sassen wir dann  mit einer deutschen Familie noch lange draussen auf der Terrasse und  diskutierten über Gott und die Welt. Die Eltern sind ca. 35 Jahre alt und  ursprünglich aus Deutschland, leben aber seit 11 Jahren nun in England. Sie  haben 2 kleine, zuckersüsse Kinder. Die Frau ist Archäologin und arbeitete  mehrere Male in Afghanistan, Pakistan, Iran und Indien. Sie ist war schon als  junge Frau viel auf Reisen und nun zog es sie mit der ganzen Familie weg. Sie
werden ca. 10 Monate unterwegs sein. Es war sehr spannend mit ihnen die Zeit zu
verbringen und immer mussten wir sagen Chapeau, wie sie das mit diesen 2  Kindern gut meisterten.  Indien mit  Kindern ist ja wohl nicht so einfach und  Nepal auch nicht…  🙂

Am  6.10. wollten wir eigentlich ein Velo mieten. Lumbini mit dem Radl besser kennenlernen. Da wir aber auf Grund des  Festivals lange ein Restaurant suchen mussten  (weil alles geschlossen war) und wir nach dem Frühstück wieder mit den
deutschen Kindern Zug fahren und andere Sachen spielten und lange Gespräche
führten mit deren Eltern, wurde es zu spät. Somit entschlossen wir uns alle  zusammen zum lokalen Festival zu gehen. Es wurde auf einer Bühne ein Drama
nachgespielt. Es geht um den Konflikt zwischen Göttern und Dämonen.

Es war sehr amüsant. Wir verstanden ja nichts,  aber die Hauptdarsteller  präsentierten sich in farbigen, glitzernden Kleider  und sie waren sehr stark geschminkt.  Die  Organisation liess aber zu wünschen übrig…  Die am Boden sitzenden Zuschauer wurden von der einen Ecke zur  anderen geschickt  und wieder zurück. Es war ein Vergnügen dem  Ganzen Schauspiel zuzuschauen… 🙂
Und besonders die Kinder hatten den Plausch…

Am nächsten Tag ging die Reise wieder weiter. Wir standen wie abgemacht um 05.45 (die Zeit mit den aggressivsten Moskitos) bereit, um abgeholt zu werden  um zu einer Busstation gefahren zu werden. Unser Ziel war Pokhara.

Ach diese Busfahrt war wieder mal ganz schlimm. Die schlechten Strassen, die schmalen Sitzen, der vollgestopfte  Bus. Wir machten keinen einzigen Halt. Nicht zum Essen und zwischendurch wäre auch eine Pinkelpause notwendig gewesen…. Unsere Rettung  war dann am frühen Nachmittag die Panne.
Plötzlich machte es Päng und der Reifen platzte. Weit und breit aber nichts zu
essen, jedoch konnten wir zumindest mal Pinkeln…

Als die Fahrt dann wieder sicher weiterging, klopfte es erneut… Der Fahrer hatte wohl auch ein wenig Hunger, er streifte mit einer rassigen Geschwindigkeit einen Felsen. Eisenstangen waren  völlig verbogen und fielen sogar ab. Da das Ereignis natürlich genau auf  unserer Höhe passierte, konnten wir danach das Fenster nicht mehr schliessen.  Geröll kam in hohem Bogen daher und überschüttete mich und den hinter mir fast vollkommen. Minime Kratzer blieben  zurück, sonst war glücklicherweise nichts geschehen.  Um etwa 17.00 Uhr kamen wir dann mit einem
Loch im Bauch in Pokhara an.  Endlich geschafft. Auch diese Fahrt bleibt uns nicht in liebender Erinnerung!!

Wir fanden dann relativ schnell wunderschönes Gasthaus. Es wurde neu gebaut. Wir hatten wohl noch nie ein solch sauberes Bad gehabt…  Die Leute  sind sehr herzlich und zuvorkommend. Es gefällt uns hier…

Am 8.10. gingen wir am Morgen nochmals zu einem Arzt. Ich habe noch immer, oder wieder linksseitige Ohrenschmerzen. Mir war wichtig, dass ich nun zu einem Arzt gehen kann, welcher  Ohrinstrumente besitzt und nicht nur mit der Taschenlampe ins Ohr zündet. Was  soll man so sehen!?!  Wir fanden einen  wirklich guten. Und tatsächlich untersuchte er mich sehr seriös und kompetent.  Ja, ich habe eine Mittelohrentzündung. Es kann sein, dass die erste gar nie richtig abgeheilt war oder nun bereits eine zweite in Anmarsch ist. Auf alle Fälle verordnete er mir wieder eine Palette von Medikamenten welche ich nun einnehmen mustes inkl. Ohrentropfen. Und nach 5 Tagen wollte er mich wieder sehen und kontrollierte die Ohren. nun ist alles wieder perfekt. Die Konsultation war teuer. Im Vergleich zu den andern… 🙂

Nach dem Arztbesuch wollten wir noch ein Museum besuchen. Jedoch war auch
dieses geschlossen. Wir liefen durch die Stadt Pokhara. Uns  gefällt sie gut. Der Kontrast dieser Stadt ist deutlich, ein üppiges Tal, einen  schönen See und an klaren Tagen die beinahe uneingeschränkte Sicht auf die mehr als 8000 m hohen Himalayaberge….

Am nächsten Tag machten wir eine  Tageswanderung zur Weltfriedenspagode, ein Wahrzeichen der Region in 1113 Meter Höhe. Es ist ein buddhistisches Bauwerk und wie der Name es schon sagt, steht  es für den Weltfrieden. Auf uns hat das grossen Eindruck gemacht und wir fühlten uns an diesem Platz einfach wohl.

Der Ausblick von dieser Pagode war atemberaubend und zeigt eindrücklich diese grossartige nepalesische Landschaft.

Unsere Wanderung ging dann noch weiter vorbei an kleinen Dörfern von wo uns die Kinder immer wieder entgegenkamen und uns lauthals mit Namaste begrüssten. Wir durchquerten Dschungel und liefen auf schmalen Pfaden.

Am späten Nachmittag erreichten wir glücklich und zufrieden Pokhara. In einem sehr guten Restaurant assen wir dann unser Abendessen. Die Tochter es Familienbetriebes wollte dann unbedingt meine Fingernägel anstreichen. Ich liess es natürlich zu, im Wissen, dass es bestimmt wundervoll aussehen wird und ich nicht einmal etwas zum Abschminken hatte. Aber Desinfektionsmittel hilft für alles.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Organisation für unseren zukünftigen Trekk, welchen wir machen möchten. Wir waren den ganzen Tag beschäftigt uns Information in Büros und im Internet zu holen. Samuel wusste schon von der Schweiz wie aufwändig es ist Touren in Bergregionen zu planen. Unsere Limite ist das Geld und wir wussten, dass dieser Teil unserer Reise am meisten Kosten wird. Am Abend trafen wir dann noch eine tibetische Frau am See die uns ihren Schmuck verkaufen wollte. Sie erzählte uns von ihrer Leidensgeschichte und Flucht von Tibet nach Nepal. Es berührte uns sehr und zeigte uns wie sehr die Tibeter von den Chinesen unterdrückt werden.

Es ist heute der  11.10. Wieder entschieden wir uns für eine kürzere Halbtageswanderung.

Unser Ziel war Sarangkot auf 1590 Meter. Es ist der mit Abstand beliebteste Aussichtspunkt in der Umgebung. Die Berggipfel erscheinen von hier aus noch näher als von der Friedenspagode. Weil das Leben hier sehr früh startet, sind wir nun auch chronische Frühaufsteher geworden. Um 06:20 waren wir bereit für grosse Taten. Nach knapp 2h grosser Anstrengung erreichten wir unser Ziel. Wir wurden belohnt mit einem wundervollen Ausblick. Klar konnten wir die Annapurnas sehen sowie den
Machhapuchhre.

Es ist einfach ein schönes Gefühl, so nah am Himalaya zu sein. Zurück in Pokhara trafen wir noch einen Führer um mit ihm über verschiedene  Trekks zu reden. Nicht
unbedingt wollten wir den Annapurna machen oder die Everest Region, denn im
Moment sind alle Leute dort. Es herrscht Hauptsaison in Nepal und viele
Touristen kommen hierher um zu Trekken. Wir suchten einen ruhigeren Trekk mit
weniger Menschenmasse.

In erster Linie ist Nepal ein Land, in dem man unberührte Dörfer und die Schönheit der Landschaft mit ihren terrassierten Berghängen auf sich wirken lassen kann.  Wir sind gespannt und interessiert was wir noch alles sehen dürfen davon!

Mehr als 3 1/2 Monate sind nun vergangen seit unserer Wegreise aus der Schweiz.  Wir haben so vieles gesehen, erlebt, gefühlt.
Die Zeit vergeht so schnell. Das Reisen ist nicht immer einfach und bringt uns
manchmal an die Grenze. Als  mich eine Freundin am Anfang der Reise fragte wie wir Indien empfinden? Gab ich unter anderem zur Antwort: Indien ist fordernd…. Darauf antwortete sie, Indien ist wie das Leben, es fordert. Nun sind wir eingespielt und es macht uns sehr Spass. Trotzdem nehmen wir jegliche Gefühlsschwankungen wahr und auch an. Manchmal freuen wir uns enorm an jeder Kleinigkeit, manchmal sind wir traurig, nachdenklich, ruhig. Wir sehen viele Dinge die uns beschäftigen und darum sprechen wir viel über das Gesehene oder Erlebte… Aber immer fühlen wir eine grosse Dankbarkeit, dass wir diese Reise angehen durften, dass es uns so gut gefällt, wir so vieles dazulernen können, eine neue Kultur und diverse Religionen  hautnah erleben dürfen. Wir sind glücklich!!!!!! Wir leben ganz intensiv im Jetzt und geniessen jeden Moment.

 

Wir wünschen euch, dass ihr auch immer intensiv im Jetzt leben könnt, obwohl das im Alltag sehr schwierig ist. Nehmt euch zwischendurch Zeit  um Kraft zu tanken und schaut gut zu euch. Wir tun‘s auch.

Liebe Grüsse Samuel und Nora

So, hier sind wir wieder. 🙂

Für unsere Weiterfahrt durch Rajasthan, entschieden wir uns zum ersten Mal einen „Deluxe-Bus“ zu leisten um nach Jaisalmer zu gelangen. Da es in den Bussen wenig Platz hat fürs Gepäck, mussten wir dieses im Kofferraum verstauen. Wir erfreuten uns darüber, dass wir nun das Gepäck nicht auf dem Dach lagern mussten oder innerhalb des Busses, so hatten wir mehr Platz. Aber alles hat ein Hacken in Indien. Wir mussten 40 Rupies Aufpreis bezahlen und dazu kam, dass wir am Endbahnhof unsere Rucksäcke völlig  verdreckt und nass vorfanden. Zurück zur Fahrt. Diese war anfänglich sehr angenehm. Die Sitze sind grösser und somit hat man mehr Bewegungsfreiheit. Aber alles kann sich schnell ändern.  Der Bus füllte sich und es wurde immer enger. Die Leute drängten sich herein, kletterten fast übereinander. Plötzlich hatte auch ich keinen ganzen Sitz mehr. Neben mich setzte sich eine stark voluminöse Frau hin. Sie hatte ein Kind dabei, welches dauernd an meine Beine stupste :-).  Nora und ich teilten uns somit einen Sitz. Stark begleitet von diversen vermischten Düften… 🙂  Soll das eine Deluxe fahrt sein??? 🙂

Angekommen in Jaisalmer wurden wir wieder von aufsässigen Rikschafahrern belagert- es war schon lange nicht mehr so intensiv wie dort.

Jaisalmer wird auch die goldene Stadt genannt, weil die Havelis, die Festungen und Paläste alle aus einem gleichen honigfarbenen Sandstein errichtet wurden.

Wir besuchten die Festung, die einen atemberaubenden Anblick
bietet.

Wir schlenderten durch die schmalen Gassen, wobei wild rufende Händler uns aus unseren Tagträumen holten.

Ein auf dem Boden sitzender Mann sprach uns auf Deutsch an, er las dann aus den
Händen von Nora. Sie sei eine weise Frau, welche mal ein grosses Haus besitzen
werden und gerne shoppt… (welche Frau nicht? )

Auch schauten wir uns schöne Havelis an.

Ein Haveli ist ein steinverziertes Haus, welches sich über  mehrere Stockwerke verteilt, bunt bemalt ist und sehr dicke Wände besitzt um kühle räume zu erzielen.


In diesem alten Haveli fanden wir wieder mal viele Fledermäuse….

Noch wenn man denkt man sei alleine- nein, in Indien ist man nie alleine.
Fledermäuse hängen am Fenster, Heuschrecken im Bett, Spinnen, Mäuse im Zimmer
und Echsen an der Wand…. Und wenns kein Tier ist, ist immer ein Inder in der
Nähe, welcher alles von dir wissen will…

Wir uns entschieden eine 3 tägige Kamelsafari  durch die Thar-Wüste zu machen. Am frühen Morgen starteten wir. Mit uns waren noch 2 Kanadierinnen und 1 Engländerin. Ich war also der Hahn im Korb. Ob das wohl gut kommt mit diesen 4 Frauen draussen in der Natur. Nora kannte ich, ich wusste, dass sie mit diesen Situationen gut klar kommt. Mr. Kahn und sein Kollege waren unsere Kamelmänner. Die Kamele wurden vor dem Start schwer beladen mit Stroh, Esswaren, Kochutensilien und unserem Gepäck.

Noras Kamel hiess Mr. Johny, meins hiess Alex. Es waren 2 gute Kamele, sie haben uns sicher durch die Wüste geführt.  Bei der Thar Wüste darf man sich kein Dünenmeer erwarten. Sie besteht vorallem aus unfruchtbarem Geröll.

Seit 8 Jahren werden auch intensiv Windräder aufgebaut um Elektrizität in die
umliegenden Dörfer zu bringen. Gut für die Dörfer in der Wüste, schlecht für
das Landschaftsbild. Das romantische Geführl geht dann halt manchmal ein
bisschen verloren…

Der erste Tag begann mit Sonnenschein und warmen Temperaturen- so wie man es sich wünscht.

Hoch zu Kamel durchquerten wir dann die Wüste und besuchten kleine Dörfer wo wir
spielende Kinder beobachten konnten.

Das Dorf steht in der Wüste , scheint sehr einfach zu sein und es wird mehrheitlich
Landwirtschaft betrieben.

Zum Glück trugen einige Kamele Halsglocken, dass war eine gute Abwechslung zum
Geräusch der furzenden Tiere. Die Zügel der Kamele werden an ihrem Nasenpflock
befestigt, dass erleichtert das Steuern (da es ähnlich ist wie ein Piercing,
können sich üble Infektionen bilden. Ein Tier hatte bei der Einstichstelle
sogar Würmer welche sich im Fleisch eingenistet haben)

Wir machten stets nach einigen Stunden Pausen um das Gesäss und die Adduktoren zu entlasten. Auch die Kamele werden während dieser Zeit von der schwerden Last
auf ihrem Rücken befreit und mit Fussfesseln versehen. Meist humpeln sie ein
Stück weg um die umliegenden Gebüsche zu erkunden.

Während dieser Zeit suchten wir Holz um ein Feuer zu entfachen und halfen Mr. Kahn und seinem Kollege so gut es ging beim  Chai machen und Essen vorbereiten. Dabei lernten wir viel über die Kochkünste Indiens.

Wir waren erstaunt, mit welcher Einfachheit man in der Natur ein leckeres Mahl
zaubern kann.

Schlagartig wechselte das Wetter und es regnete in Strömen.  Wir packten schnell unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zu den Sanddünen wo wir unser Nachtlager bei strömendem Regen aufschlugen.

Das ganze war wirklich ein Naturerlebnis und uns gefiel es sehr. Nass bis auf die
Haut versuchten wir nachts dann vergeblich bei starkem Sturm zu schlafen. Unsanft wurden wir am Morgen um 03.00 Uhr geweckt, weil das Dach unseres Wüstenhotels (Plastikblachen) davon flog. So einen sturm haben wir noch nie erlebt. Wir waren wohl die einzigen 2, die es abenteuerlich und lustig fanden!!!!  Nach erneutem Aufbau unserer Unterkunft schien uns die restliche Nacht noch sehr lange….

Am nächsten Morgen regnete es glücklicherweise nicht mehr, sodass unsere Kleider
trocknen konnten. Ich lief dann den Sanddünen entlang um die mogendliche Ruhe
zu geniessen.

Doch wie gesagt, in Indien ist man nie alleine. Ich wurde von einer Ziege Schritt um
Tritt verfolgt.

Der Ritt ging weiter.

Der Tag verlief diesmal ruhig, sehr erholsam und trocken. Am Abend genossen wir das gemeinsame Essen.

Auch beobachteten wir einen stimmungsvollen Sonnenuntergang.


Die Nacht war ruhiger als die erste. Zwar regnete es auch, jedoch wurden wir nicht
mehr so nass.

Der letzte Tag unserer Kamelsafari startete wie die vorherigen, mit einem göttlich
leckeren Chai…

Bei der Mittagspause hielten wir bei einem See an, wo ich mir eine Abkühlung
gönnte. Es war schön und erfrischend…

Die Tour endete am späten Nachmittag. Unsere Beine und unser Gesäss schmerzten uns also schon. Doch waren wir glücklich über diese 3 erlebnisreichen Tage.

Am nächsten Tag unternahmen wir nicht mehr viel, wir waren müde. Wir genossen den letzten Tag in Jaisalmer.

Am nächsten Tag (5.9.) fuhr uns ein Bus nach Bikaner. Wir hörten gutes und weniger
gutes über diese Stadt.  Wir bildeten unsere eigene Meinung.  Im Grossen und
Ganzen hat uns Bikaner nicht sehr gefallen. Was uns aber sehr gut gefiel, waren
die vielen Bekanntschaften mit Einheimische, mit denen wir lange und gute
Gespräche führten. Es war bereichernd und wir konnten wieder sehr viel dazu
lernen.

Übrigens ist es so, ich pfeiffe sehr oft und schon diverse Male hat mir jemand gesagt,
dass ich dies doch unterlassen soll. Niemand konnte mir aber genau sagen
weshalb.  Als wir dann ein langes Gespräch mit einem Inder führten, sagte er uns,
das Pfeiffen  bedeute soviel wie auf der Suche  zu sein nach einer anderen
Frau. Es bedeutet, dass man einen „Playboy“ ist. Nun gut, jetzt weiss ich’s und
versuche  mich darauf zu konzentrieren nicht mehr zu Pfeiffen.

In Bikaner besuchten wir  während 3 Tagen
diverse Sehenswürdigkeiten wie z.B. einen jainistischen Tempel  welcher aus dem 15. Jh. stammt.  Dieser Tempel ist bunt bemalt. Es heisst, im Fundament seien 40‘000 kg Butter enthalten und der Erdboden werde im Sommer davon immer noch fettig. Wir haben nichts gespürt.

Einen Tag später machten wir mit dem Bus einen Ausflug nach Kolayat. Als wir zur
Busstation fuhren sahen wir mehrere Männer, die einen Toten auf einer Barre
trugen. Mitten auf einer stark befahrenen Strasse.  Wir staunten erneut über die Unterschiede im Umgang mit dem Tod.

Koyalat ist ein winziges Städtchen das  an einem See liegt, welcher von Tempeln umringt ist.

Wir umrundeten zu Fuss den See und waren einmal mehr im Zentrum des Geschehens. Wir traffen verschiedene Menschen und waren nie alleine.  Wir führten Gespräche mit zugedröhnten Sadhus und beobachteten  zwei junge Männer,
welche mit einem Magnet an einer Schnur festgemacht,  Geldmünzen aus dem See fischten. Auch eine weisse Ratte haben wir gesehen. Die weissen sollen ja bekanntlicherweise viel Glück bringen…?!

Zurück in Bikaner angekommen, brachte uns ein Rikschafahrer zu unserem gwünschten Ort, wobei ich die letzten Meter das Zepter übernahm und uns noch sicher zum Ziel brachte. (Ist das nicht eine Leistung bei diesem indischen Strassenverkehr? )

Der erste Kontakt mit dem Zug stand uns nun bevor… Es schauderte uns…  Das Ticket kaufen dauerte wiederum für Schweizerzeit seeeehr lange. Gebucht, gekauft… Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend. Fragen wie: Haben wir wohl wirklich einen Platz?  Können wir Schlafen? Wird uns nichts gestohlen?….. drehten in unserem Kopf herum.

Am nächsten Abend wars dann soweit, frühzeitig sassen wir mit unserem Gepäck am
Bahnhof auf dem Boden, so wie es die Inder uns vormachten.  Innert Sekunden wurden wir von einer grossen Menge Inder umringt. Sie starrten uns an als wären wir von einem anderen Planeten. Zu unserer Verwunderung erfuhren wir, dass es für die Inder dort sehr unüblich sei, mit ihnen auf dem Boden zu sitzen. Nach einer kurzen
Zuginstruktion von zwei belgischen Traveller die uns auf das wichtigste
Aufmerksam machten, stiegen wir erleichtert in den Zug.

Nützliche Informationen für das Zugfahren in Indien:
– Entscheide dich zuerst mit welcher Klasse du reisen möchtest. Es gibt sehr
viele verschiedene Klassen. Mit Klimaanlage oder ohne, nur einen Sitz oder eine
Liege zum Schlafen….

– Immer eine Reservation machen, ansonsten muss man stehen oder den Sitz teilen in
einem vollgestopften Zug (mit dem grossen Gepäck für lange Strecken nicht
wirklich geeignet)

– vor dem Einsteigen in den Zug, schaut man welche Wagennummer man hat.  An den Türen des jeweiligen Wagens sind alle Namen aufgelistet und nochmals die Sitze welche man reserviert hat.
– sichere dein Gepäck mit einem Schlössli oder ähnlichem damit es nicht gestohlen
wird.

– zu Essen und Trinken musst du nichts mitnehmen. Regelmässig kommen verschiedene Chai- und Essensverkäufer  vorbei und bieten einem (teils sehr unappetlich) das Gekochte freundlich an.

– man ist natürlich auch hier nie alleine und je nach Nachbarn ist das Schlafen
trotz Sleeper Wagen unmöglich

– ….

Im Übrigen  zählt Indiens hiesiges Gleisnetz  zu den längsten des Planeten.
Schätzungsweise 18 bis 20 Mio. Menschen sind in Indien mit dem Zug unterwegs.

So, wir fanden also unsere Namen und unser Alter (das muss man bei jedem Formular angeben) auf dem Wagen. Auch unser „Bett“ haben wir schnell gefunden. Die Fahrt startete. Langsam tuckerte der Zug los. Wir schliefen nicht viel, wir-besonders Nora- waren immer auf der Hut, dass uns ja niemand unseren wertvollen Rucksack wegnehmen konnte.  Am Morgen früh sind wir dann in Delhi angekommen und wir konnten mit grosser Freude sagen, dass uns die Fahrt wirklich Spass machte,
überhaupt nicht schlimm war und sogar das Gepäck vollständig war.

Vielleicht fragt ihr euch, weshalb wir wieder nach Delhi zurück gingen. Wäre gut zu
erklären, da wir ja nach unserer ersten  Ankunft in Delhi wirklich keinen Gefallen
fanden in diesem Drachennest. Wir trafen nämlich Urs- Nora’s Onkel.  So konnten wir mit ihm 2 ½ Tage verbringen.

Nachdem wir in Delhi ein Hotel ausgesucht haben, testeten wir doch sogleich Delhi’s
Metro. Wir waren sehr begeistert davon, sie brachte uns sicher, schnell , günstig und ohne aufdringliches Geschwätz zu unserem Hotel. Nicht wie die Rikscha- und Taxifahrer letztes mal… Wir lernen jedes Mal dazu und unsere Strategien verfeinern sich.

Auf dem Dachrestaurant des Hotels trafen wir Erik. Erik ist ein Schwede, der gerade
zu diesem Zeitpunkt in Indien landete. In Delhi. Er fragte uns aus über viele
Sachen. Wir spürten seine Unsicherheit und er fragte uns dann sogleich ob er
sich nicht den ersten Tag an uns hängen könnte… Klar doch, wir wissen ja noch
ganz genau wie es sich anfühlt in Indiens Hauptstadt.

Wir fuhren (natürlich mit Metro) als erstes zu einem grossen (73m hohen)
Siegesturm, wurde auch als Minarett  genutzt.
Der Eintritt kostete aber so viel, dass uns der Eintritt dann doch zu unwichtig
war. So machten wir halt von Aussen ein Foto und füllten  dazu unsere Mägen mit  leckerem Chai und  Chapati.

Nicht weit entfernt entdeckten wir eine jainistische Anlage, mit einer grossen
Statue.

Wir hielten ein kurzes Schwätzchen mit einem Einheimischen.

Ab in die Metro in Richtung Jama Masjid, das ist Indiens grösste Moschee. Sie  ragt hoch über Old Delhi empor und war das letzte archidektonische Grossprojekt von Shah Jahan (Bauer des Taj Mahal, welches ihr bestimmt kennt…) Die Moschee besitzt mehrere Tore, verwinkelte Türme und zwei 40 m hohe Minarette.

Am Abend verabredeten wir uns mit Urs in seinem Hotel. Wir freuten uns sehr ihn zu
sehen und wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen. Eine Überraschung war,
dass er ganz viel schweizer Schoggi, Medikamente, sterile Verbandmaterialien,
deutscher Lesestoff und ein richtiges schweizer Lap-töpli (inkl.draufgeladener
Musik) brachte. Merci allen, die da mitgeholfen haben!!!

Wir 3 genossen am Abend ein leckeres chinesisches Mahl und tauschten uns aus über
die vergangenen 2 Monate.

Am nächsten Morgen holten wir Urs im Hotel ab und machten uns auf Wanderschaft. Zu Fuss  durchquerten wir die vollgestopften Strassen Delhis. Wir schauten uns  das
bewegende Denkmal an, wo man die Stelle sieht an der Mahatma Gandhi 1948  von einem fanatischen Hindu erschossen wurde.

Der Marrsch ging weiter. Unser Ziel war das Red Ford.  Es ist eine gewaltige Festung.

Auch bei diesem Ford mussten wir Ausländer einen verhältnismässig teuren Preis bezahlen, so entschieden wir uns nicht hineinzu gehen und uns lieber ein Kaffe im cafe coffee day zu genehmigen.

In grosser Hitze liessen wir eine weiter lange Strecke zu Fuss hin. Unser sportliches Muss war also erreicht. Urs sei Dank!!  Auch er hielt sich gut, mit seinem gebrochenen Schlüsselbein… 🙂

Nächstes Ziel war das India Gate. Ein 42 meter hoher steinerner Monumentalbogen, der an die 90‘000 indischen Soldaten gedenkt, die im 1. Weltkrieg gefallen waren.

Verirrt, völlig verschwitzt und mit müden Beinen mussten wir dann für den kurzen Heimweg doch noch eine Rikscha nehmen. Im wunderschönen Hotelzimmer von Urs angekommen, genossen wir eine Dusche und machten uns bereit für das Abendessen mit seinem Arbeitskollege.

Völlig unpassend angezogen (aber dank Dusche sauber)nahmen wir ein Apero im Hotel Hilton. Ihr wisst ja, wir bewegen uns ja auch in der Schweiz nicht in dieser
Preisklasse. Es war für uns in diesem Moment schwierig, mit diesen krassen
Unterschiede umzugehen. Lebten wir doch nun seit mehr als 2 Monaten billig und
einfach und plötzlich sitzen wir in einem glänzenden, teuren Restaurant…  Der Abend war schön und gelungen.

Am Sonntag (11.9.) entschlossen wir uns, einen Relaxe-tag zu machen. Treffpunkt
war wieder bei Urs. Dort war erstmals ein mühsames online Zugticket reservieren
angesagt. Wir waren trotz grosser Bemühung erfolglos. Wir zogen uns die
Badekleider an und gewappnet mit einem Buch wechselten wir an den schönen
Hotelpool. Unter dem Vorwand, dass ich mit Urs im Wasser Physiotherapie machte
(was dann ja auch wirklich zutraf), durften auch Nora und ich als Nicht- Gäste
dieses Hotels baden.  Wir genossen es richtig ein Bädli zu nehmen. 🙂  Ja und am Abend hiess es dann wieder Abschied nehmen. Wer weiss, wo wir Urs das nächste mal sehen… Schweiz? Thailand?  Oder doch nochmal in Indien?? Wir werden sehen und freuen uns schon darauf…

Am Montag sollte unsere Reise weitergehen. Nora und ich wollten so schnell wie
möglich aus Delhi. Obwohl wir diese Stadt wirklich viel angenehmer empfunden
hatten als zu Beginn unserer Reise, konnten wir nicht schnell genug weg sein.
Delhi gefällt uns nicht sonderlich.

Der Zug musste noch reserviert werden. Erik sagte, er möchte auch mit uns
mitkommen, ihn halte nichts mehr in Delhi. So machten wir 3 Europäer uns auf
den Weg. Von Bahnhof zu Touristenbüro, von Touristenbüro zurück zum Bahnhof,
aber nicht bei diesem Bahnhof sondern zu einem anderen… Falscher Weg
eingeschlagen, nun gut umkehren und weiterfragen. Ja, unser letzter Delhi Tag
war fast wie unser aller erster. Auch Erik hatte genug von Delhi… Er hatte
einen Delhi-Belly (Durchfälle), eine Fensterscheibe fiel ihm auf den Arm und zu
Gutem letzt wurde ihm sein Natel aus der Hosentasche gestohlen.

Jeder einzelne von uns Dreien war unglaublich froh, als wir nach langem ein Zugticket mit unseren Sitzplätzen in der Hand hatten. Am Abend nach 22.00 Uhr gings los. Wir schliefen imZug, bis wir am 13.9. am frühen  Morgen in Haridwar erwachten.

Haridwar liegt an der Stelle, an der der Ganges den Himalaya verlässt.  Riesige Pilgerscharen kommen in eine, für Hindus, sehr heilige Stadt. Sie wollen kurz im Fluss Ganges baden oder nehmen von zu Hause Flaschen mit um diese mit Ganges Wasser zu füllen. Sie brauchen dies dann um ihre „Altare“ zu Hause zu segnen.

Wir entschieden uns  noch in Delhi  für einige Tage in ein Ashram zu gehen in
Haridwar. Wir fanden ein gutes. Das Ashram liegt ruhig am Ganges mit wenig Wald
dazwischen, es ist eine entspannte Atmosphäre und alles wird einem offen
gelassen.  Das Ashram wird von einer schätzungsweise 77 jährigen deutschen Frau geleitet. Sie verliess Deutschland vor mehr als 40 Jahren und ist nie mehr zurückgekehrt und spricht nicht mehr über ihre europäische Herkunft. Sie heiratete einen indischen, religiös orientierten Mann und hat drei Kinder mit ihm. Der Mann verstarb vor Jahren, die Kinder helfen alle im Ashram mit.

Der Tagesablauf hier ist:

04.15 Tagwach –> 04.30- 05.00  Treffpunkt ums Feuer zur stillen Meditation –> 05.00-05.45 gemeinsames Morgenritual mit Singen –>  freie Zeit –> 07.00-09.00 Yoga –> Frühstück –> Mitarbeit im Ashram(Putzen…) –>  Mittagessen –> freie Zeit (ayurvedische Massagengeniessen, Gangesbad nehmen, lesen….) –> 16.00-18.30 Kurs (im Moment Ayurvedalehre) –> 19.00-19.45 Abendritual um Feuer und Ashramtempel –> 20.00 Abendessen à freie Zeit und frühes Schlafen, da ja der Tag auch wieder früh beginnt.

Ja, wir mögen den Morgen sehr!!!!  Am  Abendritual nehmen wir meist aus persönlichen Gründen nicht teil.

Am Morgen nehmen wir immer ein Bad im Ganges. Die Strömung ist sehr stark, man
muss aufpassen. Das Wasser an dieser Stelle nicht so schmutzig, wie wir es uns
vorgestellt hatten und bestimmt sehen wir Ganges nicht an allen Ortschaften
(z.B. Varanasi) so sauber… 🙂

Der Sonntag ist auch in Indien ein heiliger Tag. Es war also kein Programm. Somit machten wir einen Ausflug nach Rishikesh.

Seit die Beatles Ende 1960er Jahre einen Aufenthalt dort in einem Ashram machten, zieht es viele Menschen nach Rishikesh, die nach spiritueller Erfahrung suchen. Heute wird Rishikesh auch als Yogawelthauptstadt bezeichnet.

Rishikesh ist viel touristischer und Souveniershops reihen sich an souveniershops. Wir sind froh, dass wir uns für ein Ashram in Haridwar entschieden haben.

Alles wird in Rishikesh angeboten. Meditationen, Yoga, Sitarunterricht, Handlesen und  Kristallheilung. Manchmal wird uns das einfach zu viel und die Angebote verwirren mehr als das sie was bringen. Wir wollten also einfach nur die Stadt besichtigen.

Die erste Sehenswürdigkeit war die Hängebrücke Lakshman Jhula, die uns half die andere Uferseite des Ganges zu erreichen. Ich hatte meine liebe Freude an dieser hohen schwankenden Brücke. Mühe machten mir aber die Menschenmassen, Motorräder und Fahrräder, welche sich alle über die Brücke drängten.

Auf der anderen Seite des Ganges besuchten wir zwei 13- stöckige Tempel. Sie erinnern an ein Schloss bei dem auf jedem Stock Götter präsentiert werden.

Am obersten Punkt dieses Tempels hatten wir einen wundervllen Ausblick auf die Ganges.

Danach machten wir einen Spaziergang entlang des heiligen Flusses. Die orangefabigen Kleider der Sadhus, die Kühe die friedlich herumstehen oder liegen, die Fruchtstände von denen Verkäufer lauthals die Ware angepriesen wird und der stark reissende Fluss machte das Bild perfekt. Mit dieser wundervollen Stimmung besuchten wir auch Badeghats. Ich zog meine Schuhe aus und stieg 2 Stufen runter ins Wasser. Im kühlen Nass stehend bewunderte ich rituelle Waschungen. Nora blieb auf einer Treppe und genoss die schöne Stimmung von dort. Wir spürten, dass dies ein wirklich heiliger Ort und Fluss ist.

Die Zeit raste und so mussten wir uns wieder auf den Heimweg machen. Wir freuten uns auf die Ruhe im Ashram und freuten uns auf den Schlaf.

Übrigens  wurde am Montag im Garten des Ashrams eine Kobra schlange gesehen, die ja nicht ganz ungefährlich ist. Wir erfuhren, dass sie die Schlange dann töteten. Die Kobra hat einen Tag zuvor einen Mann in den Kopf gebissen, er wurde sofort in Spital eingeliefert. Den Zustand wissen wir nicht genau.

 

Wir entschlossen uns dann, am Donnerstag das Ashram wieder zu verlassen. Der Abschied war nicht ganz einfach. Wir haben dort viele gute Menschen kennengelernt und eine solch gute Atmosphaere wie dort herrschte, brachte unsere Gruppe naeher zueinander. Doch die Zeit war reif und wir freuten uns auch wieder aufs Weitergehen.

Unser naechster Halt ist Mussoorie.

So, ihr lieben, ihr seht uns gehts nach wie vor gut. Bald gehts weiter in Richtung Nepal. Wir freuen uns darauf und halten Euch natürlich immer auf dem Laufenden.

Wir wünschen  noch schöne farbenfrohe Herbsttage und  schicken liebe Grüsse an
Euch alle!!

Nora und Samuel

Die Fahrt mit dem Bus begann am Morgen frueh am 22.8. von Bundi nach Udaipur. In brennender Hitze kamen wir am spaeten Nachmittag in der romantischsten Stadt Rajasthans (oder ganz Indiens?) an. Nach dem Einchecken im Hotel gingen wir in die Altstadt. Dort stieg abends ein grosses Fest. Krishna hatte Geburtstag.

Dieses Fest fuehlte sich mehr an wie ein Openair. Menschenmassen die dicht gedraengt an einander klebten.  Animation, laute Musik und tanzende Menschen. Das Highlight des Festes war, ein in der Luft haengender Pot, welcher mit 15’000 Rupies und gesegnetem Sand gefuellt war. 2 Teams versuchten durch eine Menschenpyramide zum Pot zu gelangen um ihn dann zu zerschlagen.  Um den Schwierigkeitsgrad zu erhoehen, wurden sie permanent mit Wasser bespritzt.  Die Rutschgefahr war gross und immer wieder fielen sie zu Boden.

Dieses stimmungsgewaltige Fest dauerte noch einige Stunden und daher verabschiedeten wir uns bevor der Pot geknackt wurde.  Danach schlenderten wir durch die engen dunklen Gassen zum Hotel zurueck.

Ausgeschlafen gings am naechsten Tag weiter. Wir besichtigten diverse Sehenswuerdigkeiten in Udaipur, wie z.B. einen Tempel welcher wohl mit viel Liebe und harter Arbeit gebaut wurde. Tiere, Goetter und sonstige Muster wurden in Stein eingemeisselt.

Wir besuchten den riesengrossen und eindruecklichen City Palast. Er ragt mit seinen Balkonen, Tuermen und Kuppeln ueber einem See auf. Er ist der groesste Palast Rajasthans.

Wir wollten gegen Abend noch eine Bootstour machen, jedoch begann es leider zu regnen.  Wir fuehrten dann noch ein laengeres Schwaetzchen mit 2 Indern, welche uns ueber unser Heimatland, die Schweiz ausfragten. Sie waren der Meinung, dass die Schweizer sehr viel relaxen. Samuel und ich wunderten uns Gerade die Mittelschicht hier in Indien beobachten wir  selten hart arbeiten. Auch die 2 sassen in ihrem Laedeli, keine Leute nichts. Sie sassen einfach da, spielten mit dem Natel… nichts zu lesen….  Sie nehmen sich Zeit fuer ihre Arbeit.

Wir genossen abends auf einer sehr schoenen Dachterrasse ein leckeres indisches Mahl, mit Sicht auf den wundervollen Palast.

Am naechsten Morgen fuhren wir mit dem Bus 90 km entfernt  von Udaipur nach Ranakpur. Unser Ziel dieses Ausfluges war ein jainistischer Tempel, der ein unglaubliches Zeugnis darstellt. Er besteht aus milchweissem Marmor und hat 29 Hallen, die auf 1444 Saeulen ruhen.

Diese jainistische Tempelanlage sei die schoenste und eine der wichtigste in ganz Indien.

Grundlegend fuer die Religion des Jainismus ist die ahimsa (Gewaltlosigkeit) gegenueber  allen Lebenden im Denken und Handeln. Einige jainistische Moenche laufen sogar nackt herum (haben wir leider bis jetzt noch nicht gesehen… schade:-)). Die anderen, weniger stark glaeubigen behalten nur ein Minimum an Besitz, darunter ein Besen, indem sie den Weg vor sich saeubern um nicht auf ein Lebewesen zu treten.  Zusaetzlich haben sie immer ein Tuch bei sich, welches um den Mund gebunden wird, um ja kein Insekt einzuatmen.  Auch essen die Jainisten nichts was unter der Erde war, da ja beim Pfluecken Ameisen oder sonstiges Sterben koennte…

In den Tempel darf man keine Nahrung, Fluessigkeit , Leder, Natel oder Drogen nehmen.

Als wir wieder zurueck nach Udaipur wollten, nahm uns ein freundlicher Mann in seinem Privatauto mit.

Am Tag darauf ging unsere Reise weiter nach Mt. Abu.  Es ist die einzige Hillstation in Rajasthan, liegt auf 1200 meter und war fuer uns ein willkommener Kontrast zu den hektischen, grossen, ueberfuellten und hitzigen Staedten.  Endlich wieder mal 23 Grad. Ich erfreute mich sehr, Samuel hatte schon fast wieder kalt. 🙂

Im Lonely Planet sahen wir ein Museum, welches von einer spirituellen Universitaet entstanden ist.  Wir besuchten dies, da wir schon X-Menschen auf der Strasse gesehen hatten, welche ganz in weiss gekleidet waren und zu dieser Universitaet angehoerten.  Wir wollten der Sache auf den Grund gehen.  Diese Schule lehrt das alle Religionen zu Gott fuehre. Das Museum hat uns aber eher den Eindruck gemacht, dass eine Sekte dahinter steht.  Zum Glueck war der Eintritt gratis und das Interesse schwand mit jeden darin verweilten Minuten. Nachdem Museumsbesuch marrschierten wir ca. 45 minuten zu einem jainistischen Tempel. Auch diese Architektur war atemberaubend!

Auf dem Rueckweg sahen wir eine christliche Kirche, welche in einem erbaermlichen Zustand war. (von den Briten erbaut-sehr alt…)

Der 2te Tag begann mit dichtem Nebel und starkem Regen . Wir stellten uns auf einen Flexer-Tag ein.  Gegen 10.00 Uhr wurden wir durch ein Telefon vom Hotelbesitzer aufgeschreckt. Er bot uns an einen kleinen Trekk zu machen. Wir liessen uns das nicht entgehen, obwohls nach wie vor neblig war.  Mit einem Stock bewaffnet zogen wir dann durch das urwald aehnliche Gebiet. Wenn das Wetter schoen ist, hat man die Moeglichkeit Baeren und Leoparde zu sehen. Wir hatten leider Pech, das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir mussten uns wie immer mit Affen abgeben….

Der Trekk fuehrer lief sehr schnell, wir hatten kaum Zeit uns die wunderschoene Landschaft anzusehen. Auch war er sehr wortkarg und gab uns fast keine Informationen…. Das Preisleistungsverhaeltnis stimmte fuer uns ueberhaupt nicht. 🙂

Aufgrund der schlechten Wetterverhaeltnisse, hatten wir uns entschieden am naechsten Tag weiter zu reisen.

Der Bus fuhr frueh morgens nach Jodhpur. Willkommen in Jodhpur- die blaue Stadt!!!!

Nach unserer Ankunft im Hotel suchten wir einen Arzt auf. Seit Wochen leide ich immer noch an Ohrenschmerzen und wiederkehrenden Fieberschueben… Hier gibts wohl keine Hausaerzte, wir mussten gleich in ein oeffentliches Spital. Nichts aehnelte einem Spital…

Der Arzt sprach nur sehr schlecht Englich mit einem schrecklichen Akzent. Er hat den Puls gemessen, die Lunge ueber die Kleider abgehoert und mit einer Taschenlampe in mein Ohr geschaut.  Es  war fraglich wie viel er gesehen hat, da er kein angemessenes Instrument fuer eine Ohrenuntersuchung hatte. Das einzige was gleich war wie in der Schweiz, der Arzt schrieb in UEBELSTER Schrift und voellig unleserlich die Medis auf ein Rezept. 🙂

Ein wenig verunsichert verliessen wir das Spital. Uns wurde ein anderes Spital empfohlen. Es war ein Privatspital und war eher mit unseren zu vergleichen. Auch hier, kurze Anamnese und lange Wartezeit. Die Ohrenuntersuchung erfolgte wie beim ersten Arzt. Ich musste dann zusaetzlich noch Urin und Blut geben.  1 1/2 Stunden spaeter konnten wir die Resultate abholen. Phuu-Malaria negativ… 🙂 Ich habe eine Ohrenentzuendung laut dem Chefarzt. Die Kosten fuer  den ganzen Spass, lagen bei Sage und Schreibe bei laecherlichen 16 CHF. 🙂

Die verordneten Medis holten wir dann in der Apo und danach gings zurueck ins Hotel. Nun hoffe ich auf endgueltige Besserung!!!!!!!!!

Am 28.8. besuchten wir die Mehrangarh-Festung. Sie thront herrschaftlich ueber der blauen Stadt Jodhpur. Sie ist ein architektonisches Meisterwerk.

it einem Audioguide ausgeruestet, kundschafteten wir die Festung aus. Hier hingegen stimmte das Preisleistungsverhaeltnis und war einfach wundervoll.

Diese Besichtigung beanspruchte fast den ganzen Tag. Die enorme Hitze machte uns zu schaffen… Schon im Sitzen beim Nichtstun sind wir Pflotschnass…So goennen wir uns immer wieder ein eisgekuehltes Limca Getraenk und relaxen mal…. 🙂

Am 29.8. besichtigten wir zuerst den Uhrenturm. Es ist eine Sehenswuerdigkeit in der Altstadt.

Der Uhrenturm ist umgeben von lebhaften Geraeuschen, Bildern und Dueften eines Marktes.  Dort werden Gemuese, Silber, Gewuerze, Handarbeiten…. angeboten.

Bis anhin dachten wir noch durch Zuerich zu schlendern sei anstrengend, doch Indien ist Zuerich Hoch 10!!!!:-) so viele  Menschen, Laerm, Kuehe, Gedraenge…….

Spaeter fuhren wir zu einer Gedenkstaette fuer einen Maharadscha.  Sie besteht aus weissem Marmor und einer Ansammlung kleiner Tuermchen.

Das Essen hier in Indien ist sehr lecker, man erhaelt aber in den touristischen Restaurants sehr wenig und fade Speisen. (kein Training fuer Samuels Wette mit Sam)

Wir muessen dann immer 2 Menues bestellen.  🙂 In typischen indischen Foodstalls erhaelt man hingegen viel mehr und qualitativ besseres Essen.

Das Verhaeltnis von Naehe und Distanz der Inder macht uns manchmal schon noch ein bisschen Muehe. Sie wollen viele intime Infos ueber uns wissen und ueberschreiten dadurch schnell mal unser Grenzen. Auch die starrenden Blicke sind nicht immer angenehm, besonders fuer mich als Frau….  Jedoch kommen wir immer besser mit alldem klar. Die indischen Menschen sind im Grossen und Ganzen sehr offenherzig, friedvoll und begeisterungsfaehig.

Die Armut ist ein grosses Thema. Wie oft werden wir um Geld gefragt von Kindern, die nur ein verloechertes T-shirt tragen  oder wie oft sehen wir Menschen an Bahnhoefen oder an Strassenraender schlafen, ohne Besitz… Ja, es stimmt uns traurig und wir kommen uns mit unserem vollgepackten Rucksack (welcher mit unserem Minimum gefuellt ist) manchmal bloed vor.

Viel koennten die indischen Menschen von uns Europaer lernen… Doch auch sehr viel anderes koennten wir von ihnen lernen…

Schoen ist es, das Privileg zu haben beide dieser Welten sehen und erleben zu duerfen.

Seit lieb umarmt, wir schicken euch sonnige Gedanken

Samuel und Nora