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Archive for Dezember 2011

Namaste alle zusammen…

Wie geht’s Euch?!  Die Adventszeit hat ja nun angefangen. Bestimmt hört man nun Weihnachtslieder im Radio und  in allen Läden sind wohl alle glitzernden Weihnachtsdekos und möglichen Geschenkideen anzutreffen. Obwohls hier in Kathmandu ist es kühler ist, sind wir nicht in Weihnachtsstimmung. Das werden wir dieses Jahr wahrscheinlich auch nicht…. man hier halt überhaupt keine Anzeichen dafür. Das wird eine etwas andere Weihnachten für uns, als wir sie sonst gewohnt sind. Das ist auch gut so. Wir sind gespannt wie’s wohl wird, das Fest der Liebe weit weg von unserem zu Hause zu feiern…

Bei uns ist wieder einiges gelaufen…

Am Donnerstag, 17.11. abends stiegen wir mal wieder in einen Bus um nach Janakpur zu fahren. Die Fahrt dauerte etwa 12 Stunden, der Buschauffeur war ein guter Kerl und wir konnten sogar wenige Stunden schlafen- oder dösen. Am Morgen erreichten wir unser gewünschtes Ziel und liessen uns mit einem Velo-Rikscha zum Ausgewählten Hotel bringen. Irgendwo angekommen hielten die 2 Fahrer an und sprachen irgendetwas. Keine Ahnung was.  Die meisten Nepali können kaum Englisch, somit ist die Verständigung nicht immer einfach. Für uns war der Halt nichts neues, da wir in Indien regelmässig erlebt hatten, dass die Rikscha-oder auch Taxifahrer gar nicht wissen wo der gesagte Ort ist. 🙂 Mit Händen und Füssen wussten Samuel und ich dann, dass unser Hotel gar nicht mehr existiert… oi oi oi, dabei ist unser Martin Loose Guide  Book doch erst 1 Jahr alt. Ihr seht, es ändert sich einfach schnell mal etwas hier… Gut, wir fragten dann bei 2 anderen  Hotels nach. Das eine Hotel wäre unbezahlbar teuer gewesen und das andere hätte nur ein Zimmer für eine Nacht frei gehabt. Somit liessen wir uns in einem anderen, sehr billigen und auch wirklich schäbigen Hotel nieder. Es stinkte und war einfach ein übles Loch. Egal, wir buchten 2 Nächte darin und haben nach dem Betreten als erstes ein Räucherstäbchen angezündet. Egal welcher Duft von diesem Glühstängeli kam, jeder war besser als der Geruch vom Zimmer… Eine weitere Plage waren die Moskitos. Sowas haben wir noch nie erlebt-nicht einmal während der Monsunzeit. Horror… Unmengen von den summenden Kleintieren… Glücklicherweise hatte der Hotelbesitzer mal Moskitonetze montiert über den Betten und somit flogen uns nur wenige Mücken  um die Ohren. Sie fanden Zugang durch die Löcher im Netz.. 🙂

Als wir uns damit abgefunden hatten in diesem Bunker zu nächtigen, gingen wir auf die Strasse und mussten uns zuerst mal einen Chai genehmigen…:-)  So, gestärkt wollten wir uns diese Stadt anschauen und noch das Busticket reservieren für die nächste Station. Als wir umherschwirrten trafen wir 2 Mädchen (etwa 18 jährig) welche mit uns plauderten. Die eine junge Dame hat uns dann zu sich nach Hause eingeladen, sie wolle uns ihrer Mutter vorstellen.  Sie musste aber mit ihrer Freundin noch einen Pullover kaufen und somit sagte sie dann, wir könnten uns bei einem Platz treffen. Zur abgemachten Zeit standen wir da.  Sie kam nicht. Wir waren aber nicht enttäuscht, schliesslich kennen wir das doch schon von Indien. 🙂 Nach der Chai-pause liefen Samuel und ich dann wieder zurück in unser schönes Hotel. Etwa  20 min. später klopfte es wie wild an unserer Tür. Wer wars? Ja, die junge Lady… Sie habe lange auf uns gewartet und nun dachte sie, sie komme uns abholen. Damit rechneten wir nun wirklich nicht. Aber wir haben uns kurz umgezogen und gingen mit ihr. Wir sassen bis abends draussen bei ihnen zu Hause. Wir tranken mit ihnen Chai, assen Nepali Food, lachten zusammen, tauschten uns aus und die Mutter bemalte meinen Fuss mit Henna.

Sie wollten dann noch, dass wir bei ihnen zu Abend assen. Wir lehnten aber dankend ab, da wir von unserer anstrengender Busfahrt noch müde waren  und wir früh zu Bett gehen wollten.  Die Familie sagte uns dann,  dass wir doch am nächsten Tag bei ihnen Frühstück, Mittag- und Abendessen geniessen sollen. Ja, sie wollten sogar, dass wir bei ihnen Schlafen und gar nicht mehr zurück ins Hotel gingen. Uns war das natürlich zu viel. Das Nähe- und Distanzgefühl wird hier anders gelebt. 🙂 Wir willigten dann ein, uns am nächsten Tag mit dem Sohn zu treffen und Janakpurs Leben besser kennenzulernen.

Die Mutter dieser 9 köpfigen Familie kommt ursprünglich aus Indien.  Sie ist eine klassische Inderin. Voluminös, sehr viel Schmuck, stolz, Henna begeistert… sie ist das Oberhaupt der Familie… 🙂

Der Vater ist sehr ruhig, hatte vor ca. 5 Jahren einen Schlaganfall und ist seither linksseitig gelähmt. Er kann sich aber gut fortbewegen.

Müde aber mit einem guten Gefühl machten wir uns auf die Socken zum Hotel. Wie so oft war mal wieder Stromausfall. Dieser machte aus der schmutzigen Stadt Janakpur  eine spezielle aber manchmal auch bedrohliche Stimmung. Ab unter die kalte Dusche- mit Stirnlampe, Einrichten des Moskitonetzes- mit Stirnlampe und danach  Suchen eines geeigneten Lokals zum Abendessen- ohne Stirnlampe, wo ich dann natürlich promt noch in eine frische Kuhscheisse trat. Dieser doofe Stromausfall!!!!!!!! Um 21.30  Uhr schliefen wir beide schon tief und fest. 🙂

Um 05.00 Uhr wurden wir von einer geräuschvollen Kulisse beim Verrichten der Morgentoilette geweckt… Man kann dem nicht mehr Schnäuzen, Husten oder „Chodere“ sagen- es gibt kein Wort um diese Geräusche zu benennen oder definieren. Auf alle Fälle wars kein schönes Erwachen und trotz Ohropax hörten wir das „Frischmachen“ noch gut. Übrigens praktizieren das nicht nur die Männer, auch die Frauen geben erschreckende Töne von sich… Mit Schlafen war dann nichts mehr. Somit führten auch wir unsere Morgentoilette durch. Die verläuft deutlich angenehmer und ruhiger… 🙂

Um 08.00 Uhr trafen wir wie abgemacht Kunal. Mit ihm verbrachten wir den ganzen Morgen in Janakpur. Janakpur ist im Übrigen eine der wichtigsten heiligen Stätten der Hindus. Der zentrale Tempel, der reich verzierte Janaki Mandir, gehört zu den obligatorischen Zielen einer hinduistischen Pilgerfahrt.

Die Stadt ist durch und durch indisch geprägt, was in verschiedenster Art gut spürbar war. Der Chaikonsum erhöhte sich schlagartig, die Unterkünfte sind schäbiger, die Menschen starrten, die Strassen waren schmutzig, mehr Kühe versperrten einem den Weg und die meisten haben schmutzigere Zähne vom Tabacco welchen sie immer lange im Mund behalten…  Die intensiven Augenblicke und die Lebensfreude der Menschen waren wieder stärker zu spüren… Janakpur zeigte uns die andere Seite von Nepal.

Von Tourismus, besser gesagt westlichem Tourismus kann in Janakpur kaum die Rede sein.  Wir trafen in diesen 2 Tagen 6 weisse Menschen.:-)

Wir erfuhren von Kunal unter anderem dass in Janakpur der Gott Rama  Sita, die Tochter eines Königs, geheiratet hat.  Aus diesem Grund hörte man den Gesang „Sita Ram, Sita Ram“ in ständiger Wiederholung wie ein hinduistisches Ave Maria. Wir stiessen gerade zu diesem eindrücklichen Morgenritual vor dem Ram-Tempel.

Danach besichtigten wir den, an einen verspielten Palast im Mogulstil erinnernde Janaki Mandir. Es wird vermutet, dass die Prinzessin Sita dort gelebt hat.

Wir sahen viele Gläubige welche dort beteten und verschiedene Rituale  durchführten.

Neben dem Tempel steht ein Bauwerk welches den Hochzeitspavillon von Rama und sita zeigt. Drinnen sahen wir ein pompöses Gemälde vom feierlichen Ereignis.

Wir wurden in diesen Templen reichlich mit Punkten auf der Stirn gekennzeichnet und spendeten wie die Hindus den Göttern Süssigkeiten.:-) Es war ein richtiger Hinduistischer Tag. Zum Glück hatten wir Kunal mitdabei, er ist hier geboren und kennt sich gut aus-geschichtlich und orientierungsmässig… 🙂

Zwischendurch mussten wir natürlich einen Chai trinken und dann ging unsere Tour weiter.

Unter anderem  gelangten wir zu den heiligsten Becken Janakpurs. Der Anblick, wie die Hindus dort rituelle Waschungen vornehmen war sehr bewegend. Im Verlauf des Tages sah man viele ihre Kleider waschen und die Verschmutzung dieses heiligen „See’s“ war absolut unübersehbar. Die Einheimischen und Gläubigen lassen sich davor aber nicht abschrecken und trinken das Wasser manchmal sogar. (Kein Wunder beträgt hier in Nepal die durchschnittliche Lebenserwartung 63 Jahre-oder weniger…)

Wir 3 besuchten noch weitere Tempel und Samuel und ich waren stets froh, dass Kunal uns so gute Informationen gab.

Am Mittag trennten wir 3 uns. Kunal ging nach Hause, Samuel und ich assen in einem einfachen  Foodstall ein köstliches Daal bhaat tarkaari…:-)

Es war ein wirklich schöner und informativer Vormittag! Wir verabredeten uns dann mit Kunal bei ihnen zu Hause zum Abendessen. Seine Mutter bestand darauf!!! 🙂

Samuel und ich genossen den ruhigen Nachmittag mit Lesen und Flexen:-)

Am Abend machten wir uns auf die Socken zu der Familie. Vorher  hatten wir uns in einem Süsswarenladen eingedeckt um ein Mitbringsel abgeben zu können. Wir wissen ja, wie gerne die Menschen hier Süsses schlemmen.

Wir wurden von den Frauen wunderbar bekocht. Es war lecker und sie stopften uns voll. Immer und immer wieder wurde nachgeschöpft. Unsere dankende Ablehnung über Nachschub wurde ignoriert. 🙂 Interessant war ja wieder, dass wir ohne sie gegessen hatten.  Anscheinend ist das hier absolut normal. Sie wollen den Gast (welcher als König gilt) bekochen und voll und ganz für ihn da sein.

Nach einigen Stunden waren Samuel und ich bereit aufzubrechen in unser Hotel. Aber sie liessen uns fast nicht mehr gehen. Somit gings nicht lange, bis die Mutter mit ihren Töchtern irgendwas suchten und nach langer Zeit zurück kamen und mir eine Halskette um den Hals legten, kurz darauf wurden meine Ohrringe entfernt und neue durch Ohrloch geführt, später wurde mein Haarband entfernt und die Haare zu einem „Rossschwanz“ zusammengebunden mit einem glitzernden Haarband, danach musste ich die Lippen spitzen für dezenten Lippenstift, erhielt ein  Kleberli auf die Stirn und am Schluss musste ich die Zehen- und Fingernägel  so platzieren, dass sie sich austoben konnten beim Anmalen. Leider wählten sie nicht durchsichtigen Nagellack aus, sie wählten pinkigen aus, da dies die Lieblingsfarbe der pubertierenden Mädels ist. Och du meine Güte. Dann ging mein Schauspiel los. Ich musste vor den Spiegel und immer wieder sagte ich ihnen: Wow, das sieht ja schön aus!! Vielen vielen Dank!!!! Ja, ich hätte einen Oskar gewonnen für meine Leistung. Mein grösstes Problem war der Nagellack. Wie bringe ich diese schreckliche Farbe wieder weg von meinen Fingern?!? Samuel lachte innerlich und wusste genau wie mir zumute war. Er sagte aber auch begeistert: Nora, wow, du siehst ja aus wie eine Prinzessin!!!!  hahaha!!

Aber auch Samuel erhielt noch ein Geschenk. Ein seidenes, helles Hemd. Er musste es gleich anprobieren. Ach du liebe Zeit!!!  Auch hier war wieder Lachen und herzliches Danke sagen angesagt… 🙂 Wir wussten, dass wir unsere Geschenke leider nicht oft tragen werden… 🙂

Aber sie meinten es sehr  freundlich und ehrlich. Der Abend verlief noch sehr schön und als wir zurück im Hotelbunker ankamen, hat Samuel mit seinem Sackmesser versucht mir den Nagellack von den Fingern wegzukratzen… 🙂

Am 20.11. morgen  früh gings wieder los mit unserer Weiterreise. Wir fuhren mit dem Bus eine ellenlange Strecke nach Ilam. Die Fahrt war mal wieder schlimm. Samuel hatte seine Rückenschmerzen und ich hatte Verdauungsprobleme…. 🙂 Ilam bedeutet für die meisten Nepalesen Tee. Dort hat es ganz viele Teeplantagen. Die Landschaft war wirklich wunderschön.

Als wir abends mit dem Bus ankamen, trafen wir einen jungen Mann, mit welchem wir sofort ins Gespräch kamen. Er arbeitet in Ilam als Polizist. Er begleitete uns noch zu unserem Guest house. Unser Zimmer war wirklich wieder sehr klein und bereits beim Ankommen packten wir unsere Stirnlampen und Kerze aus.  Der Strom fiel aus… 🙂

Der Polizist sass bei uns noch lange im Zimmer, er erzählte aus seinem Leben und von seinem Beruf. Er sagte: hier in Nepal muss man keine Angst haben, man ist hier sehr sicher. Gerade in diesem Moment klingelte sein Natel. Ja, es war der Polizeiposten, es sei ein dringender Fall… Innerhalb von kürzerster Zeit verschwand er also mit seinem Bodyguard auf dem Töff. Phuu, ist es wirklich soooo sicher..?!? 🙂

Am nächsten Tag machten wir einen Dorfspaziergang durch  Ilam, besuchten die Teeplantagen

und relaxten in einem wunderschönen und sehr guten Restaurant  in einer Bambushütte mit einem lokalen Ilamtee. So schön kann das Leben sein.. 🙂

Gegen Abend besuchten wir einen Tempel. Wir mussten nach dem Weg fragen und nannten allen Einheimischen den Namen des Tempels. Niemand kannte ihn. Wir waren schon verwundert,da doch alle Bescheid wissen, wenns um was heiliges geht…  Nach langem hat sich dann ein Mann Zeit genommen sich die Karte mal genau anzuschauen welche in unserem Reiseführer ist. Dabei stellte er fest, dass der Name dieses Tempels gar nicht existiert. Nun ist also unserem lieben Herr Martin Loose ein Fehler unterlaufen und er hat einem Tempel in Ilam einen Namen gegeben welchen es gar nicht gibt.:-) Der Einheimische hat uns dann den richtigen Namen gesagt und von da an erhielten wir von allen der  befragten Personen einen Wegbeschreib welcher uns durch einen kurzen wald zum Ziel brachte.

Der Tempel ist in Form eines Baumes. Man sagt, dass dort noch immer zu bestimmten Zeiten eine Schlange aus dem Baumloch rauskommt. Zum Glück war bei uns nicht der richtige Zeitpunkt und somit blieb uns dieser Anblick erspart. 🙂

Am 22.11.  kam unser Polizist zum Guest house. Wir gingen zusammen Frühstücken. Dort im Restaurant hat uns dann doch tatsächlich erneut einer gefragt ob in der Schweiz keine Polizei sei. Wir fragten ihn weshalb uns das wohl alle fragten…. Er sagte uns, es stehe bei ihnen in den Schulbüchern drin…. oi oi oi, was sind denn das für Lehrmittel, bitteschön! 🙂

Gestärkt machten Samuel und ich uns auf den Weg. Es stand uns eine ca 6 stündige Wanderung bevor. Unser Ziel war Mai Pokhri.

Das ist ein, für die Hindus, heiliger Teich. Natürlich verliefen wir uns! Kunstück es ist wirklich nirgends etwas angeschrieben und die Menschen geben dir einfach auch die falsche Auskunft teilweise. Aber die Landschaft war wundervoll und wir konnten vielen Frauen beim Teepflücken zusehen.

Als wir spät am Nachmittag dort ankamen, fühlten wir uns ein wenig gestresst, da es ja schon bald eindunkeln wird. Und bekanntlich stehen an Wanderwegen ja keine Strassenlampen, wir hatten keine Stirnlampe mitdabei und Autos oder ein Bus war weit und breit nirgends sichtbar. Trotz allem nahmen wir uns Zeit um den Teich herumzulaufen, ausser uns war niemand dort. Wir empfanden diesen Ort als mystisch und wundervoll.

Wir tankten neue Kräfte und marrschierten in zügigem Tempo wieder nach unten. Gegen Ende dieser Strecke, wo es bereits dunkel was, hielt ein Töfffahrer neben uns an. Er sprach ein wenig mit uns und sagte dann, dass er uns mit dem Töff bis in den nächsten grösseren Ort fuhr, von wo uns dann ein Taxi nach Ilam fahren konnte. Glück gehabt! Zu Dritt und natürlich ohne Helm fuhren wir durch die engen und dunklen Gassen. Es ist immer wieder ein interessantes Erlebnis. Wenn man in Nepal am Strassenrand stände mit dem Daumen nach Oben gestreckt, würden mit Sicherheit Töffe anhalten und keine Autos, da die meisten Menschen sich hier „nur“ einen Töff leisten können und kein Auto. Somit würde man „Töffstöppeln“. 🙂

Am nächsten Tag besuchten wir die Teefabrik, welche in der Nähe von Ilam ist. Sie wurde 1985 mit britischen Hilfsgeldern errichtet. Sie ist die grösste ihrer Art im gesamten Distrikt. Die gepflückten Blätter werden oben in riesige Behälter eingefüllt, wo Ventilatoren etwa die Hälfte ihres Feuchtigkeitsgehalts entziehen. Anschliessend werden die welken Blätter maschinell gerollt, wodurch die verbliebenen Säfte zur Fermentierung freigesetzt werden.

Die Oxidation der Gerbstoffe des ausgetretenen Saftes gibt dem Tee sein typisches Aroma. Bei der anschliessenden maschinellen Trocknung erhält das Blatt seine schwarze Farbe.

In dieser Teefabrik werden in einer Saison ca. 15’000 kg Tee produziert. Der grösste Teil dieses Tee’s wird nach Deutschland exportiert und dort zu Darjeelingtee vermischt. Wir konnten nach der Führung durch diese Fabrik dann eine Tasse dieses leckeren Tee’s geniessen…

Am Abend kam dann der Polizist nochmals zu uns. Er hat Samuel ein Abschiedsgeschenk mit gebracht. Eine traditionelle nepalesische Kappe. Man nennt sie in Nepali Topi. Hier sieht man viele Männer (vorallem die älteren) welche solche tragen.

Wir genossen den Sonnenuntergang und die ruhige Stimmung in Ilam.

Am 24.11. morgens fuhren wir weiter nach Hile. Die Fahrt war wieder mal sehr unangenehm. Besonders für mich war es unangenehm. Ich sass ganz vorne auf einem schmalen Holzbrett, daneben eine Frau mit Kind, welche mir immer unangemeldet ihr Kind auf die Schoss gab, daneben hatte ich einen Mann der einschlief und seinen Kopf an meiner Schulter anlehnte, hinter mir stand ein junger Mann, welcher mir mit dem Ellenbogen immer wieder auf den Kopf schlug und vor mir war ein Mann, der mich immer so enorm übel anhustete…. Samuel war ganz hinten und nach kurzem Stehen konnte er die meiste Zeit dann sitzen. Er hatte seine Ruhe dort und konnte dann sogar noch Zuckerrohr aussaugen… Der Bus war mal wieder vollgestopft und Samuel und ich sahen uns nicht mehr…  Beim Aussteigen war Samuel völlig erfrischt und gut gelaunt, ich war müde und erschöpft.. Deshalb hätte ich gleich  Schoggi gebraucht, was wir nirgends fanden. Also, dann halt einen Chai-der ist genau so süüssssss:-)

Hile ist eine lebhafte kleine Siedlung und eine der wichtigsten Sammelpunkt im östlichen Nepal. Hile lockt einen Strom von angehörigen ethnischer Minderheiten an, die von weit her kommen um dort Handel zu treiben: Tamang und Sherpa vom Westen, Newar und indische  Händler vom Süden, Rai aus ihrem Kerngebiet, dem strassenlosen Bergland der gesamten Umgebung. Westliche Touristen waren weit und breit nirgends sichtbar. Die Einheimischen sahen wahrscheinlich zum ersten Mal „Weisshäutige“. 🙂 Sie blieben sogar vor uns stehen und haben uns von den Zehenspitzen bis zu den Gäbeli der Haaren angeschaut und inspiziert 🙂 Sie schauten und sprachen aber sehr freundlich mit uns. Es war angenehm.

Hile ist auf ca. 2000 m gelegen und deshalb wurde es nachts kalt.

Auf eine warme Dusche konnten wir uns nicht freuen, denn die gabs nicht. alles nur eisgekühltes Wasser… Von guter Hausisolierung oder Heizungen kann man in Asien ja auch nicht sprechen… 🙂 Daher folgten natürlich wieder Schnupfen, Halsweh, Müdigkeit, Husten……

Auch spürten wir eine leichte Asienmüdigkeit. Das zum 1. Mal nach unseren 5 Monaten. Wir wollten soooo gerne heisses Wasser, in einem warmen Haus schlafen, wir träumten von einem Coop oder Migros (oder was auch immer), in welchem wir unsere Esswaren selber aussuchen konnten und dann in einer vertrauten Küche kochen könnten… Wir wollten in einem schönen Park auf einem Bänkli sitzen, ohne dass wir dauernd angesprochen oder angeglotzt wurden, wir wollten einige ungestörten Seiten im Buch lesen……….

Wir trösteten uns dann mit einem Tongba. Das ist ein heisses Hirsebier. Es wird in einem hölzernen Becher mit Messingrand und -deckel  serviert. Das Originale gibts nur in der östlichen Bergwelt Nepals- also gerade richtig in Hile… Es war super aber auch heimtückisch. Zuerst spürt man den Alkohol kaum, plötzlich gehts dann aber rassig zu und her!! 🙂

In Hile haben wir in den folgenden Tagen stets lecker  und sehr einfach gegessen, Wanderungen gemacht mit schöner Aussicht, Tee getrunken und die Asienkrise wieder kuriert… 🙂

Abends haben wir viele Gespräche mit Einheimischen geführt. Wir haben viele intelligente und interessante Menschen getroffen und viel mit ihnen diskutiert.

Grundsätzlich ist uns aufgefallen, dass viele Leute hier in Nepal oft Alkohol trinken und Rauchen. Wir sahen viele Betrunkene, das ist ziemlich erstaunlich. Auch heiraten die Nepalesis sehhr früh und die Männer dürfen mehrere Frauen haben, die Frauen natürlich nur einen Mann…  Sooo viele Fragen konnten wir mit ihnen klären.

Uns ist auch aufgefallen, dass die Nepalesen wie die Inder immer nur das Schöne ihres Landes hören wollen. Sobald man etwas anzuzweifeln beginnt, blocken sie ab, sind eingeschnappt oder laufen davon…  Tja, wer austeilen will, sollte auch einstecken können. Wir habens da aber einfacher. Auf  die Frage woher wir sind, wird unsere Antwort welche natürlich „aus der Schweiz“ lautet, mit grosser Bewunderung und Beneidung erwiedert. Alle finden die Schweiz ein Paradies und viele träumen von einer Reise in dieses Land. Es sei so sauber… Ja Kunststück, wir werfen den Abfall auch nicht einfach so auf den Boden:-)

Immer noch gesundheitlich ein wenig angeschlagen fuhren wir am 27.11. dann von Hile nach Dharan. Diesmal bevorzugten wir den Minibus und somit war die Fahrt deutlich angenehmer. Natürlich saugten wir auch auf dieser Fahrt wieder den Saft des Rohrzuckers aus.

In Dharan gibt’s eigentlich nicht viel zu sehen. Diese Stadt machte Schlagzeilen, als 1988 ein starkes Erdbeben 700 Menschen tötete und die Stadt grösstenteils zerstörte. Nun ist aber alles wieder aufgebaut und es ist kaum mehr was sichtbar.
Im Stadtzentrum steht ein hoher Turm welcher zur vollen Stunde ein lautes Lied von sich gibt. Es tönt wie ein schlecht gespielter Song auf einem Mini- Keyboard.:-)

Unser Besuch in Dharan war völlig relaxt, wir lasen enorm viel, haben uns von unseren gesundheitlichen Beschwerden erholt und tankten Energie.

Einmal als wir zu unserem Hotel zurück marrschierten, sahen wir wie mehrere Männer gerade ein Schwein mitten auf der Strasse auf einen Holztisch legten und bereitmachten zum Schlachten. Das arme Tier fiel noch vom Tisch weil es sich so sehr wehrte und gab enorm laute Geräusche von sich. Ich konnte nicht zusehen und nicht zuhören. Ich wechselte die Strassenseite und hielt meine Ohren zu. Mein Vegetarierherz leidete:-) sehr oftmals werden wir gefragt ob denn Samuel immer noch Vegetarier ist. Ja, er ist seit unserer Ankunft in Asien ohne Fleisch unterwegs und ich denke es ist verstänklich, wenn man täglich die umgebrachten Tiere auf einem Holztisch sieht… oder? 🙂 Wir haben ein Herz für Tiere. 🙂

Wir mussten lachen, als wir auf der Suche nach Geldautomaten waren. Wir versuchtens bereits bei einigen, bis wir dann zum Letzten kamen. Er stand in einer kleinen Garage. Es war eine Baustelle. Schutt, Dreck, Staub, alte Gegenstände… Aber mittendrin stand der ATM-er glänzte wie neu. Herrlich, auch das sieht man doch nirgends in der Schweiz…

Der nächste und letzte Tag in Dharan verbrachten wir indem wir am Morgen einen Tempel besucht hatten. Er war nicht spektakulär. Wir sind auch langsam tempelmüde und davon gesättigt…. 🙂 Wir genossen die Natur noch, bevor’s wieder zurück in die Hauptstadt ging…

Am Nachmittag fuhren wir dann zurück nach Kathmandu. Schliesslich müssen wir ja nun endlich unser Visa für Indien beantragen. Zum ersten Mal (ohne unser Wissen) hatten wir einen Luxusbus. Im Bus war ein TV auf welchem ein schlechter Nepali Film gezeigt wurde, das „Personal“ verteilte je  1 Flasche Wasser und je 1 Snack. Die Dame felhte noch, welche im Korridor den Notausgang zeigte und die Erklärungen zur Sauerstoffmaske abgab. Sonst hätte man gemeint wir sitzen in der Lufthansa oder Swiss…:-) Das Holpern und dadurch das Ausfallen des DVD’s zeigte uns dann, dass wir doch noch in Nepal sind…

Phuu, nach der langen Fahrt kamen wir endlich in Kathmandu an. Wir checkten im Hotel ein und machten uns gleich auf den Weg zur indischen Botschaft. Dort warteten schon uuuuuu viele andere Touristen, die dieses verrückte Land besuchen möchten. Zuerst muss man eine Nummer ziehen, wie bei uns auf der Post. Danach muss man ein Formular ausfüllen. Den Antrag erstellen. Nachher wenn man drann kommt, nach etwa 3 Stunden warten, muss man das erhaltene Formular abgeben und 300 Rupien bezahlen. Man kriegt erneut ein Formular, welches man zu Hause ausfüllen muss. Nach einer Woche geht man wieder auf die Botschaft mit dem ausgefüllten Formular, zieht wieder eine Nummer, wartet wieder 3 Stunden und dann gibt man das Formular ab, bezahlt noch 3’700 Rupien und gibt den Pass ab. Am selben Tag aber abends um 17.00 Uhr geht man erneut vorbei und wenn man Glück hat, hat man nun ein indisches Visa im Pass. 🙂

Die indischen Angestellten in der Botschaft waren sehr sehr unfreundlich. Wir fragten uns für einen kurzen Moment, ob wir wirklich ein Visa haben möchten und somit zurück nach Indien wollen!?! Aber klar, wir wollen’s. Denn Indien ist sooo faszinierend und hat uns in den ersten 3 Monaten viel aufgezeigt, gelehrt und gegeben. Wir freuen uns auf mehr!!! 🙂

Die Tage in denen wir warten mussten, verbrachten wir mit Lesen, Vorbereiten für Indien, Käffele in unser Lieblingsbäckerei, lädele…

Am Samstag entschlossen wir uns nach Patan zu fahren. Wir hörten von einem Meditationszentrum. Aus Zeitgründen nahmen wir ein Taxi. Als wir in Patan ankamen, wusste weder der Taxifahrer noch die Polizei oder sonstige Einheimische wo dieses Mediationszentrum sein sollte. Wir hatten keine genaue Adresse, wir wussten nur den Bezirksname und das eine Kirche neben diesem Zentrum ist.  Nach langem fanden wir diese Kirche. Wir bezahlten den Taxifahrer und fragten eine Frau welche bei der Kirche stand  wo denn dieses Zentrum sei. Sie sagte dass sei nicht hier. Das gäbe es nicht in Patan. Somit fragten wir, ob wir diese Kirche besichtigen können. Sie sagte, es sei die einzige katholische Kirche in Nepal und es starte gerade eine Messe. Der einzige Hacken war, dass die Messe auf Nepali war. Somit verstanden wir nichts. Es war trotzdem eine wundervolle Stimmung. Die Kirche war bis hinten besetzt. Alle sassen in Reihen auf einem Kissen auf dem Boden. Fröhliche Lieder wurden gesungen und der 2. Advent wurde gefeiert.

Übrigens wurde vor wenigen Jahren ein Attentat von Hindufanatikern auf diese Kirche ausgeübt. Aus diesem Grund wird sie bewacht und Sicherheitsmassnahmen wurden vorgemommen.

Bill war zur selben Zeit wie wir in Kathmandu.  Natürlich trafen wir uns oft. Zum Käffele, plöiderle und feini Sache ässe… Das macht man immer mit Bill! 🙂 Aber auch Aktivitäten liebt er sehr. Daher entschieden wir uns gemeinsam eine kleine Wanderung zu machen. In unserem Führer wurde diese Route mit 1200m Höhendifferenz beschrieben. Wir  trafen uns am Morgen früh und fuhren mit dem Bus ca. 40 min. bis wir ein ruhiges Dorf erreichten, wo unsere Wanderung startete. Schnell spürten wir, dass diese Wanderung kein Zuckerschlecken wird. Nach kurzer Zeit färbte sich unser Gesicht rot und keuchend schleppten wir uns steil nach oben. Auch Samuel bemerkt nun langsam die Spuren der 5 monatigen Reise…Muskelschwund, schlappe Beine und eine lahme Lunge… 🙂

Diese Wanderung bestand eigentlich nur aus Treppen. Samuels Aussage auf mein Gemotz war: Das ist das beste Training für Bauch, Beine, Po 🙂

Nach ca. 3 Stunden harter Arbeit erreichten wir unser Ziel auf 2790 m.ü.m. Eine Belohnung in Form von guter Aussicht bekamen wir nicht, stattdessen sahen wir wolkenverhangerner Himmel wobei  sich die Sonne nur kurz zeigte.

Nach einer Pause führte uns der selbe Weg wieder zurück. Gute Gespräche mit Bill und die gemeinsame Freude an der Natur und der sauberen Luft machten diesen Ausflug perfekt.

Heute Morgen machten wir uns auf den Weg zur Indischen Botschaft. In unserem Lieblingscafe trafen wir ein letztes Mal Bill. Er flog heute nach Thailand. Wer weiss, wo sich unsere Reisewege zum nächsten Mal kreuzen 🙂

Auf der Indischen Botschaft war wieder warten angesagt. Wie letztes Mal schon, war es spannend all diese verschiedenen Menschen zu beobachten. Es war ein buntes Treiben und vorallem ich war froh über diesen amüsanten Zeitvertreib. Nach nur 3 Stunden waren auch wir an der Reihe. Am Abend mussten wir dann nochmals vorbei. Es hiess zwischen 17.00 nund 17.30 Uhr hätte man den Pass. Die Schlange vor der Botschaft wurde immer länger. Als es dann um 17.45 mal endlich losging, waren Samuel und ich Glückskinder, indem wir unseren Pass gleich zurückerhielten. Denn es gab andere, die auch gewartet hatten und dann als sie beim Schalter vorne waren, sagte man ihnen, dass ihr Pass noch nicht hier sei. Sie müssen noch warten. Ach es war mühsam und wieder einmal halt eine typische indische Bürokratie. Die Atmosphäre war angespannt… 🙂

Ja, nun haben wir unser indisches Visum im Sack, oder besser gesagt im Pass. Nichts steht uns mehr im Wege, um erneut in dieses faszinierende Land  einzutauchen. Jetzt heisst es aber Abschied nehmen von Nepal.

Diese zwei Monate in Nepal vergingen sehr schnell.

Nepal raamro chha –  Nepal ist schön!!!

Bei aller (notwendigen) Veränderung ist Nepal nach wie vor ein wunderbares Land, mit wunderbaren Menschen, herrlichen Landschaften und Heiligtümern.

Die Menschen in Nepal sind unserer Meinung  nach etwas ganz besonderes.

Sie sind freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit, witzig, gläubig und unheimlich weise. Wenn man ihnen begegnet, erfährt man stets Freude und Respekt. Das kann von Region zu Region verschieden sein. Man kann die Menschen die vom lauten Stadtbild Kathmandus geprägt sind, nicht mit den Menschen vergleichen die noch wie vor hunderten Jahren in den Bergen leben. Hier gibt es eine Spanne die gewaltig ist.

Die Menschen in Nepal sind arm und doch teilen sie mit dir ihr Essen. Das finden wir ganz besonders bemerkenswert. Wieso können wir das nicht? Es gibt genug Lebensmittel für Menschens Bedürfnisse, doch nicht genug für seine Gier.

Viele eindrückliche und wundervolle Erlebnisse  nehmen wir mit. Unser Herz wird gefüllt mit den bleibenden Erinnerungen an die bewundernswerten Menschen und die atemberaubende Natur… Es waren 2 wunderschöne und unvergessliche Monate, welche wir in Nepal erleben durften.

Nun wünschen wir euch eine schöne, besinnliche Adventszeit! Lasst euch nicht aus der Ruhe bringen! 🙂  Möget ihr viel Licht und Wärme erfahren.

Liebe Umarmung

Samuel und Nora

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