Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for November 2011

Die Ruhe des Himalaya’s

Hallo unsere Lieben…

Wir haben Euch im letzten Bericht von einem Trek geschrieben. Schliesslich sind wir in Nepal und hier keinen Trek zu machen wäre ja fast eine Schande. Wir nutzten einige Tage zur Vorbereitung und erkundigten uns über verschiedene Treks. 2 kamen in die engere Auswahl. Für uns war im Vornherein klar, dass wir die Annapurnaumrundung nicht machen wollten, da diese völlig touristisch ist-besonders zur jetztigen Jahreszeit.  Auch die Everestregion ist im Moment völlig überfüllt.

Der Besitzer unseres Gasthaus hat uns dann einen Führer empfohlen. Er war früher „Träger“ und nun Guide. Er habe viele Erfahrungsjahre. Wir vereinbarten dann mit Passang (so heisst er) ein Treffen und diskutierten die Vor- und Nachteile über unsere 2 Favoritentreks. Aufgrund der Finanzen entschieden wir uns, für den 1 wöchigen Mardi Himal Trek.

Der Mardi Himal liegt zu Füssen des heiligen Berges Macchrapuchare und ist 5587 m hoch. Passang sagte uns, dass es ein sehr besonderer und untouristischer Trek ist. Wir freuten uns auf die ruhige Zeit in den Bergen und die fast unberührte Natur.

Am Donnerstag, 13.10. am Morgen trafen wir uns mit Passang. Die Rucksäcke vollgepackt mit den üblichen, notwenidgen Dingen und mit viel Zuckerproviant gings los. Zuerst mussten wir ca. 45 min. Bus fahren, wo unsere Wanderung dann los ging. Das einzige öffentliche Fortbewegungsmittel ist der Bus, daher war dieser wieder absolut vollgestopft.

Der erste Teil des ersten Tages war sehr anstrengend, begleitend mit heissen Temperaturen.  Wir bewältigten innerhalb von wenigen Stunden viel Höhenmeter. Der Weg führte über viele steile Steinstufen, durch dichte, schöne Wälder und terrassenähnliche Felder, begleitet mit Vogelgesängen. Der Blick auf den Himalaya blieb uns aber verwehrt.

Als wir am Nachmittag müde in einem kleinen Örtchen ankamen, wo’s gerade mal 2 Lodges hatte und 3 Tische voll mit Süsswaren, freuten wir uns aufs einheimische Essen.  Bei Kerzenschein, diskutierten wir noch lange mit Sherpa über die Probleme Nepals und das Glücklichsein. Passang und ich tranken dann noch einen lokal gebrannten Schnaps, welcher aus einer spannenden Pflanze hergestellt wird.  Er schmeckte gut, den Alkohol spürte man fast nicht. (Gefährlich 🙂 )

Ausgeruht und voller Wanderdrang genossen wir am nächsten Morgen das Frühstück und starteten die 2te Etappe 🙂   Wir wanderten durch kleine Dörfer, welche kaum oder gar nicht berührt sind vom Tourismus. Unsere Anstrengung wurde an diesem Tag belohnt, mit wundervollem Blick auf den Himalaya.  Auch dieser Tag war mit grosser Anstrengung verbunden. Bis wir zu unserem Ziel gelangten, mussten wir keuchend 8 Stunden  aufwärts  viele Meter bewältigen.  Zu meiner Überraschung hörte ich kein einziges Murren von Nora. Sie machte wirklich eine gute Figur (der rote Kopf behielt sie aber trotzdem) 🙂 !!!

Das blaue Wunder erlebten wir dann an unserer Übernachtungsstätte. Es war eine winzig kleine Steinhütte mit modrigen und feuchten Bettlacken, sowie enorm vielen Ungeziefern. Die Spinnen waren riesig und Nora hatte sogar vor dem Schlafen noch Besuch von zwei Blutegeln. Wir beteten das diese Nacht schnell vorbei ging.

Unausgeruht und nicht so erfreut über diese Nacht, assen wir unser Tibetenbrot und genossen einen heissen Tee. Das Ziel an diesem Tag war das High Camp. Wir durchquerten immer noch Dschungel und konnten aber immer wieder einen Blick auf die Bergkette erhaschen. Wir hatten immer ein schnelles Tempo angeschlagen und überholten alle Gruppen die vor uns gestartet waren. Von den Amerikaner bekamen wir zu hören, dass wir sicher in den Bergen leben müssen, wenn man so schnell diesen Berg hochgeht…

Das High Camp war den schweizer SAC Hütten ähnlich und die Temperatur war der Höhe entsprechend  kalt. Die Gegend war nun eher kahl und das Atmen bereitete uns schon mehr Mühe. Das Vorbereiten des Essens brauchte stets viel Zeit, da die Küchenausstattung sehr „primitv“ ist. Wir diskutierten viel mit den einheimischen und den 2 kleinen Touristengruppen.  Auch fliessendes Wasser gabs keins. Es muss alles in Behältern mühsam hochgeschleppt werden.

Auf dieser Höhe sind die Preise natürlich viel saftiger und man bezahlt für ein nepalesisches Dal  das Doppelte als z.B. in Pokhara.

Als wir beim High Camp ankamen, war es neblig und die Sicht auf die wunderschönen Bergen eingeschränkt. Wir hofften sehr, dass wir am nächsten Tag unseren Aufstieg zum Base Camp bewältigen könnten.

Die Nacht war bitter kalt. Eingemummelt in warmer Unterwäsche, Kappe und Handschuhe, lagen wir im Schlafsack und zitterten am ganzen Leibe…. Mein Schlafsack ist, glaube ich, nicht mehr so gut, er ist sich diese Höhe wohl nicht mehr gewohnt…

Um 04.00 Uhr wurde ich aufgrund meines Blasendrangs wach. Als ich ins kleine Hüttchen  ging um mein Geschäft zuverrichten, sah ich den sternenklaren Himmel und wusste, dass an diesem Tag das Glück auf unserer Seite war und wir das Base Camp erreichen könnten! Mehrere Gruppen mussten wieder zurück, da das Wetter sehr schlecht war in den vorherigen Tagen…

Eine Stunde später kamen die 2  Amerikaner, welche wir kennengelernt hatten um uns überglücklich  zu verkünden, dass das Wetter schön und klar sei und unserem Ziel nichts mehr im Wege steht. Wir standen nach Draussen und genossen die wundervolle Stimmung und die Ruhe (es war noch niemand wach, ausser wir 4) und wir schossen viele Erinnerungsfotos.

Schnell einen Tee und Twix verschlungen und Abmarrsch… Der Aufstieg zum Mardi Himal Base Camp war wirklich sehr sehr steil. Die Anstengung war gross, unser Tempo blieb aber hoch, da wir ja wirklich die wundervolle Aussicht auf den Himalaya voll und ganz geniessen wollten.

Der Weg nach Oben war schwierig zu finden-zum Glück hatten wir Passang mitdabei. Die Wege sind nicht gekennzeichnet und man wandert wahrlich über Stock und Stein…

Wow, oben endlich angelangt waren wir völlig beeindruckt von dieser zauberschönen Aussicht auf die Himalayaberge…  Steile Felsen, Schnee, blauer Himmel und keine Touristen. Was für ein perfekter Moment!!!!!! Der Blick auf den Mardi Himal, die Annapurna Familie, Machhapuchhare, Himalchuli usw. war gigantisch!!

Wir waren überglücklich und spürten so viele intensive Gefühle: Dankbarkeit, Glück, Freude, Zufriedenheit, Stolz, Ehrfurcht für die wunderbare Natur… Alles war so ruhig und unberührt. In diesem Moment gehörte die Welt uns 🙂

Der Abstieg (zurück ins High Camp) war nicht Ohne, da’s so steil bergrunter ging. Aber mit Diskussionen, Singen, Lachen, genügend Pausen und Staunen geht doch alles einfacher… Am Ende spürten wir dann unsere Knie doch sehr stark.

Den Rest des Tages und die Nacht blieben wir dann nochmals dort. Wir waren mittlerweile alleine. Die deutsche Touris gingen gar nicht zum Gipfel hoch, da sie wohl zu spät aufgestanden waren und die Nebelschwaden bereits von unten hochzogen…  🙂 Das amerikanische Paar hat nach 3/4 der Wanderung „aufgeben“ müssen, da sie mit Höhenkrankheitssymptomen zu kämpfen hatte.

Am nächsten Tag gings wieder in Richtung runter.  Wir marrschierten durch schöne Wälder, durch Reisterassen und über abgelegene und einsame Hochalmen. Die spektakuläre Aussicht auf die silbernen Bergen, Schluchten, Flüsse und Täler faszinierte uns jede Minute neu…

Sherpa wollte mit uns bis nach Siding gehen. Das ist ein kleines Dörfchen wo man die Einheimischen  beobachten kann beim Kochen in den munzigen Küchen, arbeiten auf den Reisfeldern, diskutieren, Holzarbeiten, beten und einfach das Leben genossen draussen an der frischen (Berg-)luft.

Nora und ich fanden aber, dass wir gut no ein paar Stunden mehr wandern könnten, damit wir an darauffolgenden Tag nicht 8 Stunden marschieren müssten. Sherpa war einverstanden und somit genossen wir in Siding zum Zmittag eine Fertig-Nudelsuppe (Verkaufspreis in Shops 20 Ruppies, wir bezahlten 180/Person :-))

Gestärkt ging der Marrsch weiter. Steil bergab durch dichte Wälder. Natürlich waren unsere Freunde,die Blutegeln, auch immer mitdabei. Sie wurden aber zu einer Plage und besonders Nora war vollgekleistert und  sie war nahe daran, vor Entsetzen den Hang hinunter zusausen… 🙂

Nach langem Marrsch und müden Beinen erreichten wir ein Gasthaus (es sah aber absolut nicht nach Gasthaus aus).  Wir durften im Dachstock dieser Familie nächtigen. Auch hier war’s wieder eine Prüfung. Überall riesengrosse Spinnen mit leuchtenden Augen, welche sich dort frei bewegten.

Der letzte Tag war angebrochen.  Wir überquerten noch einige Hängebrücken

und Wehmütig bewegten wir uns wieder in die zivilisierten Gebiete.

Die Ruhe  wurde abgelöst durch Menschenmengen, Autolärm und bettelnden Kindern. Schön war’s, dass wir die Ruhe und die „heile“ Welt in den Bergen geniessen durften.

Nach einer aufwändigen Waschaktion und einer nötigen Dusche, wurden wir zum Abendessen bei Passang und seiner Familie eingeladen.

Unglaublich… Wir sassen im einzigen Zimmer, welches sie besitzen. So gross wie ein kleines Schlafzimmer. Dort lebt Passang mit seiner Frau und 3 Kindern. Auch die Küche ist dort integriert. Sofa gibts natürlich keins, nur 1 Bett und wir sassen auf kleinen Stühlchen. Um die tägliche Toilette zu verrichten, müssen sie einen Stock runter in den kahlen  Korridor und eine Dusche existiert nicht, sie müssen dafür im See baden gehen.  Für uns unvorstellbar… Passang sagte uns, dass er sich halt schon eine grössere Wohnung wünsche, es sei aber alles so teuer. Auch betonte er mehrmals, dass er aber trotz dieser Mini- Wohnung sehr glücklich sei! Für ihn sei es das höchste Glück, dass es seiner Familie gut gehe und das sei ja so. Also was wolle er mehr?!? Ja, es war enorm schön, diese Worte von ihm zu hören. Er lebt mit dem Minimum und ist glücklich… Viele Menschen sind mit dem Maximum nicht einmal zufrieden…

Eine schöne Woche und davon der letzte Abend ging zu Ende. Passang ist ein spezieller, sehr interessanter Mensch mit guten Ansätzen. Wir legten uns müde und glücklich zu Bett.
Danach startete unser verdienter Erholungstag in Pokhara, mit Muskelkater und müden Beinen. Wir flexten am See, schlenderten von Café’s zu Café’s und assen uns die Bäuche voll…
So, es war Zeit Pokhara zu verlassen und somit machten wir uns am Morgen früh auf die Socken zum Touristenbusbahnhof. Wir trafen dort alles andere als Asien an… Ein Platz von Touristen übersäht und unmengen von Bussen welche startklar in einer Reihe standen. Man sieht, dass Nepal sehr vom Tourismus geprägt ist. Hier ist vieles auf den Westen abgestimmt. Somit sieht man manchmal das wahre nepalesische Leben kaum noch.

Kathmandu war unser Ziel.  Als wir nach vielen Stunden Busfahren endlich ankamen, teilten wir gleich mit einer anderen Touristin das Taxi und fuhren nach Boudha.

Boudha ist etwa 5 km entfernt vom Kathmanduzentrum.  Das grösste Wahrzeichen hier  ist der grosse Stupa mit 36 m Höhe. Dieser gehört zu den weltweit grössten Bauwerken seiner Art und gilt als wichtigster  tibetischer Stupa ausserhalb Tibets.

Wir fühlten uns hier sehr schnell wohl. Es schien alles sehr ruhig und relaxed zu sein. Die Buddhisten hier sind halt wirklich ein gemütliches ruhiges Volk.

Wir fanden ein schönes Hotel welches gerade neben einem Kloster liegt. Somit ist da nichts mit Ausschlafen, die Mönche beginnen immer sehr früh Morgens mit dem Gong, Trommeleien und Gesängen. Aber es ist ein schönes Aufstehen so… 🙂

Zur Abenddämmerung und bei Morgengrauen befinden sich die meisten Buddhisten um den Stupa herum. Dabei kann man beobachten wie sie  ihre „kora“ verrichten, indem sie dem Tempel im Uhrzeigersinn umwandeln und sich auch zu Boden werfen.

In Vollmondnächten werden zigtausende Butterlämpchen auf den Terrassen, welche den Stupa umgeben, entzündet.

Den ersten Tag in Boudha gingen wir langsam an. Wir genossen die Atmosphäre sehr. Alles war so gemütlich und ruhig. Um den Stupa herum hats wunderbare Café’s, welche aber z.T. sehr teuer sind… 😦

Auch hats hier in Boudha um den Stupa herum viele verschiedene Klöster. Wir schauten uns diese an. Hatten mit einigen Mönchen gute Gespräche und hörten ihren senoren Gesängen zu.

Am darauffolgenden Tag entschlossen wir uns, Kathmandu anzuschauen. Wie soll man die Hauptstadt Nepals wohl beschreiben. Chaotisch, einzigartig, Freizeitpark, Müllhalde, heilige Stadt, indische Stadt,Touristenfalle,  Umweltskandal….. Ja, jedes einzige Wort trifft auf Nepals weltoffene Metropole zu… 🙂

In Kathmandu sind verschiedene Stadtteile. Wir besuchten mehrere. Thamel war sehr touristisch. Überall gibts Restaurants mit westlichen Mahlzeiten, Souveniershops zum verblödeln,  gefälschte Trekkingausrüstungen. Thamel erinnert an einen überdimensionalen Themenpark.  Übrigens wurde ich dauernd, aber wirklich Schritt für Tritt von Einheimischen verfolgt und gefragt, ob ich denn nicht Tigerbalsam oder Haschisch kaufen möchte… Nicht? Dann doch lieber Pilzli!?! mmhh, Nora und ich amüsierten uns göttlich!

Auch besuchten wir den Durbar Square. Das ist ein Platz in der Altstadt, wo man traditionelle Architektur und viele Tempel antrifft.

Bevor wir dann tatsächlich einige 100 Rupies bezahlten für den Eintritt, kam ein betrunkener, völlig verbluteter Mann auf Nora zu und sprach verärgert und aggressiv auf sie  ein. Er erhob sogar seine Hand, als wolle er sie schlagen. Den genauen Grund wussten wir nicht, wahrscheinlich war’s, weil sie die Fotokamera in der Hand hielt und er dachte, dass sie eine Foto von ihm machen werde. Ich und noch ein paar andere Männer gingen dann dazwischen und konnten die Situation somit entschärfen. Beamte und der eine Ticketverkäufer kam zu uns und war wirklich sehr um Noras Wohlbefinden besorgt. es ging ihr aber wirklich gut und es ist ja nichts geschehen. 🙂

Wir sahen uns noch einige Sehenswürdikeiten an und freuten uns dann wieder zurück nach Boudha zu gehen.

In Kathmandu könnte man im Übrigen wunderschöne Aussicht auf diverse Bergen haben. Nur ist es leider so, Kathmandu zählt zu den Städten mit der stärksten  Luftverschmutzung der Welt: Verkehr und Abgasnebel in den Hauptstrassen sind entsetzlich.  Die stetig wachsende Zahl an Verkehrsmitteln (Autos, Busse, Lastwagen,Töffe),  Müllhalden, lasche Emissionstests, schlecht gepflasterte Strassen usw. führen dazu, dass die Luftqualität regelmässig höchst ungesunde Ausmasse erreicht.  Es reizt die Lungen, Augen und schwächt das Immunsystem somit…  Auch weiss man, dass es viele Langzeitrisiko verschiedner Gesundheitsprobleme erhöht. Also wirklich nicht ein erholsamer Ort.

Am nächsten Tag machten wir uns trotz Verschmutzung erneut nach Kathmandu. Unser Ziel war unter anderem eine kurze Wanderung nach Swayambhu. Wir mussten ganz viele Treppen bewältigen bis wir oben bei dem Tempelkomplex ankamen. Man hat einen herrlichen Blick auf das Kathmandutal. Dieser uralte Stupa zeigt viele  geschichtliche Hintergründe auf. Ich denke das alles hier aufzulisten würde euch nur langweilen. 🙂

Am nächsten Tag erholten wir uns wieder einmal in Boudha. Richtig gemütlich, Kaffe um Kaffe, Essen um Essen, lesen um lesen…….

Wir waren bereit wieder etwas zu unternehmen. Wir wollten Pashupatinath besichtigen. Pashupatinath (Herr des Lebens) ist Nepals heiligster hinduistischer Pilgerort.  Dieser Ort liegt am heiligen Fluss Bagmati. Es ist ein überwältigendes Gewimmel aus unzähligen Tempeln, Statuen, Pilgern, halbnackten Sadhus… Und es ist vor allem der Anblick der öffentlichen Leichenverbrennungen. Wir verbrachten einige Stunden an diesem heiligen Ort und beobachteten die Badenden, Betenden und trauernden Familien, welche sich um die Ghats versammeln. Wir sahen auch Leichenverbrennungen.

ich

Die meist in gelbe Tücher gehüllte Leiche wird zu den Verbrennungsstätten getragen, wo ein Scheiterhaufen errichtet wird. Vor der Verbrennung bespritzt man die Leiche mit dem Wasser des heiligen Flusses oder wäscht die Füße im Wasser. Die Leiche wird dann von oben mit feuchtem Stroh bedeckt. Wenn die Familie es sich leisten kann, verwendet man zur Verbrennung neben normalem Holz zusätzlich das kostbare, duftende Sandelholz. Der älteste Sohn umschreitet dann den Scheiterhaufen fünfmal im Uhrzeigersinn, entsprechend der heiligen Zahl fünf, die im Hinduismus die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und den Äther, repräsentiert. Danach zündet er (ersatzweise die älteste Tochter oder ein Priester) mit einem mit Butter getränkten Strohbüschel den Scheiterhaufen an, das er dazu in den Mund des Toten steckt.  Nach etwa vier Stunden ist die Leiche zu Asche verbrannt, die in den Fluss geschüttet wird.

Die Stimmung war für uns schwierig. Sie war vermischt mit heiligen Zeremonien, intimen Prozessen des Abschiednehmens und nebendran Händler die mit Souveniers Geld machen wollten, begleitet alles natürlich von Touristenführungen. Mit gemischten Gefühlen, aber tief berührt verliessen wir dann diesen Ort wieder.

Wir staunten sehr über die Offenheit der Hindus bzgl. des Todes. Viele unserer Vorstellungen, Wünsche und Fragen bezüglich Sterben diskutierten Nora und ich noch lange. Wir schlossen beide daraus, dass wir zu stark von unserer Kultur geprägt sind, um eine solche Offenheit gegenüber diesem intimen Augenblick inderselben Art vollziehen würden.

Die nächsten Tagen verbrachten wir in Boudha. Wir waren krank. Vielleicht hat uns Kathmandu so lahm gelegt!?!  Das heisst, wir hatten eine absolut starke Erkältung, husten, Schnupfen, Nora wieder ein wenig Ohrenschmerzen, Schwächegefühle, Kopfschmerzen und was sonst noch so alles für Symptome dazu gehören.

Am 28.10 mussten wir dann mal wieder unser Hotel wechseln, da es ein Missverständnis gab. Das heisst, es gab ein Kommunikationsproblem von der Hotelseite. Es ist nach wie vor saison in Nepal und besonders schwierig ein gutes  nicht zu teures Hotel zu finden. Wir mussten ca. 8 Hotels abklappern, bis wir dann wirklich ein wunderschönes gefunden hatten.

Am 29.10. waren wir dann wieder ein wenig fitter und somit entschieden wir uns einen Spaziergang zu machen nach Kopang. Dort ist ein buddhistisches Kloster, wo ca. 360 nepalesische und tibetische Mönche und Nonnen leben.

Dort werden diverse Meditationskurse und Unterkünfte angeboten. Viele der „Westelern“ kehren dort für meherer Wochen ein.

Kopang liegt auf einem Hügel, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht auf den Boudha-Stupa und auf Kathmandu (wenn nicht eine Smogglocke darüber hängt) hat. Wir genossen die Aussicht über die Landschaft, die Stille in der Meditationshalle, das leckere Essen auf der Terrasse des Klostercafés und die wunderschön gepflegte Anlage des Klosters.

Beim Eingang des Empfang Büros hing eine Tafel, wo jeweils der Spruch des Tages aufgeschrieben wird. Auch überall auf den Wänden stehen passende und berührende Sprüche.

Am nächsten Tag 30.10. haben wir uns entschlossen die Stadt Baktapur zu besichtigen. Es herrscht eine Mittelalterliche Atmosphäre in Bhaktapurs gepflasterten Strassen und engen Gassen: man sieht Frauen die ihre Wäsche an öffentlichen Wasserhähnen waschen, Männer sitzen in traditioneller Tracht in den überdachten Loggien herum, an der Strasse hockende Bauern bieten Gemüse an und viele Gläubige besuchen die Tempel der Stadt.

Die Stadt gefiel uns sehr. Was uns ein bisschen enttäuscht hat war, dass die westlichen Ausländer 15 US Dollar Eintrittsgebühr für Bhaktapur bezahlen müssen.  Sie sagen, es wird für Renovationen, Sauberhaltung der Stadt, Ausbildungen und soziale Projekte benötigt. Alle bestätigten aber unseren Verdacht, dass dieses Geld von der Regierung eingesackt wird und nicht für das Versprochene eingesetzt wird… Nun ja, wir bezahlten und genossen einen schönen Tag.

Am 31.10. haben wir uns dann in Boudha noch mit Bill getroffen. Erinnert ihr euch noch an Bill? Der Kanadier welcher schon fast die ganze Welt bereist hat und auf dieser Reise immer die selbe Kleider trägt, weil er nur diese mitgenommen hat. 🙂 Wir haben mit ihm die Jeep tour in Indien gemacht…  Es war ein schönes Wiedersehen und wir hatten uns vieles zu erzählen. Er war inzwischen noch kurz in Tibet, dies gefiel ihm aber nicht sonderlich, da die Chinesen überall und alles kontrollieren und mit Waffen umherstehen. Auch muss man ja mit einer Reisegruppe nach Tibet und kann nicht alleine Einreisen. Er war dann mit 32 anderen unterwegs und fand das ganz mühsam…  Bill ist ein toller Mensch und wir genossen den Tag mit ihm. Übrigens hat er nun auch noch neue Hosen und ein neues T- Shirt 🙂

Da wir schon so viele verschiedene Sachen ausprobiert hatten und im asiatischen Raum die Meditation ja sehr häufig praktiziert wird, entschlossen wir uns am  1.11. für 12 Tage einen Vipassana Meditationskurs zu machen. Das ist eine buddhistische Meditationsform, ist aber nicht von religiöser Absicht.  Nora und ich hatten viele und gute Erfahrungen mit dieser so unkomplizierten Methode gemacht. Hier in Asien wird  Meditation sehr stark in den Alltag eingebaut. Es ist eine Normalität und gehört hier ins Leben von den meisten Menschen. Auch wir hoffen weiterhin noch einige Erfahrungen in dieser Richtung sammeln zu können.

Nach der Vipassanameditation sind wir wieder zurück nach Boudha gefahren. Wir gönnten uns ein lockeres, relaxtes Wochenende. Das war genau der richtige Entscheid wieder zurück in die Zivilisation-zum realen Leben zu kommen. Das ist nach einer solchen Meditation in einem abgelegenen Zenter nämlich nicht so einfach… 🙂

Am Montag fuhren wir dann wieder nach Kathmandu auf die indische Botschaft. wir wollten nämlich unser indisches Visa besorgen, damit wir gerade am 1.12. in dieses verrückte aber so faszinierende Land einreisen können.  Aber natürlich geht das alles nicht so einfach wie wir uns das vorgestellt hatten. Diese Bürokratie…. Wir Schweizer haben vor der Abreise  ja ein indisches Visa für 6 Monate gekriegt, mussten aber nach 90 Tagen aus dem Land für 60 Tage (sind eine der wenigen Nationen mit dieser Regel… Weiss Gott weshalb…). Somit sind wir ja wie vorgeschrieben nach 3 Monaten aus Indien gereist und in Nepal angekommen. Ende November sind wir 2 Monate hier. Wir wollten uns das Visa nun bereits holen, damit wir dann bald nach Indien zurück gehen können und uns dabei den östlichen Teil Nepals anschauen könnten. Aber sie stellen uns kein Visa aus, bis diese 2 Monate abgelaufen sind. Wir fragten dann ob sie uns nicht ein Visa ausstellen können vom 1.12.11. Aber klar, das geht natürlich nicht…. Hmmmm… somit müssen wir nun wieder zurück nach Kathmandu Ende Monat auf die Botschaft, dort an einem Tag einen Zettel ausfüllen einige Rupies hinlegen und erst eine Woche später nochmals kommen und den Pass abgeben und einige Stunden später erneut auf der Botschaft erscheinen und dann das gültige Visa im Pass abholen zu können und natürlich nochmals Rupies hinlegen. Ist diese Bürokratie nicht kompliziert?! aber gut, wir sind ja flexibel und akzeptieren das 🙂 Das Touristenvisa verlängern sie einem drum nicht gerne und wenn sie’s tun, dann nur für 10-15 Tage.

Am nächsten Tag am Morgen früh um 04.00 Uhr standen wir auf und machten uns bereit. Wir wollten die Morgenstimmung in Boudha nochmals geniessen. Die vielen Gläubigen die den Stupa umrunden und dabei beten, die vielen Tauben, die Ruhe, die leuchtenden Kerzen und die rituelle Räucher-Opferung. Auch gaben wir eine kleine Spende um die gold-gelben  Farbe an der Stupa neu anzubringen. Sie strahlte danach in neuem Glanz wie Neu :-)))

Am 16.11. fuhren wir nach Patan.  Patan ist die viertgrösste Stadt und liegt im Kathmandutal. Patan bildet  mit Kathmandu eine Doppelstadt. Im Vergleich zu Kathmandu ist Patan ruhiger, weniger hektisch und mehr buddhistisch orientiert.  Während die Einwohner Kathmandus nach Macht und Reichtum streben, sind die Bewohner Patans eher an den schönen Dingen des Lebens interessiert- daher vielleicht auch Zweitname der Region LALITPUR (Stadt der Schönheit).

Wir sahen uns ganz viele verschiedene Sehenswürdigkeiten an und wie fast überall in Nepal mussten wir auch hier Eintritt bezahlen für die Besichtigung verschiedener Plätze, Tempeln usw.

Übrigens wurden wir von einem Nepalesen gefragt ob das stimme, dass die Schweiz keine Polizei habe? Er habe das von verschiedenen Leuten schon gehört. Wir verneinten. Er habe gehört, die Schweiz brauche keine Polizei weil alles sehr friedvoll und ohne Probleme ablaufe… 🙂 Wir schmunzelten und klärten ihn dann auch auf.  Bei uns läuft die Polizei ja sogar durch die Altstadt von Solothurn und schimpft mit jedem, der in einer gewissen Zeit mit dem Velo unterwegs ist… Und hier wird man fast überfahren von den verrückten Töff-, Velorikscha- und Autofahrer… Und die Polizei duldet ja hier auch 3 Personen ohne Helm auf einem Motorrad!?!  🙂

So, nun geht unsere Reise wieder weiter in östliche Richtung. Es ist Zeit neues zu sehen 🙂 Wir sind ja gezwungen wieder zurück zu kommen in die stickige, staubige Hauptstadt Nepals…

Im Übrigen hätten wir gerne von Patan und das obligate Nora/Samuel Foto noch downloaden wollen, doch aus irgendeinem komischen Grund geht mal wieder nichts…  Das nächste mal dann wieder 🙂 Sorry!!!

Liebe Umarmungen und schaut, dass ihr von der schweizer Polizei nicht bei etwas „ilegalem“ erwischt werdet…. 🙂

Nora und Samuel

Read Full Post »