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Archive for August 2011

Die Fahrt mit dem Bus begann am Morgen frueh am 22.8. von Bundi nach Udaipur. In brennender Hitze kamen wir am spaeten Nachmittag in der romantischsten Stadt Rajasthans (oder ganz Indiens?) an. Nach dem Einchecken im Hotel gingen wir in die Altstadt. Dort stieg abends ein grosses Fest. Krishna hatte Geburtstag.

Dieses Fest fuehlte sich mehr an wie ein Openair. Menschenmassen die dicht gedraengt an einander klebten.  Animation, laute Musik und tanzende Menschen. Das Highlight des Festes war, ein in der Luft haengender Pot, welcher mit 15’000 Rupies und gesegnetem Sand gefuellt war. 2 Teams versuchten durch eine Menschenpyramide zum Pot zu gelangen um ihn dann zu zerschlagen.  Um den Schwierigkeitsgrad zu erhoehen, wurden sie permanent mit Wasser bespritzt.  Die Rutschgefahr war gross und immer wieder fielen sie zu Boden.

Dieses stimmungsgewaltige Fest dauerte noch einige Stunden und daher verabschiedeten wir uns bevor der Pot geknackt wurde.  Danach schlenderten wir durch die engen dunklen Gassen zum Hotel zurueck.

Ausgeschlafen gings am naechsten Tag weiter. Wir besichtigten diverse Sehenswuerdigkeiten in Udaipur, wie z.B. einen Tempel welcher wohl mit viel Liebe und harter Arbeit gebaut wurde. Tiere, Goetter und sonstige Muster wurden in Stein eingemeisselt.

Wir besuchten den riesengrossen und eindruecklichen City Palast. Er ragt mit seinen Balkonen, Tuermen und Kuppeln ueber einem See auf. Er ist der groesste Palast Rajasthans.

Wir wollten gegen Abend noch eine Bootstour machen, jedoch begann es leider zu regnen.  Wir fuehrten dann noch ein laengeres Schwaetzchen mit 2 Indern, welche uns ueber unser Heimatland, die Schweiz ausfragten. Sie waren der Meinung, dass die Schweizer sehr viel relaxen. Samuel und ich wunderten uns Gerade die Mittelschicht hier in Indien beobachten wir  selten hart arbeiten. Auch die 2 sassen in ihrem Laedeli, keine Leute nichts. Sie sassen einfach da, spielten mit dem Natel… nichts zu lesen….  Sie nehmen sich Zeit fuer ihre Arbeit.

Wir genossen abends auf einer sehr schoenen Dachterrasse ein leckeres indisches Mahl, mit Sicht auf den wundervollen Palast.

Am naechsten Morgen fuhren wir mit dem Bus 90 km entfernt  von Udaipur nach Ranakpur. Unser Ziel dieses Ausfluges war ein jainistischer Tempel, der ein unglaubliches Zeugnis darstellt. Er besteht aus milchweissem Marmor und hat 29 Hallen, die auf 1444 Saeulen ruhen.

Diese jainistische Tempelanlage sei die schoenste und eine der wichtigste in ganz Indien.

Grundlegend fuer die Religion des Jainismus ist die ahimsa (Gewaltlosigkeit) gegenueber  allen Lebenden im Denken und Handeln. Einige jainistische Moenche laufen sogar nackt herum (haben wir leider bis jetzt noch nicht gesehen… schade:-)). Die anderen, weniger stark glaeubigen behalten nur ein Minimum an Besitz, darunter ein Besen, indem sie den Weg vor sich saeubern um nicht auf ein Lebewesen zu treten.  Zusaetzlich haben sie immer ein Tuch bei sich, welches um den Mund gebunden wird, um ja kein Insekt einzuatmen.  Auch essen die Jainisten nichts was unter der Erde war, da ja beim Pfluecken Ameisen oder sonstiges Sterben koennte…

In den Tempel darf man keine Nahrung, Fluessigkeit , Leder, Natel oder Drogen nehmen.

Als wir wieder zurueck nach Udaipur wollten, nahm uns ein freundlicher Mann in seinem Privatauto mit.

Am Tag darauf ging unsere Reise weiter nach Mt. Abu.  Es ist die einzige Hillstation in Rajasthan, liegt auf 1200 meter und war fuer uns ein willkommener Kontrast zu den hektischen, grossen, ueberfuellten und hitzigen Staedten.  Endlich wieder mal 23 Grad. Ich erfreute mich sehr, Samuel hatte schon fast wieder kalt. 🙂

Im Lonely Planet sahen wir ein Museum, welches von einer spirituellen Universitaet entstanden ist.  Wir besuchten dies, da wir schon X-Menschen auf der Strasse gesehen hatten, welche ganz in weiss gekleidet waren und zu dieser Universitaet angehoerten.  Wir wollten der Sache auf den Grund gehen.  Diese Schule lehrt das alle Religionen zu Gott fuehre. Das Museum hat uns aber eher den Eindruck gemacht, dass eine Sekte dahinter steht.  Zum Glueck war der Eintritt gratis und das Interesse schwand mit jeden darin verweilten Minuten. Nachdem Museumsbesuch marrschierten wir ca. 45 minuten zu einem jainistischen Tempel. Auch diese Architektur war atemberaubend!

Auf dem Rueckweg sahen wir eine christliche Kirche, welche in einem erbaermlichen Zustand war. (von den Briten erbaut-sehr alt…)

Der 2te Tag begann mit dichtem Nebel und starkem Regen . Wir stellten uns auf einen Flexer-Tag ein.  Gegen 10.00 Uhr wurden wir durch ein Telefon vom Hotelbesitzer aufgeschreckt. Er bot uns an einen kleinen Trekk zu machen. Wir liessen uns das nicht entgehen, obwohls nach wie vor neblig war.  Mit einem Stock bewaffnet zogen wir dann durch das urwald aehnliche Gebiet. Wenn das Wetter schoen ist, hat man die Moeglichkeit Baeren und Leoparde zu sehen. Wir hatten leider Pech, das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir mussten uns wie immer mit Affen abgeben….

Der Trekk fuehrer lief sehr schnell, wir hatten kaum Zeit uns die wunderschoene Landschaft anzusehen. Auch war er sehr wortkarg und gab uns fast keine Informationen…. Das Preisleistungsverhaeltnis stimmte fuer uns ueberhaupt nicht. 🙂

Aufgrund der schlechten Wetterverhaeltnisse, hatten wir uns entschieden am naechsten Tag weiter zu reisen.

Der Bus fuhr frueh morgens nach Jodhpur. Willkommen in Jodhpur- die blaue Stadt!!!!

Nach unserer Ankunft im Hotel suchten wir einen Arzt auf. Seit Wochen leide ich immer noch an Ohrenschmerzen und wiederkehrenden Fieberschueben… Hier gibts wohl keine Hausaerzte, wir mussten gleich in ein oeffentliches Spital. Nichts aehnelte einem Spital…

Der Arzt sprach nur sehr schlecht Englich mit einem schrecklichen Akzent. Er hat den Puls gemessen, die Lunge ueber die Kleider abgehoert und mit einer Taschenlampe in mein Ohr geschaut.  Es  war fraglich wie viel er gesehen hat, da er kein angemessenes Instrument fuer eine Ohrenuntersuchung hatte. Das einzige was gleich war wie in der Schweiz, der Arzt schrieb in UEBELSTER Schrift und voellig unleserlich die Medis auf ein Rezept. 🙂

Ein wenig verunsichert verliessen wir das Spital. Uns wurde ein anderes Spital empfohlen. Es war ein Privatspital und war eher mit unseren zu vergleichen. Auch hier, kurze Anamnese und lange Wartezeit. Die Ohrenuntersuchung erfolgte wie beim ersten Arzt. Ich musste dann zusaetzlich noch Urin und Blut geben.  1 1/2 Stunden spaeter konnten wir die Resultate abholen. Phuu-Malaria negativ… 🙂 Ich habe eine Ohrenentzuendung laut dem Chefarzt. Die Kosten fuer  den ganzen Spass, lagen bei Sage und Schreibe bei laecherlichen 16 CHF. 🙂

Die verordneten Medis holten wir dann in der Apo und danach gings zurueck ins Hotel. Nun hoffe ich auf endgueltige Besserung!!!!!!!!!

Am 28.8. besuchten wir die Mehrangarh-Festung. Sie thront herrschaftlich ueber der blauen Stadt Jodhpur. Sie ist ein architektonisches Meisterwerk.

it einem Audioguide ausgeruestet, kundschafteten wir die Festung aus. Hier hingegen stimmte das Preisleistungsverhaeltnis und war einfach wundervoll.

Diese Besichtigung beanspruchte fast den ganzen Tag. Die enorme Hitze machte uns zu schaffen… Schon im Sitzen beim Nichtstun sind wir Pflotschnass…So goennen wir uns immer wieder ein eisgekuehltes Limca Getraenk und relaxen mal…. 🙂

Am 29.8. besichtigten wir zuerst den Uhrenturm. Es ist eine Sehenswuerdigkeit in der Altstadt.

Der Uhrenturm ist umgeben von lebhaften Geraeuschen, Bildern und Dueften eines Marktes.  Dort werden Gemuese, Silber, Gewuerze, Handarbeiten…. angeboten.

Bis anhin dachten wir noch durch Zuerich zu schlendern sei anstrengend, doch Indien ist Zuerich Hoch 10!!!!:-) so viele  Menschen, Laerm, Kuehe, Gedraenge…….

Spaeter fuhren wir zu einer Gedenkstaette fuer einen Maharadscha.  Sie besteht aus weissem Marmor und einer Ansammlung kleiner Tuermchen.

Das Essen hier in Indien ist sehr lecker, man erhaelt aber in den touristischen Restaurants sehr wenig und fade Speisen. (kein Training fuer Samuels Wette mit Sam)

Wir muessen dann immer 2 Menues bestellen.  🙂 In typischen indischen Foodstalls erhaelt man hingegen viel mehr und qualitativ besseres Essen.

Das Verhaeltnis von Naehe und Distanz der Inder macht uns manchmal schon noch ein bisschen Muehe. Sie wollen viele intime Infos ueber uns wissen und ueberschreiten dadurch schnell mal unser Grenzen. Auch die starrenden Blicke sind nicht immer angenehm, besonders fuer mich als Frau….  Jedoch kommen wir immer besser mit alldem klar. Die indischen Menschen sind im Grossen und Ganzen sehr offenherzig, friedvoll und begeisterungsfaehig.

Die Armut ist ein grosses Thema. Wie oft werden wir um Geld gefragt von Kindern, die nur ein verloechertes T-shirt tragen  oder wie oft sehen wir Menschen an Bahnhoefen oder an Strassenraender schlafen, ohne Besitz… Ja, es stimmt uns traurig und wir kommen uns mit unserem vollgepackten Rucksack (welcher mit unserem Minimum gefuellt ist) manchmal bloed vor.

Viel koennten die indischen Menschen von uns Europaer lernen… Doch auch sehr viel anderes koennten wir von ihnen lernen…

Schoen ist es, das Privileg zu haben beide dieser Welten sehen und erleben zu duerfen.

Seit lieb umarmt, wir schicken euch sonnige Gedanken

Samuel und Nora

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Am 15.8. war unser letzter Tag mit Chrigi. Wir entschlossen uns, nach einem reichhaltigen Fruehstueck , einen Stadtspaziergang vorzunehmen.  Kaum waren wir aus dem Hotelzimmer raus, mussten wir eine nasse Treppe mit den Flip-Flops bewaeltigen. Oh Schreck, ein Schrei ertoente und Chrigi rutschte einige Stufen auf dem Hinterteil runter. Es war ein Bild wie im Film. Chrigi lachte, verspuerte jedoch leichte Schmerzen am Arm und Gesaess.  Die Rikschafahrer auf der Strasse beobachteten das Schauspiel und fragten Chrigi sogleich nach ihrem Befinden.

Auf unseren Wunsch hin, uns in ein Basarviertel zu fahren, wehrte der Rikschafahrer ab und sagte,  es sei alles geschlossen, da Indiens Unabhaengigkeitstag sei (Indien ist seit 1947 Unabhaengig). Ach klar, stimmt ja… Er sagte uns, es gaebe einen anderen Basar bei welchem 50% der Staende geoeffnet seien. Fast drohten wir ihm zu glauben, doch die Erinnerung an Delhi sind noch zu gross!! Somit glaubten wir ihm nicht und liessen uns zu unserem gewuenschten Platz chauffieren. Voila, der Basar war geoeffnet und zwar 100%. Wir schlenderten durch die schmalen Gaesschen, bewunderten die glitzernden Armreifen sowie die farbigen Kleider bzw. Stoffe und schauten den Steinmetzern zu bei ihrem Kunsthandwerk.  Nach einiger Zeit begann es stark zu regnen. Innerhalb von kurzer Zeit waren die Strassen mit mehreren Centimetern Wasser ueberschwemmt. So endete unser erfolgloses Shoppingtuerli und wir entschlossen uns bei Mc Donald’s ein Menue zu geniessen. Es hoerte nicht auf zu regnen und so suchten wir den Weg zurueck zum Hotel.

Am Abend genossen wir auf der schoenen Dachterrasse das letzte gemeinsame Abendessen.  Mit einem Kingfisher-bier wollten wir unsere 3 letzten, wunderschoenen, erlebnisreichen und lustigen Wochen abschliessen. Zu unserer Enttaeuschung bekamen wir wegen dem Unabhaengigkeitstag kein Bier.  Immer wieder ueberrascht uns Indien.

Wir waren alle 3 ein bisschen wehmuetig, dass Chrigi am naechsten Tag wieder zurueck flog. Doch haben wir vieles erlebt zusammen, was wir alle 3 wohl nicht vergessen werden.

Am 16.8.  Um 05.00 Uhr klingelte der Wecker. Wir hatten uns am Vorabend mit einem Rikschafahrer verabredet, damit er uns zum Flughafen fahren koennte.  Wie in Amritsar schon erlebt, war auch er NICHT da!! Das beeindruckte uns nicht, denn innerhalb von 5 Min. stand ein anderer auf der Matte. Am Flughafen in Jaipur angekommen mussten wir uns definitiv von Chrigi verabschieden.

Samuel und ich gingen zurueck zum Hotel und schliefen erstmal. Eigentlich sollte unsere Reise ja auch gleich weitergehen, aber ich fuehlte mich immer noch nicht gut. Fieber und extreme Bauchkraempfe, begleitet von massiven Durchfaellen  machten mir zu schaffen… Deshalb beschlossen wir, noch eine Nacht laenger in Jaipur zu bleiben und einen Lese- und Ruhetag zu machen. Das Wetter war perfekt dafuer, den ganzen Tag weinte der Himmel.

Am naechsten Tag fuhren wir mit dem Bus 3 Stunden von Jaipur nach Pushkar.  Die Fahrt verlief komischerweise ohne Probleme. Wir beobachteten eine Diskusion zwischen dem Kontrolleur und Mitfahrenden. Es war eine hitzige Sache!!!! 🙂 Alle andern hoerten zu, sie sprachen soooo laut miteinander.  Keine Ahnung um was es da ging, sie sprachen zum Glueck Hindi.  Im Allgemeinen ist uns aufgefallen, dass es im Bus viele laute Gespraeche gibt. Der Umgang scheint eher aggressiv. Alkoholisierte Menschen werden bestimmt aufgefordert, den Bus zu verlassen. Falls sie das nicht mehr selber koennen, so hilft der voellig veraergerte Buskontrolleur gerne nach (der Alkoholkonsum ist in diesen Regionen eigentlich verboten)!

Als wir in Pushkar ankamen, sahen wir, dass stellenweise die Strassen unter Wasser waren.

Uns schreckte das nicht ab, die Hosen rauf und ab durchs kuehle Nass. Pushkar ist eine Hindupilgerstadt mit einem heiligen See mitendrin. Unheimlich viele Tempel sind hier zu besichtigen.

Es hat 52 Badeghats in denen Pilger im heiligen Wasser baden.  Mit einem aufdringlichen Hindu Guru (oder was weiss ich was er war… ) erlebten wir eine Zeremonie und erhielten am Schluss ein rot-gelbes Armband, welches uns Glueck bringen soll. Doch auch er wollte am Schluss einfach nur Geld von uns……..

Im November geht hier wohl die Post so richtig ab. Alle Kameltreiber schniegeln und striegeln ihre Wuestenschiffe und machen sich auf den Weg nach Pushkar. Kamelmarkt ist angesagt….  Ca. 200’000 Menschen und mind. 50’000 Kamele, Pferde und Rinder sind dann versammelt. Bestimmt ist es ein sehr eindrueckliches Erlebnis.

Am 18.8.  ging Samuel noch ein wenig nach Draussen um seinen Bewegungshunger zu stillen. Er hoerte ein lautes Hundebellen, sah den Hund jedoch nicht. Ploetzlich machte es ZAGG und er wurde von diesem kleinen Hund gebissen. Zum Glueck sind wir gut geimpft. Er kam zurueck und zeigte mir die Wunde. Wir haben dann mit  einem schweizer Freund, welcher Arzt ist Kontakt aufgenommen. Er hat uns geraten wegen der Infektionsgefahr Antibiotikum zu nehmen (schon wieder….). So mussten wir dies besorgen. Die Apotheke  ist ein  kleines Laedeli. Ohne weiteres erhielten wir 12 Tabletten Antibiotikum.  Die Wundversorgung wurde unter sterilen Bedingungen 🙂 von mir durchgefuehrt. Ach ihr seht, jeder Tag bringt eine Ueberraschung mit sich.

Im Uebrigen sahen wir an einem Busbahnhof einen alten Mann, welcher nur umwickelte Tuecher um sich trug. Unter den Tuechern hing ein Urinkatheter raus, der hin und her pendelte :-)) Natuerlich mit Urin gefuellt…. 🙂 Das Bild war herrlich, schmerzte meinem Pflegefachfrau Herz jedoch schon ein wenig… 🙂

Auch koennen wir uns koestlich amuesieren ueber die Haarbueschel in den Ohren bei den Maennern. Sie sind extrem lang und stehen waagrecht nach Aussen. Die Fingernaegel werden auch von maennlichen Personen mit rotem Nagellack eingefaerbt und oft sind sie noch langer als die der Frauen. 🙂

Wir haben hier schon so viele Tiere gesehen, sie leben einfach auf den Strassen. Kuehe, Ziegen, Affen, Hunde, Schweine….

Samuel ist demFleischessen immer noch nicht verfallen-er ist ein temporaerer aber stabiler Vegetarier.

Die Farben hier in Rajasthan sind enorm leuchtend und intensiv-wunderschoen. Wir sind daneben die absolut faden Weissen. 🙂

Am 20.8. fuhren wir wieder einmal mit dem Bus von Pushkar nach Bundi. Neben Samuel sass ein junger indischer Mann, welcher sehr gespraechig war und Kontakt suchte. Nach beantworten der ueblichen Fragen wie: Name, Beruf, Herkunft, Zivilstand und Alter, wurden wir im Kreise seiner besten Freunde aufgenommen. Wow, wie viele beste indische Freunde haben wir nun schon???:-) Er fragte uns noch x-mal, ob wir zu ihm nach Hause kommen-wir lehnten dankend ab. Einmal fragte er Samuel was denn mit meiner Haut sei. Wir verstanden die Frage nicht genau und antworteten, meine Haut sei normal. Nach mehreren Rueckfragen bemerkten wir erst, dass er meine Sommersprossen meinte. Er kannte diese wohl nicht und fragte ob ich denn so unreine Haut haette, da ich voll Puenktli sei!! Wir erklaerten ihm das dies nichts mit unreiner Haut zu tun hat. Er verstands wohl nicht richtig und wir muessen noch heute noch darueber schmunzeln.

Nach der pausenlosen 5h und der ueblichen Hotelsuche (direkt am See) schlenderten wir durch Bundi.

Da wir nur noch wenig sterile Verbandmaterialien haben um Samuels Hundebiss fachlich korrekt zu verbinden, suchten wir eine Apotheke auf. An einer Strasse hatte es wohl ca. 6. Immer wieder haben wir genaustens erklaert was wir suchen. Ein Angestellter holte stehts etwas Neues. Nie war es steril und nicht annaehernd etwas aehnliches wie wir brauchten. Ich verzweifelte fast! Ich kann als Pflegefachfrau doch keine unsterile Materialien auf eine offene Wunde legen!!! Samuel lachte mich schon ein bisschen aus und sagte mein Berufstolz sei gross (verstaendlicherweise). Uns wurde geraten ins nahegelegende Spital zu gehen, dort sollten wir das gewuenschte Material erhalten. Gehoert, getan. Es war reine Zeitverschwendung. X-Inder standen um uns herum und wollten wissen was wir brauchen. Noch ehe wir fertig sprechen konnten, wurden wir bereits an andere Personen weitergeleitet. Die selben Erklaerungen nun zum 100 x! Sie sagten uns wir muessen nun warten und dann die Wunde dem Arzt zeigen. Ich versuchte ihnen zu erklaeren, dass wir keinen Arzt brauchen, nur steriles Verbandmaterial. Auch sie liessen uns nicht ausreden. Ich dampfte innerlich!!! Wir sahen die lange Warteschlange und verabschiedeten uns schnellstmoeglich. Was fuer eine Erfahrung mehr.

Mit seinen engen Gassen, den blauen Haeusern, seinen Templen und dem malerischen Palast ist Bundi eine Stadt, die einem muehelos gefangen nimmt.

Wir besuchten diverse Sehenswuerdigkeiten.

Am Strassenrand hielt uns ein Mann auf seinem Toeff an, er stellte sich vor uns sagte er sei Archaeologe. Zu Dritt auf dem Toeff fuhr er uns zu einer anderen Sehenswuerdigkeit.

Er war sehr gespraechig und lud uns zu sich nach Hause ein. Dort erhielten wir Suessigkeiten und Chai. Er erzaehlte uns dabei viel ueber seine Entdeckungen und die Liebe zu uralten Wandmalereien. Es war ein lustiger Besuch. Wir diskutierten, sangen und bestaunten antike und von ihm gefundene Gegenstaende.

Mit einer engen Umarmung und viel Emotionalitaet von seiner Seite her, verabschiedeten wir uns.

Auf einer Dachterrasse mitten in Bundi, wurde die Beste Pizza von der Stadt angepriesen. Natuerlich musste Samuel dieses Angebot in Anspruch nehmen und sie testen. Now risk now fun….. 🙂 Sie wurde in einer Pfanne zubereitet, weil angeblich gleich der Strom des Bachofens ausgefallen sei……..  Uns faellt oft auf, dass genau in diesen Momenten der Strom sehr haeufig ausfaellt. 🙂 Die Pizza war klein, fein und sehr scharf- mit einer italienischen Pizza nicht zu vergleichen.

Wir sind gespannt was Indien noch parat hat fuer uns. Wir sind offen und merken das Indien uns immer wieder neu  auf irgendeine Art beruehrt.

Trotz nicht immer einfachen Situationen gehts uns gut!! 🙂

Seit lieb gegruesst

Samuel und Nora

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Am Morgen frueh um 03.20 Uhr klingelte unser Wecker. Der Regen prasselte auf die Blechdaecher. Noch voellig muede packten wir unsere 7 Sachen zusammen. Rucksackregenschutz, Regenhosen, Regenjacke, Kaputze und Flip-Flop’s hatten wir montiert. Auf dem Weg zum Bus mussten wir durch kleine Baechlein gehen. Die Busfahrt von Mc Leod Ganj nach Amritsar (unser naechstes Ziel) dauerte 7 Stunden.  Unser Busfahrer war flott unterwegs. Bei einem kurzen Zwischenhalt stiegen zwei Polizisten mit einem Haeftling in den Bus rein. Der Gefangene trug Eisenketten um die Haende und wurde bei einem Polizist fixiert. Wir staunten sehr ab diesem Bild.  Wird in Indien ein Gefangener doch tatsaechlich in einem oeffentlichen Bus transportiert.  🙂

In Amritsar angekommen, ging die uebliche Hotelsuche los. Innert kuerzester Zeit waren wir bachnass.  Nicht wegen dem Regen, sondern wegen dem dort herrschenden tropischen Klima.

Amritsar ist eine Stadt, welche den heiligsten Schrein der Sikh-Religion, den spektakulaeren Goldenen Tempel beherbergt.   Der Glaube an eine  auserwaehlte Gruppe heiliger Krieger ist fuer die Sikhs eine wesentliche Vorstellung.  Es gibt 5 Symbole zur Kennzeichnung:

1. unrasierter Bart und ungeschorenes Haar (=Froemmigkeit)

2. Kamm zur Pflege des rituell ungeschorenen Haares

3. kurze Unterwaesche (=Bescheidenheit)

4. Dolch oder Schwert (=Macht und Wuerde)

5. Armreif aus Stahl (=Furchtlosigkeit)

Am 10.8. besuchten wir als erstes den Jallianwala Bag. Das ist ein nachdenklich stimmender Park.  Er erinnert an die Inder, welche dort 1919  von den Briten getoetet oder verwundet wurden (Schaetzungsweise wurden ca 1500 Perconen getoetet).

Inder, welche dann  in Verdacht standen einer Unabhaengigkeitsbewegung anzugehoeren, konnten einfach so eingesperrt werden von den britischen Behoerden.  Als Protest gegen dieses Gesetz wurden Generalstreiksorganisiert, die dann in diese gewalttaetigen Ausschreitungen ausarteten.

Im Park sind Anschlaege der Gewehrkugeln sichtbar, sowie der Brunnen, in den hunderte von Menschen sprangen um dem Beschluss zu entgehen.  Auch brennt eine ewige Flamme zum Gedenken.

In diesem Park waren wohl wieder einmal mehr wir 3 weissen Schweizer die Hauptattraktion. So viele fragten uns fuer Fotos… Mit der Zeit wars fast ein bisschen laestig.  Aber meist fragten sie sehr freundlich, bedankten sich herzlich und zeigten grosse Freude wenn sie das geschossene Foto anschauten.

Ein spezieller Besuch war  der im Mata Tempel. Es ist ein labyrinthischer hinduistischer Hoehlentempel, welcher an eine hindu heilige Dame erinnert.  Der Rundweg zum Hauptschrein fuehrt durch Wasserlaeufe, niedrige Tunnel, ueber Treppen, Gaenge und durch Hoehlen. Alles ist fuer unsere Verhaeltnisse kitschig. Ueberall sind verschiedene farbige Mosaiksteine…

Viele Frauen gehen dorthin, um fuer ihren Kinderwunsch zu beten. Chrigi und ich hatten aber nicht diese Absicht.

 

Ein anderer Tempel, welchen wir besichtigten war Sri- Durgiana Tempel. Er ist von einem heiligen Wasserbecken umgeben, hat verzierte Silbertueren und wird deshalb von den Hindus als Silberner Tempel bezeichnet.

Die meisten Menschen hier sind sehr freundlich, starren uns zwar immer extrem an, wenn wir sie freundlich anblicken, schenken sie uns ein offenes und herzliches Lachen.

Nachdem wir am Abend, das Abendessen eingenommen hatten, trafen wir einen alten Velo-Rikschafahrer mit Hennahaaren (ist auch bei Herren ueblich hier…). 🙂  Er plauderte mit uns und wollte natuerlich auch „gschaeftle“ . Samuel zeigte wenig Interesse an ihm und lief weiter. Chrigi und ich fanden ihn natuerlich haerzig und hielten Schwaetzchen um Schwaetzchen mit ihm.  Wir haben dann mit ihm abgemacht, dass er am naechsten Tag, 11.8., um 05.30 Uhr  bei unserem Hotel sein soll und mit uns zum Goldenen Tempel fahren darf.  Gut, x-mal haben wir uns dann vo ihm verabschiedet, doch er klebte uns an der Sohle….  Samuel musste nur lachen…  🙂 Sogar vor dem Restaurantfenster wartete er auf uns, bis wir unseren Kaffee fertig getrunken hatten.  Zum Glueck sind wir drei gute Redner und diskutierten stundenlang ueber Indien und die Welt.  Irgendwann wurde es ihm dann doch zu bloed und der suesse Rikschafahrer verschwand.

Ja, wie abgemacht standen wir kurz vor dem Sonnenaufgang  vor unserem Hotel und warteten auf unseren Rikschafahrer Santos.  Chrigi und ich waren ueberzeugt, dass er schon lange auf uns wartete.  Samuel aeusserte sich dazu nicht gross.  Wohl hatten wir kurze Zeit vergessen, dass wir in Indien sind. Natuerlich wartete Santos nicht auf uns. Gut, dachten wir: „de hesch haut dis Gschaeft vom Tag nid choenne mache- Saeubertschoud!!“ Und so trugen unsere Fuesse uns zum Goldenen Tempel.

Die Schuhe abgegeben, die  Haare mit dem Kopftuch bedeckt, Fuesse und Haende gewaschen:

Willkommen im heiligsten Tempel der Sikhs.

Wir liefen um den Marmorgang, welcher das Wasserbecken mit heiligem Wasser umgibt, sassen uns auf den Boden (natuerlich nicht mit den Fusssohlen  in Richtung Tempel), beobachteten eine grosse Menschenmenge  beim Beten, bewunderten die farbigen Kleider der Frauen und die Turbane der Maenner, hoerten den Priestern zu, welche aus dem heiligen Buch rezidierten, liessen uns fotografieren (hier koennte man noch eitel werden…) und begutachteten  die golden verkleidete Kuppel mit 750 kg reinem Gold, welche eine umgedrehte Lotusblume darstellt.

Nach dem Tempelbesuch wollten wir eine Platzreservation fuer den Zug nach Jaipur vornehmen. Wir betraten ein Informationsbuero  in welchem ca. 6  Maenner sassen. Das Buero aehnelte eher einer Presidentensuite als einem Infobuero. Auf unsere Frage hin nach Zugverbindungen, -Preise und Reservationsmoeglichkeiten, erhielten wir keine Antworten, nur eine duenne nichts aussagende Broschuere. Dankend verliessen wir das Buero und gingen  in das nahegelegene Zugreservationsbuero. Die Menschenschlange war lang, jeder drueckte hervor.  Bis auch wir uns wehrten. Nach langem erhielten wir unsere gewollten Infos und sogar ein Formular zum Ausfuellen, welches man benoetigt  zur Reservation.

Gut, erfreut waren wir 3  als wir wieder am Schalter standen und das Geld bereits griffbereit hatten. Der liebe Angestellte sagte uns dann, dass es nun doch keine freien Plaetze  mehr gibt im Zug fuer den naechsten Tag. 57 Leute muessten zuerst absagen. Ja, somit waeren wir auf einer Wartelise.  Die Chancen seien gering um einen Platz zu erhalten. Er hat uns dann das wundervolle Angebot gemacht, am selben Tag noch 12 h mit dem Zug nach Jaipur zu duesen, wir hatten dann 1 1/2 Sitze. Dankend lehnten wir ab. Wir beschlossen wieder eine 15 Stuendige Busfahrt mit 3 Sitzen auf uns zu nehmen.

Zum ersten Mal haben wir am 12.8. ausgeschlafen, das heisst, wir schliefen bis 10.00 h. Nun geht die Reise weiter. Nach dem Zusammenpacken machten wir uns auf den Weg zum Goldenen Tempel. Dort hat man die Moeglichkeit gratis mit ganz vielen anderen Menschen zusammen zu Essen. Egal welcher Religion man angehoert, egal welche Hautfarbe man hat, Geschlecht oder Alter… Als 1. Station erhielt man Teller, Loeffel und eine Trinkschale. Im oberen Stock ist eine riesengrosse Halle mit Teppichen, auf denen alle  in einer Reihe Platz nehmen.  Es kamen freiwillige Arbeiter vorbei und verteilten Wasser, Dal, Milchreis und Chapatis. Man kann so viel haben wie man will, sie sind grosszuegig und fuellen die Teller immer wieder auf. Weit und breit waren keine Weissen dort, wir waren die einzigen. Taeglich werden dort fuer ungefaehr 60-80’000 Menschen die Mahlzeiten gekocht und serviert.  Das Essen war sehr lecker und das Erlebnis mit so vielen Menschen zusammen am Boden sitzend, einfach einzigartig!! Fuer uns ist ungewohnt, dass die Inder sehr schnell essen.

Nach dem Essen nimmt jeder seinen Teller und geht nach unten. Dort hats 5 Stationen fuer den Abwasch. Immer wenns ein bisschen sauberer ist, wandert das Geschirr eine Station weiter, bis es dann ganz sauber ist.  Auch hier arbeiten Freiwilligenhelfer. Wir 3 gesellten uns auch dazu und halfen abwaschen. Wir waren bei Station 5 und somit beim saubersten 🙂 unser Geschirr legten wir danach in einen riesengrossen Behaelter. Dort wirds dann abgeholt und wieder an die hungrigen Menschen verteilt.

Ja, nach dem Tempelbesuch gingen wir zurueck zum Hotel.  Mit einem Autorikscha fuhren wir zum Busbahnhof. wie immer gings dort sehr hektisch zu und her. Es begann zu Regnen. Es schuettete wie aus Kuebeln.  Der Buschauffeur sagte uns, wir muessen unsere Rucksaecke  aufs Dach binden. Das ist ja ueblich in Indien, aber was um herrgottswille ueberlegten die sich? Der Regen goss in Stroemen und wir sollten unser Gepaeck aufs Dach binden??? He,  innerhalb von kuerzester Zeit waere unser Hab und Gut pflotschnass geworden.  Natuerlich hatten wir einen Regenschutz drum, doch bei diesem Regen ist auch das Wasserdichteste bald nicht mehr wasserdicht…:-)  Irgendwie verstanden die unser Problem nicht.  Einige Diskusionen folgten, bis wir das Gepaeck dann doch aufs Dach binden mussten. Gesagt, getan. Im Bus sitzend, kam ein anderer Mann und sagt uns, wir sollen das Gepaeck in den Bus nehmen, es werde sonst ja ganz nass.  Samuel stand erneut auf dem Dach. Stopp!! Ein anderer kam und sagte bestimmend NEIN. Ja, wissen denn die selber nicht was sie wollen??? Gut, schlussendlich nahmen wir unsere Rucksaecke wieder weg vom Dach und platzierten sie im Bus hinter dem Sitz des Chauffeurs.  So blieb das meiste Material doch trocken.

Fuer mich wars wohl die schwierigste Fahrt. 15 Stunden sollte sie dauern, daraus wurden 20, die Regenguesse schienen nicht aufzuhoeren und so waren die Strassen teils bis 20 cm unter Wasser, Stau entwickelte sich immer und immer wieder,der Busfahrer war ein Egoist und hat waehrend dieser unendlich langen Fahrt gerade mal 1 Halt gemacht fuer ca. 15 min. zum Pinkeln und um einen kleinen Snack zu kaufen. Dazu kam, dass ich momentan an einer starken Erkaeltung leide und akute Fieberschuebe  auf ueber 38 Grad hatte.

Am Mittag dann in Jaipur angekommen, suchten wir uns ein Hotel. Es war nicht schwierig. Wir haben wirklich einen Gluecksfang gemacht. Ein grosses, sauberes Zimmer mit eigenem Bad und sogar heissem Wasser, ausgezeichnetem  Restaurant und freundlichen Leuten… Ja, wir lassen es uns die naechsten Tage mal gut gehen. Und somit hat Chrigi doch noch einen wuerdigen Abschied von Indien. Sie fliegt am Mittwoch zurueck in die Schweiz und muss am Di. Morgen hier in Jaipur auf einen Inlandflug.  Wir geniessen die restlichen gemeinsamen Tagen ausgiebig. Die 3 Wochen mit Chrigi gingen im Fluge vorbei und somit muessen wir uns bald wieder verabschieden 😦

Heute  haben wir die  Stadt Jaipur besichtigt.  Hier fndet man erstaunliche Bergfestungen, praechtige Palaste und geschaeftige Basare. Die Farbe Rosa der Gebaeude verdankt die Stadt dem Maharadscha Ram Singh (1876). Die Farbe symbolisiert die Gastfreundschaft.

 

Indien ist ein sehr chaotisches, verwirrendes, manchmal frustierendes aber sehr inspirierendes und vielschichtiges Land.  Wir sind froh und dankbar, dass wir den Sprung ins Kalte Wasser gewagt haben und dem Unbekannten ins Auge blicken. Ueberzeugt sind wir, dass diese Erfahrungen und Erlebnisse unvergesslich sind und wir uns in irgendeiner Form veraendern  werden.

 

 

Uebrigens tuts uns leid, dass ihr gewisse Fotos nicht richtig anschauen koennt, weil sie nicht im Breitformat sind. Das Problem ist, dass wir die Fotos hier nicht Drehen koennen. Auch haetten wir noch einige Fotos mehr runterladen wollen fuer euch, doch das Internet ist unheimich langsam und es raubt einem wirklich den letzten Nerv…

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Soseli, wir haben wieder einmal die Moeglichkeit um uns im Internet zu verweilen. Wir haben in der Zwischenzeit natuerlich wieder wahnsinnig viel erlebt… Fangen wir mal an 🙂

Am Freitag, 29.7. (schon ein Weilchen her, gell…), haben wir Chrigi am Flughafen in Leh abgeholt. Wir fuhren dann mit dem Taxi zu unserem Guest house. Damit sich Chrigi etwas aklimatisieren konnte (3500 m) beschlossen wir es etwas gemuetlicher zu nehmen. Nach der Ankunft im Guest house wurde Chrigi bei  einer Fruchtplatte und Minzentee von Nora und mir in die Kunst des Indienreisens eingefuehrt.  Es ging lustig zu und her.

Am selben Tag bei Abenddaemmerung und schoen warmen Temperaturen machten wir gemeinsam Yoga und schnauften um die Wette mit unserem lustigen, spanischen moechte-gern Yoga Guru, auch ein Tourist im selben Gasthaus.

Die erste Nacht zu dritt im Bett war ganz nett :-)) Viel haben wir nicht geschlafen, da es viel zu plaudern gab!!!!

Am Samstagmorgen wurden wir unverhofft zu Nothelfern. Eine deutsche Touristin aeusserte uns gegenueber, dass sie seit laengerer Zeit an starken Schwindelattacken leidet. Sie konnte kaum noch gehen. Natuerlich waren Nora und Chrigi im Zentrum des Geschehens und reagierten Fachgerecht. Innert kurzer Zeit fuhren wir ins Spital, weil in naeherer Umgebung kein Arzt zu finden war. Beim Betreten des Spitals wurde es mir ein bisschen mulmig in der Magengegend. Der Anblick der kahlen und schmutzigen Spitalzimmer und der offene Blick in den vollgestopften Raum zeigte uns die Realitaet der indischen Spitaeler. Fuer die schnelle Behandlung musste die Frau  2 Rupies (das ist fast nichts…) bezahlen. Der Arzt sagte ihr, dass sie irgendein Infekt hat, welcher mit Antibioktikum und Elektrolytenzufuhr behandelt werden muss.  Sie  erhielt ein Rezept fuer die Medis, welche Nora mit dem Taxifahrer auf der gegenueberliegenden Strassenseite in einer Apotheke besorgen musste.  Auch die Medis waren recht guenstig. Man erhaelt hier keine Packung und auch keine Packungsbeilage, die Angestellten geben einem die Anzahl Medis die man braucht in den Blister ab.

Nachdem die Behandlung abgeschlossen war, fuhren wir mit ihr zurueck zum Gasthaus. Sie legte sich dann hin und wir machten uns mit hungrigen und knurrenden Maegen auf den Weg zum Fruehstueck. Schliesslich war dann bereits Mittag.

Gesaettigt machten wir uns nachher auf den Weg in einem vollgestopften Bus zur Thiksey Gompa. Sie liegt ca. 17 km entfernt von Leh.  Diese wunderbare Gompa liegt erhoeht auf einem Huegel. Der Aufstieg dorthin warvorallem fuer Chrigi und Nora in der brennenden Hitze kein Vergnuegen.  Bill und ich entspannt, Chrigi und Nora mit knallroten Koepften, sehnten wir uns alle nach einer kuehlen Cola.

In einem  dieser Tempel kippten wir beinahe aus den Schuhen (ooo nein, die liessen wir ja vor dem Tempel stehen:-))… Eine uebergrosse Beschuetzerfigur behaengt mit farbigen Tuechern, praesentierte uns ein monstroeses maennliches Geschlechtsteil… Fragen von uns kamen auf….

Am Sonntag beschlossen wir eine Tageswanderung zu machen. Topmotiviert liefen wir waehrend der Mittagszeit (somit auch Mittagshitze) los.  Als wir eine schmale Strasse entlang liefen, schaute uns ein maechtiger, schwarzer und mit hoernerbestueckter Stier tief in die Augen und wollte uns angreifen. Wir rannten wenige Meter davon und konnten uns so gluecklicherweise noch retten…  Ein Inder welcher dem Geschehen zuschaute, lachte uns nur frech an… oder aus…???? 🙂

So, die Strasse war wieder frei, der Marrsch ging weiter. Die Wanderung wurde aber nicht mehr so lange wie geplant. Die Mittagshitze und die Hoehe machten uns zu schaffen.

Den 1. August verbrachten wir  zwar ohne Feuerwerk, trotzdem sangen wir  unserem kanadischen Freund Bill die schweizer Hymne vor. Er lachte und fand unser Konzertli super. Der Nationalfeiertag war fuer uns eher ein organisatorischer Tag als ein Feiertag. Ohne grosse Anstreungung, Zeit und Nervenverlust, kauften wir bei einer Busstation unsere Fahrkarten und reservierten Plaetze in einem Semi Deluxe Bus, fuer unser naechstes Ziel Srinagar, in Kashmir.   Reisezeit  19 Stunden!!!!!

Am Abend und bei guten Lichtverhaeltnissen besuchten wir die Shanti Stupa. Ein steiler Weg mit vielen Stufen fuehrte zu dieser einzigartigen Attraktion. Diese Stupa wurde von japanischen Moenchen erbaut, zur Foerderung des Weltfriedens. Da wir die Schuhe wieder ausziehen mussten beim Betreten der Stupa, war es mir ein wenig komisch… Ich hoffte ganz fest, dass ich sie nach dem Besuch wieder an mich binden konnte 🙂

Wir haben uns dann bei einem leckeren Abendessen noch von Bill verabschiedet. Er blieb noch einige Tage in Leh um zu Trekken. Wir werden ihn evtl. in Nepal nochmals sehen. 🙂

Am naechsten Tag waren wir puenktlich um 13.30 Uhr beim Busbahnhof. Dort wurden wir zu unserem Gefaehrt verwiesen. War es wirklich ein Semi- Deluxe Bus??? Rost, Blechbeulen und Schmutz. Auf schweizer Strassen ein Ding der Unmoeglichkeit. Wir sassen in der hintersten Reihe, da es sonst nirgends mehr Platz hatte. Die Fahrt ging los. Anfaenglich dachten wir 3 lustigen noch, evtl. koennen wir nachts ja ein bisschen Schlafen… Ja denkste… Die wundervolle  Passfahrt mit steilem Abgrund machte den Anfang. Nach kurzer Zeit mussten wir bereits Plaetze wechseln, da Chrigi an Hoehenangst leidet und sich das schlimmste ausmalte. Haendchenhaltend, betend, positiv denkend und hoffnugsvoll gings weiter. Es holperte. Es holperte immer mehr. Ja, es hat waehrend 19 h ununterbrochen geholpert! Schlechte Strassen, Schlagloecher, Steinschlaege…. Das Schlafen konnten wir schnell vergessen. Wir wussten, nun muessen wir bis zur Ankunft durchhalten. Manchmal holperte es so fest, dass es unsere- zum Glueck gut gepolsterten- Fuedlis mehrere Zentimeter anhob und der Aufprall unsere jungen Ruecken um mind. 50 Jahre aelter machten. Immer wieder sagte Chrigi: “ Auso wenn das kei Extremsituation isch, de weiss i au nuem.“ Anfaenglich lachten wir ueber diese Aussage, spaeter fanden wirs auch.

Kurze Halte zum Essen, Pinkeln und Trinken wurden gemacht. Ca um 3 Uhr hielten wir im Nirgendwo an, kein Buschauffeur war mehr sichtbar. Nach einiger Zeit haben wir herausgefunden das dieser sich hinlegte und ca. eine Stunde schlief. Danach ging die schlaflose, sehr anstrengende Busfahrt weiter.

Endlich kamen wir um ca. 8.30 in Srinagar an. Als wir noch im Bus sassen, kamen bereits aufdringliche Verkaeufer und machten Werbung fuer ihre Hotelzimmer, Hausboote und Taxis. Wir waren alle 3 voellig uebermuedet und vorallem Nora hatte in diesem Moment einmal mehr Muehe mit der oft spuebaren Aufdringlichkeit. Chrigi bemerkte relativ rasch, dass sie nun im realen Indien angekommen ist.

Wir hatten im Hotel Swiss eingecheckt, unser Gepaeck abgegeben und nach einem leckeren Fruehstueck erstmal zwei Stunden geschlafen.

Srinagar zeigt viele Hausboote auf dem Dal- See, verschiedene Gaerten und farbenfrohe Moscheen. Das Problem ist das in Srinagar sehr oft Spannungen herrschen. Deshalb war die Polizei und das Militaer ueberall sehr present. Wir haben uns natuerlich vor der Hinreise bei diversen Internetseiten ueber die momentane politische Lage erkundigt. Wir spuerten dennoch eine angespannte und spezielle Atmosphaere. Wir waren auch wirklich fast die einzigen Touristen dort. Die meisten in Srinagar lebenden sind Moslems. Somit hoerten wir regelmaessig immer wieder die Gebete aus den Minarettlautsprechern. Ja, es ist unheimlich spannend die vielen Religionen in Indien kennenzulernen.

Wir blieben zwei Tage in Srinagar und haben diverse Moscheen besucht. Eine war sehr gross und bietet 33000 Glaeubigen Platz. Bei einer anderen gibt es eine hoechst umstrittene Theorie, welche behauptet, dass sich in der Krypta des Schreins das Grab von Jesus Christus befindet. Na ja… Wir besuchten noch ein Museum und die erste katholische Kirche.

Am Abend waehlten wir ein bemaltes Shikara (Padelboot) aus und fuhren laenger als 1 1/2h auf dem schoenen ruhigen See herum. Ich half dem Fahrer beim Padeln, somit waren wir schneller unterwegs. 🙂 Es war wundervoll entspannend….

Unsere Weiterreise ging nach Jammu. Wir wussten, dort wuerden wir nicht lange bleiben. Jammu ist eine typisch indische Stadt. Staub, Laerm, Chaos……. Uns dreien gefiels nicht sonderlich, vorallem Chrigi hatte Muehe. Die Hitze war enorm, nichts getan aber bach nass. Nach der ersten Nacht, in einem winzig kleinen Zimmer, gingen wir am naechsten Morgen weiter. Unser Ziel war Mc Leod Ganj. Die Busfahrt sollte eigentlich 5h dauern, wir sassen jedoch muehsame 8h in einem vollgestopften Bus. Im oberen Dharamsala angekommen, suchten wir unser Hotel in stroehmendem Regen.

In Mc Leod Ganj befindet sich die tibetische Exilregierung und die Residenz des 14. Dalai Lama. Wir besuchten den Tsuglagkhang- Komplex, zu dem gehoehrt die Residenz des Dalai Lama, eine Gompa, und das Tibetmuseum und der grosse Tempel selbst. Immer wieder staunen wir darueber welches Leben die Moenche hier fuehren. Wohl ein voellig anderes als die in der Schweiz (wir sind ja auch in Indien). Mit dem Dalai Lama selbst konnten wir leider kein Schwaetzchen halten, wir haben ihn nicht kennengelernt.  Schade, aber vielleicht ein ander mal… 🙂

Auch das Tibetmuseum war sehr interessant und eindruecklich. Es schildert anhand von Fotos, Filmen und Interview’s  die tragische Geschichte  der chin. Besetzung Tibets und die anschliessende Flucht der Tibeter.

Spaeter gingen Chrigi und Nora noch durch die schmalen Gassen und bewunderten die vielen und farbigen handgemachten Schmuckstuecke. Ich ging zurueck ins Zimmer, ich brauchte ein wenig Ruhe vom lauten, chaotischen Indien.

Heute besuchten wir ein Museum, welches eine Ausstellung zur traditionellen Tibetischen Medizin zeigte. Es war fuer uns aber nicht ganz einfach, dass alles zu verstehen.

Ja, es gibt noch vieles zu sehen und erleben hier. Doch unser Drang zum Weiterreisen ist gross und auch der dauernde Regen hier ist mit der Zeit muehsam. Deshalb werden wir Morgen  fruh um 04.00 uhr bereits wieder an der Bushaltestelle stehen. Die Reise geht weiter……

Liebe Umarmungen

Nora und Samuel

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